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Strafen schrecken nicht ab: Immer mehr illegale Autorennen

News Strafen schrecken nicht ab: Immer mehr illegale Autorennen

Quelle: Andreas Rometsch/KS-Images.de/dpa
dpa

Illegale Autorennen mitten in Städten nehmen weiter zu – oft nachts, immer wieder mit tödlichen Folgen. Doch warum stoppen härtere Strafen die Raser kaum? Und wann wird ein Rennen ein Mordfall?

Allen härteren Strafen und Gerichtsurteilen zum Trotz rasen in Baden-Württemberg immer mehr Menschen auf den Straßen um die Wette. Die Polizei verzeichnet wieder deutlich mehr illegale Autorennen – ein gefährlicher Trend, der zuletzt vor allem in Städten wie Ludwigsburg oder Bretten sichtbar wurde. Nachts liefern sich dort Fahrer halsbrecherische Vollgas-Duelle und riskieren dabei oft nicht nur ihr eigenes Leben.

Allein in den ersten sechs Monaten des zurückliegenden Jahres stieg die Zahl der von der Polizei registrierten Vollgas-Duelle nach Angaben des Innenministeriums um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Landesweit wurden auf den Straßen im ersten Halbjahr insgesamt 293 illegale Autorennen bekannt, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilte.

Dabei war die Zahl der illegalen Rennen 2022 eigentlich noch gesunken. Seither legte die Zahl aber wieder deutlich Jahr für Jahr zu, zuletzt auf 433 Rennen im Jahr 2024 – das war ein neuer Höchststand. Fachleute gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Rennen nicht beobachtet oder gemeldet werden.

 

Was droht Rasern? Die rechtliche Lage

Illegale Autorennen gelten seit 2017 als Straftat. Wer dabei andere gefährdet, riskiert Freiheitsstrafen, den Entzug des Führerscheins und die Beschlagnahmung des Fahrzeugs. Dabei sind nicht nur Rennen zwischen mehreren Autos strafbar: Auch Alleinrennen, bei denen ein Fahrer grob verkehrswidrig die Höchstgeschwindigkeit testet, fallen darunter.

Ob tatsächlich mehr Rennen gefahren oder sie nur häufiger entdeckt werden, ist unklar. Das Innenministerium macht die Entwicklung vor allem an gestiegenen Kontrollen und Ermittlungen fest. «Außerdem sorgen das geänderte Anzeigeverhalten und die Aufklärungsarbeit für mehr Meldungen von illegalen Kraftfahrzeugrennen», sagte eine Sprecherin. Vor allem in Städten meldeten Anwohner verdächtige Rennen zunehmend bei der Polizei.

 

Tödliche Folgen

Aufmerksamkeit erhalten Fälle mit tödlichem Ausgang. Derzeit sorgt vor allem der Prozess um ein mutmaßliches Autorennen, bei dem zwei Unbeteiligte in Ludwigsburg starben, für Schlagzeilen.

Vor Gericht stehen zwei Brüder und ihr Cousin, weil sie am Abend des 20. März in einer Tempo-50-Zone ein Autorennen gefahren haben sollen. In dessen Verlauf soll der jüngere der beiden das Auto von zwei jungen Frauen gerammt haben, die noch am Unfallort starben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord vor, auch sein Bruder und sein Cousin müssen sich verantworten.

 

Nicht immer ist es Mord

Allerdings führt nicht jedes tödliche Autorennen zu einer Mordanklage: In Bruchsal verurteilte das Amtsgericht vor wenigen Wochen einen 23-Jährigen wegen eines illegalen Rennens mit Todesfolge zu drei Jahren Haft, Mord sah das Gericht in diesem Fall nicht.

Der Fahrer war ohne Führerschein, unter Drogeneinfluss und deutlich zu schnell auf einer Bundesstraße unterwegs gewesen. Sein Wagen geriet auf die Gegenspur und prallte frontal mit einem entgegenkommenden Auto zusammen, dessen Fahrer starb.

 

Tod in Kauf genommen?

Ob ein Rennen und seine Folgen als Mord bewertet werden, hängt vom sogenannten Vorsatz ab. Entscheidend ist, ob der Fahrer den Tod anderer billigend in Kauf genommen hat, es geht also vor allem um seine innere Haltung. Wollte er nur rasen, ohne an mögliche Opfer zu denken, wäre das juristisch Fahrlässigkeit. Auch eine Verurteilung wegen Totschlags ist möglich. Abhängig ist ein Urteil also stets vom Einzelfall.

 

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