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Tankstellenbetreiber sehen hohe Spritpreise als „Abzocke“

News Tankstellenbetreiber sehen hohe Spritpreise als „Abzocke“

Quelle: Patrick Pleul/dpa
dpa

Die Spritpreise an den Zapfsäulen schnellen in die Höhe. Eine Folge der gestiegenen Rohölpreise heißt es von der Ölwirtschaft. Die verärgerten Tankstellenbetreiber widersprechen vehement.

Die Kritik von Tankstellenbetreibern an den Mineralölkonzernen wegen der stark gestiegenen Spritpreise reißt nicht ab. «Das ist Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert und hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun», sagte der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV), Herbert Rabl, der «Stuttgarter Zeitung».

Er monierte, dass Rohöl zu einem viel günstigeren Preis eingekauft und raffiniert worden sei und seitdem teilweise in den Tanks unter den Tankstellen lagere. Nun werde es deutlich teurer verkauft – ein Preis, mit dem die Konzerne ursprünglich nicht kalkuliert hätten. Das sei «Abzocke», so Rabl weiter.

Auf die Preise an der Zapfsäule selbst hätten die Pächter keinen Einfluss. Diese würden von den Konzernen gemacht – den Frust der Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Angestellten ab, führte Rabl weiter aus. Die Mineralölwirtschaft rechtfertige die gestiegenen Preise als Vorsichtsmaßnahme vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs.

Ähnlich hatten sich zuvor auch Tankstellenbetreiber in Ostdeutschland geäußert. «Die Kollegen an den Kassen kriegen natürlich schon sehr deutlich den Unmut der Leute mit», hatte Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost, gesagt.
Die Tankstellenpächter könnten nichts für die Preisentwicklung. Die Preishoheit liege bei den Mineralölgesellschaften.

 

Rabl: Kartellamt ist «zahnloser Tiger»

Zudem hätten die gestiegenen Preise auch Auswirkungen auf den Verkauf in den Tankstellenshops, sagte Rabl. Verärgerte Kunden würden nach dem Tanken nichts mehr kaufen. Dabei sei der Umsatz im Shop für die Tankstellenpächter wichtig: Er mache etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus, während auf Einnahmen durch den Verkauf von Benzin und Diesel lediglich etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen.

Auch dem Vorgehen der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht Rabl skeptisch gegenüber: Die Prüfung durch das Kartellamt werde nichts ergeben, da die Preise bislang nicht so hoch seien, dass von gesetzeswidrigem Wucher gesprochen werden könne. Das Kartellamt sei in diesem Fall ein «zahnloser Tiger».

Auch ein Tankrabatt, wie ihn die damalige Bundesregierung 2022 zeitweise eingeführt hatte, ist für den Sprecher des Interessenverbandes keine Option. Es sei nicht sinnvoll, die Preiserhöhungen der Konzerne zu bezuschussen. Dies hatte Reiche zuvor auch bereits ausgeschlossen.

 

Benzin und Diesel kosten teils mehr als zwei Euro

Die Spritpreise in Deutschland sind infolge des Iran-Kriegs seit Ende Februar 2026 stark gestiegen. Der Dieselpreis überschritt am 4. März erstmals die Marke von zwei Euro pro Liter. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich ebenfalls deutlich und kostete zeitweise knapp zwei Euro pro Liter.

 

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