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Nach Eichbaum-Insolvenz: Sind weitere Traditionsbrauereien im Südwesten in Gefahr?

Nachrichten Nach Eichbaum-Insolvenz: Sind weitere Traditionsbrauereien im Südwesten in Gefahr?

Quelle: Robert Michael/dpa/ZB/Symbolbild
dpa

Sinkender Bierabsatz, gestiegene Kosten: Die Herausforderungen für Brauereien im Südwesten nehmen zu. Wie geht es für die Branche weiter?

Die Privatbrauerei Eichbaum hat Kriege und Wirtschaftskrisen überlebt, fast 350 Jahre lang. Nun ist aber klar: Die Rettung des insolventen Mannheimer Unternehmens ist gescheitert. Keine Lösung war tragfähig. Alle rund 240 verbliebenen Beschäftigten werden gekündigt. Bis Ende September sollen laufende Aufträge zwar noch abgewickelt werden – doch dann gehen in der Traditionsbrauerei endgültig die Lichter aus.

Der Fall Eichbaum ist das prominenteste Beispiel einer Krise, die die Brauereien im Land erfasst. Denn: «Kämpfen tun alle», sagt Axel Grehl, Sprecher des Baden-Württembergischen Brauerbunds.

Was ist in der Branche los?

Um zu verstehen, warum Brauereien in Schwierigkeiten geraten, muss man die Marktentwicklung kennen. Der Bierabsatz in Deutschland ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf ein Rekordtief gefallen: Mit 7,8 Milliarden Litern lag er sechs Prozent unter dem Vorjahreswert. Das war die kleinste Menge seit Einführung der Statistik im Jahr 1993.

Der Absatz ist schon seit Jahren rückläufig. Ein gesünderer Lebensstil ohne Alkohol, geänderte Trinkgewohnheiten und allgemein die Alterung der Gesellschaft sind Gründe dafür. Auch in Baden-Württemberg ist das spürbar. Der Gesamtbierabsatz ist zuletzt deutlich gesunken: von rund 570 Millionen Litern im Jahr 2023 auf etwas mehr als 490 Millionen Liter im Jahr 2025. «In den letzten zehn Jahren haben wir in Baden-Württemberg rund 20 Prozent Absatz verloren», berichtet Grehl.

Wie viele Brauereien gibt es noch im Südwesten?

Baden-Württemberg ist nach Bayern das Land mit den meisten Brauereien. Nach Angaben des Baden-Württembergischen Brauerbundes gibt es aktuell noch 190 Brauereien im Land. Der Trend zeigt aber nach unten. Zum Vergleich: 2022 gab es 214 Betriebe im Südwesten – das war der Höchststand. Im Durchschnitt braut jede Brauerei demnach mehr als zehn Biersorten.

Welche Probleme gibt es?

Als Hauptursachen für die Schwierigkeiten der Branche gelten neben dem sinkenden Bierkonsum auch gestiegene Rohstoff- und Energiekosten sowie eine allgemeine Kaufzurückhaltung. «Die Brauereien haben im Moment multiple Probleme», sagt Grehl. Zwar wachse der Markt für alkoholfreie Biere, doch die Zuwächse könnten die Rückgänge im Kerngeschäft bislang nicht ausgleichen.

Eichbaum hatte die Insolvenz damit erklärt, dass der Exportumsatz gesunken und die Nachfrage im Inland zurückgegangen war. Das führte demnach zu einem Liquiditätsengpass. Mitte Juni hatte auch die Schussenrieder Brauerei Ott (Landkreis Biberach) Insolvenz angemeldet. Das Familienunternehmen, das seit 120 Jahren in vierter Generation geführt wird, stellt rund sechs Millionen Liter Bier pro Jahr her. Der Geschäftsbetrieb läuft aktuell weiter.

Wird es noch mehr Brauereien treffen?

Ob nach Eichbaum weitere Brauereien in Schieflage geraten werden, lässt sich nach Einschätzung des Brauerbundes nicht sagen. Akute Alarmsignale bei Betrieben seien ihm aktuell nicht bekannt, sagt Grehl. «Es kann schon sein, dass es auf dem Markt noch Bereinigungsprozesse gibt. Das kann man nicht ausschließen, weil der wirtschaftliche Druck hoch ist – aber die baden-württembergische Brauereilandschaft ist noch resilient.»

 

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