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Strengere Regeln für Raucher – das gilt bald in Baden-Württemberg

News Strengere Regeln für Raucher – das gilt bald in Baden-Württemberg

Quelle: Hannes P. Albert/dpa
dpa

Rauchen am Spielplatz oder an der Haltestelle? Das ist im Südwesten bald tabu – auch E-Zigaretten dürfen dort nicht mehr gequalmt werden. Was sich für Raucher und Nichtraucher jetzt ändert.

Wer raucht, muss sich in Baden-Württemberg auf spürbar strengere Regeln einstellen. Der Landtag hat eine entsprechende Reform des Nichtraucherschutzgesetzes mehrheitlich beschlossen. Die neuen Regeln sollen in wenigen Monaten in Kraft treten.

Vorgesehen sind Rauchverbote an Orten, an denen viele Kinder und Jugendliche unterwegs sind – etwa auf Spielplätzen, an Haltestellen, in Freibädern, Zoos oder Freizeitparks. Auch E-Zigaretten, Vapes und Shishas fallen nun unter die Regeln für Raucher, weil beim Verbrennen oder Erhitzen gesundheitsschädliche Stoffe entstehen.

Die Regeln im Einzelnen:

Wo ist Rauchen künftig zusätzlich verboten?

Das neue Gesetz dehnt das Rauchverbot auf weitere Orte aus, an denen häufig Kinder und Jugendliche unterwegs sind. So darf künftig auf Kinderspielplätzen, an Straßenbahn- und Bushaltestellen, in Freibädern, Zoos oder Freizeitparks nicht mehr geraucht werden. Außerdem soll es keine Raucherzonen auf Schulhöfen und keine Raucherzimmer in Behörden mehr geben.

Was ist mit E-Zigaretten?

Auch E-Zigaretten, Vapes und Shishas fallen nun unter die Regeln – und zwar auch dann, wenn damit gar kein Tabak, Nikotin oder Cannabis konsumiert wird. Als Grund wird in dem Gesetz genannt, dass beim Verbrennen, Verdampfen und Erhitzen potenziell gesundheitsschädliche Stoffe freigesetzt werden.

Gibt es Ausnahmen?

Die Ausnahmeregeln, die das bisherige Gesetz für Kneipen und Gaststätten vorsieht, bleiben weitgehend bestehen. In Gaststätten ist das Rauchen zwar bislang grundsätzlich verboten, es gibt aber Ausnahmen für Außenbereiche. Obendrein ist das Rauchen in kleinen Ein-Raum-Kneipen erlaubt, sofern dort kein warmes Essen serviert wird. In größeren Gaststätten und Discos darf zudem in abgetrennten Raucherräumen gequalmt werden. Auf diese Räume muss künftig bereits am Eingang hingewiesen werden. Zudem dürfen die Räume nur von Erwachsenen betreten werden.

Warum sind Bierzelte von der neuen Regel ausgenommen?

Ein Bürgerforum, das die Entstehung des Gesetzes begleitet hatte, hatte sich eigentlich klar für Rauch- und Dampfverbote in Bier-, Wein- und Festzelten ausgesprochen. Schutzbedürftige Menschen seien auch dort schutzbedürftig. Die Landesregierung folgte der Empfehlung aber nicht, weil Ereignisse wie Festivals in der Regel auf einen kurzen Zeitraum begrenzt seien. Im Vordergrund stehe weniger das gesellige Zusammensein als der Eventcharakter.

Welche Strafen drohen Rauchern?

Wer sich nicht an die neuen Verbote hält, muss sich auf Bußgelder einstellen. Wird man zum ersten Mal beim Rauchen erwischt, drohen dem Gesetz zufolge bis zu 200 Euro Strafe, wird man innerhalb eines Jahres nochmal erwischt, werden sogar bis zu 500 Euro fällig. Halten sich Betreiber nicht an die besonderen Regeln etwa für Raucherkneipen, dann drohen ihnen Strafen bis zu 3.330 Euro, im Wiederholungsfall sogar bis zu 6.500 Euro.

Wie viele Menschen rauchen im Südwesten noch?

Der Anteil der Rauchenden geht zwar tendenziell zurück, aber immer noch raucht etwa jede fünfte Person im Alter ab 15 Jahren. Laut Statistikportal lag die Raucherquote in Baden-Württemberg 2021 bei 17,4 Prozent. Demnach rauchten 18,7 Prozent der Männer und 11,8 Prozent der Frauen regelmäßig. Die Anteile sind aber rückläufig (2017 Männer: 21,9 Prozent, Frauen: 15,5 Prozent). Laut Statistikportal resultiert der Rückgang nicht daraus, dass mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören, sondern dass immer weniger beginnen.

Wie gefährlich ist Rauchen?

An gesundheitlichen Folgen des Rauchens starben in Deutschland im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen – dies entspricht laut dem Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in etwa jedem siebten Todesfall (13,7 Prozent). In Baden-Württemberg ist den Angaben zufolge mehr als jeder zehnte Todesfall auf Rauchen zurückzuführen.

Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern: Der Anteil an allen Todesfällen bei Männern sei mit 14,7 Prozent im Vergleich der Bundesländer am niedrigsten gewesen. Bei Frauen habe Baden-Württemberg mit einem Anteil von 9,5 Prozent im unteren Drittel gelegen. Basis der Berechnungen des Krebsforschungszentrums in Heidelberg ist die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts.

Wie schädlich ist Passivrauchen?

Der beim Passivrauchen inhalierte Rauch enthält dieselben Substanzen wie der beim aktiven Rauchen inhalierte Rauch, erklärt das DKFZ. Passivrauchen erhöhe das Risiko für Lungenkrebs und Schlaganfall um 20 bis 30 Prozent und steigere jenes, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken und zu sterben. Während der Schwangerschaft schade Passivrauchen auch dem ungeborenen Kind.

«Kinder sind durch Passivrauchen besonders gefährdet», heißt es im Tabakatlas. Sie hätten eine höhere Atemfrequenz und ein weniger effizientes Entgiftungssystem als Erwachsene und seien daher besonders empfindlich gegenüber den Gesundheitsgefahren des Passivrauchens. Bei Säuglingen erhöhe Passivrauchen das Risiko, durch plötzlichen Kindstod zu sterben.

 

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