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Röntgen-KI fischt brennbare Akkus aus dem Müll

News Röntgen-KI fischt brennbare Akkus aus dem Müll

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Akkus in alten Vapes, in Handys oder Grußkarten: Was eine neue Röntgen-KI alles aus den Müllbergen fischt – und warum das für die Sicherheit auf Recyclinghöfen so wichtig ist.

Zuletzt loderten die Flammen aus der Halle eines Recyclingbetriebs in Sontheim an der Brenz. Der geschätzte Schaden: rund zwei Millionen Euro. Wenige Tage zuvor brannte in St. Georgen eine Müllpresse, und auch in Mühlacker rückte die Feuerwehr aus. In allen Fällen führte dieselbe Ursache zum Einsatz: falsch entsorgte Akkus oder Batterien, die beim Schreddern einen Kurzschluss auslösen und Feuer fangen.

Diese Brände sind längst kein Randphänomen mehr. Laut einem Bericht des Fraunhofer-Instituts IIS kommt es in deutschen Müll- und Sortieranlagen jährlich zu mehr als 10.000 Feuern. Rund 80 Prozent davon entstehen durch Lithium-Ionen-Akkus, die sich unter Druck oder Reibung entzünden. Entsorger versuchen deshalb, die gefährlichen Energiespeicher möglichst frühzeitig aus dem Müllstrom zu ziehen.

30 Brände pro Tag

Der private Entsorger Korn aus Albstadt (Zollernalbkreis) setzt dabei auf eine neue Technologie. Ein Großteil der fehlplatzierten Akkus und Batterien wird in dem Unternehmen am Fuß der Schwäbischen Alb mit Röntgentechnik, Künstlicher Intelligenz und Druckluft direkt vom Sortierband entfernt.

Und das ist dringend nötig. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) geht von bundesweit rund 30 Bränden pro Tag auf Recyclinghöfen aus – Tendenz steigend. Immer häufiger stecken Akkus in Werkzeugen, Spielzeug oder Alltagsgeräten, oft fest verbaut und schwer austauschbar.

Ein besonders großes Problem sind auch E-Zigaretten und E-Shishas, die im Restmüll oder im Gelben Sack landen, sagt BDE-Geschäftsführerin Anja Siegesmund. Selbst eine singende Grußkarte mit Knopfzellenbatterie könne einen Brand wie in Sontheim auslösen. «Diese Brände durch Akkus und Batterien sind das Problem Nummer eins», betont Alexander Korn, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.

Viele kennen das Problem nicht

Bevor der schwarze KI-Kasten namens «BatterySort» seinen Platz in der Sortieranlage fand, mussten Mitarbeiter jede Containerladung nach Elektroschrott durchsuchen. Doch unter mehreren Schichten Abfall blieben viele Akkus schlicht unentdeckt. «Wärmebildkameras und Rauchmelder haben Brände zwar bislang erkannt, aber nicht verhindern können», sagt Korn. Zwei- bis dreimal täglich schlug zuvor der Brandmelder Alarm.

Jetzt arbeiten Röntgenstrahlen und KI wie bei einem Flughafen-Gepäckscanner: Aus rund 25 Tonnen Material pro Stunde filtern sie Lithium-Akkus heraus. Die Anlage erkennt potenzielle Gefahrenquellen und entfernt sie vom Band. Eigentlich müssten die Batterien getrennt gesammelt und meist auf einem Recyclinghof abgegeben werden – doch vielen ist das nicht bewusst oder sie scheuen den zusätzlichen Weg.

Jedes Teil kann einen Brand entfachen

Seit einigen Monaten ertönt daher regelmäßig das markante «Zschsch» des Luftstrahls, wenn ein weiterer Akku erkannt und vom Band geblasen wird. Vapes und alte Handys, blinkende Turnschuhe, Haarschneider, elektrische Zahnbürsten, Spielzeug oder Akkuschrauber landen so im Sammelbehälter. Bis zu 11 Kilogramm pro Stunde, rund 1,5 Tonnen pro Monat, kommen zusammen.

Jedes einzelne Teil kann einen Brand auslösen. «Wir waren erstaunt, wie viel herausfällt – das hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen», erinnert sich Projektleiter Jürgen Lehmann. Ein Jahr lang arbeiteten die Firma Korn und der Würzburger Softwareentwickler WeSort AI an der Maschine. Korn spricht heute von einem Meilenstein, um die Entsorgungsbranche sicherer zu machen und vor Bränden zu schützen. «Wir entschärfen die Zeitbomben», sagt WeSort-Verkaufsleiter Daniel Hayn.

Wertvolle Metalle und Erden

Die «Zeitbomben» können zu verheerenden Feuern führen, wie etwa in der Korn-Sortieranlage im Jahr 2009, nach dem die Firma am Fuß der Schwäbischen Alb um ihre Existenz fürchten musste. Nun macht die neue Sortiermaschine das Unternehmen zum Vorreiter – und viele andere könnten nachziehen. WeSort AI arbeitet bereits an einem weiteren Projekt in Wien, auch aus Deutschland gebe es Interessenten, sagt Hayn.

Und das Potenzial ist groß: Die KI könne bereits nicht nur Akkus, sondern auch Spraydosen oder Gasflaschen erkennen. Vor allem Lachgasflaschen sind ein großes Problem, sagt Hayn. In Berlin verursachten explodierende Behälter bei der Verbrennung im vergangenen Jahr vier Millionen Euro Schaden. Zudem stecken in Akkus wertvolle Metalle und seltene Erden, die später als Sekundärrohstoffe zurückgewonnen werden könnten.

 

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