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Schweizer Mobilfunk: Wenn sich Handys in Grenznähe unbemerkt einwählen

News Schweizer Mobilfunk: Wenn sich Handys in Grenznähe unbemerkt einwählen

Quelle: Fabian Sommer/dpa/Symbolbild
dpa

Einmal nicht aufs Handy geschaut und schon grüßt die Schweiz – mit saftigen Gebühren. Was Urlauber am Bodensee und im Schwarzwald wissen müssen, um nicht in die Kostenfalle zu tappen.

Ein Ausflug an den Bodensee oder in den Schwarzwald kann für Touristen unerwartet teuer werden: In Grenznähe wählen sich viele Handys automatisch ins Schweizer Mobilfunknetz ein. Wer den Netzwechsel nicht bemerkt, erhält schnell eine SMS mit «Willkommen in der Schweiz» – und muss je nach Tarif mit zusätzlichen Roamingkosten rechnen.

Der Grund: Für die Schweiz gelten die EU-Roaming-Regeln nicht. Während Telefonieren und mobiles Internet innerhalb der Europäischen Union in der Regel ohne Zusatzkosten möglich sind, können in der Schweiz Gebühren anfallen. Besonders betroffen sind Städte wie Konstanz, Waldshut oder Bad Säckingen am Hochrhein.

Für Urlauber kommt der Netzwechsel oft überraschend. Anders als innerhalb der Europäischen Union gilt für die Schweiz nicht die Regel «Roam like at Home», nach der Mobiltelefone im Ausland ohne zusätzliche Gebühren genutzt werden können. Je nach Mobilfunkanbieter können deshalb Kosten für mobiles Internet, Telefonate oder SMS entstehen. Manche Anbieter berechnen Tagespässe, andere rechnen nach Datenverbrauch oder Gesprächsminuten ab.

Das stärkste Funksignal gewinnt

«Normalerweise sucht sich das Handy automatisch das stärkste Funksignal», erläutert Harald Gebhard, Professor für Kommunikations- und Medientechnik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz.

Am Bodensee breiteten sich die Signale der Schweizer Mobilfunkmasten besonders gut aus. Auf der Schweizer Seite stünden viele Sendemasten direkt am Ufer. Über die freie Wasserfläche könnten sich die Funksignale nahezu ungehindert ausbreiten. Auf deutscher Seite würden Hügel, Häuser oder Bäume das Signal deutscher Sendemasten dagegen oft abschwächen.

Besonders häufig passiere der Netzwechsel deshalb an Gewässern oder in unmittelbarer Grenznähe. Wer sich am Ufer aufhalte oder mit dem Schiff unterwegs sei, könne sich mit einem Schweizer Mobilfunkmast verbinden. Auch Mobiltelefone seien ab Werk so eingestellt, dass sie sich automatisch in das stärkste verfügbare Netz einwählen, erklärt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf.

Vor der Reise Vertrag checken

Vor der Reise lohnt sich ein Blick in den eigenen Mobilfunkvertrag. Viele Anbieter informieren darüber, ob die Schweiz im Tarif enthalten ist oder welche Kosten dort entstehen. Wer häufiger in der Grenzregion unterwegs ist, kann eine zusätzliche Schweiz-Option buchen.

Auch ein Blick auf das Display kann helfen. Dort wird in der Regel der Name des Mobilfunknetzes angezeigt. Wechselt das Smartphone plötzlich zu einem Schweizer Anbieter, können Nutzer das deutsche Netz meist mit wenigen Klicks wieder auswählen.

«Für Menschen, die regelmäßig in der Grenzregion unterwegs sind, kann sich ein Tarif lohnen, der die Schweiz einschließt», sagte Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Mobilfunkanbieter bieten dafür unterschiedliche Optionen an.

Beschwerden bei der Verbraucherzentrale

Bei den Verbraucherschützern gehen  immer wieder Beschwerden über hohe Rechnungen ein. Bleibe der Netzwechsel unbemerkt, könne es mitunter teuer werden. «Da sind auch Beträge im fünfstelligen Bereich möglich», warnte Buttler.

Manche Benachrichtigungen kämen zeitversetzt – auch weil sich Handys öfter aus dem und in das Netz wählten. «In der Zeit hat man vielleicht schon ein paar Videos gestreamt oder hochgeladen.» Das könne ordentlich ins Geld gehen. Bei Anrufen seien auch schon mal knapp drei Euro pro Minute fällig.

So lassen sich Zusatzkosten vermeiden

Wer im Grenzgebiet unterwegs ist, kann sich vor unerwünschten Roamingkosten schützen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt, die automatische Netzwahl in den Smartphone-Einstellungen zu deaktivieren und stattdessen das deutsche Mobilfunknetz manuell auszuwählen.

«Das ist allerdings unpraktisch, weil man dann bei schlechtem Empfang gar keine Mobilfunkverbindung mehr hat oder das Netz ständig von Hand auswählen muss», erklärt Gebhard.

Dafür verhindert die manuelle Netzauswahl unerwünschte Kosten. Die passende Einstellung dazu findet sich unter Menüpunkten wie «Netz» oder «Netzwerk & Internet». Dort kann man auch das Datenroaming deaktivieren. So bleibt man immerhin für Anrufe erreichbar, häuft aber nicht unbemerkt hohe Kosten durch Datentransfers auf. Alternativ kann auch der Flugmodus helfen. Dann hat man aber keine Verbindung.

Das bieten die Netzbetreiber

Vodafone verweist etwa auf Tagespässe oder buchbare Schweiz-Optionen gegen monatlichen Aufpreis. Die Telekom verfolgt nach eigenen Angaben einen anderen Ansatz: Entlang der Grenze stimme sie die Sendeleistung ihrer Mobilfunkmasten mit den Netzbetreibern der Nachbarländer ab. Dadurch solle verhindert werden, dass sich Handys unnötig häufig in ein Schweizer Netz einwählen.

Für die meisten aktuellen Telekom-Mobilfunktarife würden Roamingkosten in der Schweiz zudem nicht berechnet. Ausgenommen seien ältere Prepaid-Tarife, bei denen weiterhin Gebühren für Telefonie oder SMS entstehen könnten.

 

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