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Özdemir wirbt für Dialekt: „Wir haben keine Sprachpolizei“

News Özdemir wirbt für Dialekt: „Wir haben keine Sprachpolizei“

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Kein Hochdeutsch? Kein Problem! Das sagt zumindest der neue Ministerpräsident – und plädiert für mehr Gelassenheit im Umgang mit Dialekten. «Jeder soll reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist!»

Kein Hochdeutsch zu können ist aus Sicht von Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir kein Nachteil. «Das hat man früher immer gesagt, aber das ist doch heutzutage kein Problem mehr», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Ich hatte auch Kollegen im Parlament, die haben breitestes Bairisch gesprochen, gesächselt und so weiter, und wir haben uns trotzdem verstanden.»

Der 60-Jährige kann beides – und vor allem zwischen Hochdeutsch und Dialekt blitzschnell wechseln. Özdemir wirbt für einen sehr selbstbewussten Umgang mit dem Schwäbischen und anderen Dialekten. «Wir haben keine Sprachpolizei. Jeder soll reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist», sagte Özdemir. Er freue sich immer, wenn ihn jemand in der Mundart anspreche.

Özdemir: Dialekt gibt uns Farbe

Dialekte seien mehr als nur eine regionale Eigenheit. «Das Pflegen der Mundart ist wichtig. Gerade wenn es um Emotionen geht, kann man diese ganz anders zum Ausdruck bringen als in der Schriftsprache.» Außerdem stifte die Mundart Identität. «Es gibt uns Farbe, das macht uns unterscheidbar.»

Seit Özdemir aus Berlin nach Baden-Württemberg zurückgekehrt ist, hört man ihn auch häufiger schwäbeln. Nach eigenen Worten spricht der Regierungschef selbst situationsabhängig Dialekt.

«Ich spreche immer dann Schwäbisch, wenn ich unter Schwaben bin. Und wenn ich weiß, dass Nicht-Schwaben anwesend sind, probiere ich, so weit Hochdeutsch zu sprechen, wie mir das halt möglich ist.» Aber grundsätzlich gelte: Je entspannter und gemütlicher die Situation, desto schwäbischer spreche er, so der Ministerpräsident. Özdemirs schwäbische Lieblingsredewendung: «So isch na au wieder» – der schwäbische Ausspruch steht dafür, dass alles zwei Seiten hat.

Mehr Akzeptanz der Mundart an Schulen

Mundarten sollten auch an Schulen noch eine gewichtigere Rolle einnehmen. «Ich finde es schön, wenn wir die Mundart erhalten und weitergeben. Da hat sich ja Gott sei Dank in den Schulen viel verändert.»

In seiner eigenen Schulzeit sei das noch anders gewesen. «In meiner Schulzeit gab es noch Kämpfe, ob man Schwäbisch sprechen darf oder nicht. Ich hatte eine Deutschlehrerin, die das nicht wollte.» Damals habe teilweise die Haltung vorgeherrscht, dass man sich mit der Mundart Wege und Karrierechancen verbaue.

Ob Schwäbisch, Kurpfälzisch oder Hohenlohisch: In Baden-Württemberg gibt es eine Vielfalt an Dialekten. Das Land warb viele Jahre mit dem Slogan: «Wir können alles. Außer Hochdeutsch.» Während Mundarten früher im Schulalltag teils zurückgedrängt wurden, werden sie heute vielerorts als Teil regionaler Identität und Kultur gepflegt.

 

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