Karlsruher Fastnacht
Schunkelkurs zur Fastnacht: Umzüge dürfen doch stattfinden

Karlsruher Fastnacht Schunkelkurs zur Fastnacht: Umzüge dürfen doch stattfinden

Quelle: Rene Priebe
dpa

Narri! Narro! Na was denn nu? Lange war unklar, ob die Fasnetfans endlich wieder durch die Straßen ziehen dürfen. Nun, kurz vor dem «Schmotzigen Dunschtig», wird klar: Sie dürfen. Aber nicht richtig.

Die Narren im Land dürfen erstmals seit zwei Jahren wieder Fastnacht in den Straßen feiern – allerdings unter sehr eingeschränkten Bedingungen. Veranstaltungen seien unter Beachtung der 3G-Regel möglich, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag im Landtag. Veranstaltungen und Umzüge würden in diesem Jahr wieder stattfinden können, sofern sie überschaubar und kontrollierbar sind, berichtete der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle, nach einem Gespräch mit dem Gesundheitsministerium.

Am kommenden Donnerstag (24.2.) beginnt mit dem «Schmotzigen Dunschtig» die Hochphase der närrischen Saison. Eine Woche lang zelebrieren die Narren oft je nach Region individuelle Brauchtümer. Bei den Narrentreffen soll neben der 3G-Regel auch eine FFP2-Maskenpflicht gelten, berichtete Wehrle. Narren dürften aber auf die Corona-Maske verzichten, wenn sie selbst kunstvoll geschnitzte Masken («Larven») tragen. Ordnungsämter, Polizei und Zunft sollen gemeinsame Kontrollteams bilden.

Für die meisten Vereine komme die Nachricht der Landesregierung aber zu spät, kritisierte Wehrle – es sei schwierig, so kurzfristig noch etwas auf die Beine zu stellen. «Es werden deshalb wohl nur kleinere Veranstaltungen.» Manche Zünfte hätten sich eine frühere Ansage der Landesregierung gewünscht. «Aber ich habe dafür auch Verständnis. Die Dynamik dieses Virus war nicht abzusehen.»

In der Tat hatte Ministerpräsident Kretschmann zuletzt widersprüchliche Signale an die Fasnetfans gesendet. Noch am Donnerstag hatte er erklärt, dass Fastnachtsumzüge nicht erlaubt sein werden. Am Freitag im Landtag dann erklärte er im Plenum: «Als leidenschaftlicher Fastnachts-Narr möchte ich noch ein Wort zur Fasnet sagen: Veranstaltungen zur Pflege des örtlichen Fasnet-Brauchtums sind in Absprache mit den zuständigen Behörden unter der 3G-Regel möglich.»

Bedeutet: Solange sichergestellt werden kann, dass Narren und Zuschauer geimpft, genesen oder getestet sind, dürfen sie dieses Jahr durch die Straßen ziehen. Die Narren in Rottweil hatten bereits verkündet, ihren traditionellen Narrensprung unter Beachtung der 2G-plus-Regel und FFP2-Maskenpflicht in einem abgesperrten Bereich in der Altstadt veranstalten zu wollen. Das heißt, es dürfen nur Geimpfte und Genesene mit einem aktuellen Schnelltest dabei sein. Die Zuschauerzahl wird auf 6000 begrenzt.

Ob man einen solchen Narrensprung in einem beschränkten Bereich als Umzug bezeichnet, bleibt dem Beobachter überlassen. Die Opposition jedenfalls hält Kretschmann – wie so oft zuvor in dieser Pandemie – einen Schlingerkurs und Planlosigkeit vor. Die FDP spricht mit Blick auf die Fastnacht von einem «Eiertanz», die SPD von einem Schunkelkurs und «Kretschmanns Fasnet-Karussell». «Dass der Ministerpräsident nun schon von einem Tag auf den anderen vollkommen widersprüchliche Signale abgibt, ob und wie die Fastnacht erlaubt sei, ist das Gegenteil von Liebe zum Brauchtum», meint der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Florian Wahl. Die Landesregierung schiebe den schwarzen Peter an die Kommunen ab und missachte die vielen Ehrenamtlichen in den Fasnachtsvereinen.

Nicht nur die Narren dürfen ein Stück in die Normalität zurückkehren, das ganze Land wagt nach monatelangen Einschränkungen ab kommender Woche deutliche Lockerungen. Ministerpräsident Kretschmann verkündete am Freitag im Landtag die geplanten Öffnungsschritte raus aus den Corona-Auflagen. Clubs und Diskotheken dürfen unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen, die Zugangsregeln für Restaurants werden gelockert, Messen sind wieder erlaubt und bei Veranstaltungen werden deutlich mehr Zuschauer zugelassen. Hintergrund ist, dass wegen der etwas milderen Omikron-Variante das Gesundheitssystem nicht mehr so stark belastet ist wie bei Delta.

Was wird sich konkret ändern?

Bisher gilt im Südwesten die sogenannte Alarmstufe I, doch die Grenzwerte für das Erreichen dieser Stufe werden nun angehoben – genauer gesagt die Zahl der Corona-Infizierten, die innerhalb einer Woche und pro 100 000 Einwohner auf eine Normalstation in eine Klinik kommen. Mit den neuen Grenzwerten dürfte ab nächster Woche die Warnstufe wieder in Kraft treten. Dann gilt für viele Veranstaltungen – für Gastronomie, Kultur, Freizeit, Messen – die 3G-Regel statt der 2G-Regel. Auch Ungeimpfte haben also dann mit einem aktuellen Test wieder Zugang. Für Ungeimpfte gilt zudem, dass sich künftig ein Haushalt mit zehn Personen treffen darf statt nur mit zwei.

Kretschmann verortet sich trotz der geplanten Lockerungen weiter im «Team Vorsicht». Lockern ja, aber «nicht mit einem großen Knall», sagte er in seiner Regierungserklärung. Noch immer seien etwa mehr als zehn Prozent der Über-60-Jährigen nicht geimpft. Der Ministerpräsident forderte deshalb erneut einen Instrumentenkasten für die Zeit nach dem 20. März, um zur Not gegen eine erneut aufflammende Pandemie durchgreifen zu können. Ab dann sollen nach dem Beschluss von Bund und Ländern nämlich «alle tiefgreifenderen Schutzmaßnahmen» wegfallen. Zudem müsse man bereits jetzt für den kommenden Herbst und Winter vorsorgen. Man müsse mit weiteren Corona-Varianten und einer weiteren Welle im Winter rechnen. Kretschmann sprach sich daher erneut für eine allgemeine Impfpflicht und ein Impfregister aus.

Nur widerwillig sei Kretschmann vom «Team Sturheit» ins «Team Freiheit» gewechselt, sagte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Die SPD warf Kretschmann Strategielosigkeit vor. Gerade zwei Wochen sei es her, da habe der Regierungschef noch Exit-Debatten bis Ostern ausgeschlossen, sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Die jetzigen Öffnungsschritte stünden dazu in krassem Widerspruch. Der Beschluss von Bund und Ländern zeige nun aber einen Weg aus der Pandemie auf. Nun müsse Kretschmann nicht mehr stolpern und auf Sicht fahren. Der Regierungschef müsse das Land hingegen nun für den Herbst vorbereiten, sagte Stoch. «Legen Sie nicht die Füße hoch!»

 

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