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Tauben füttern ist in Karlsruhe verboten: Ein Gespräch über Chancen, Vorteile & mögliche Risiken 

News Tauben füttern ist in Karlsruhe verboten: Ein Gespräch über Chancen, Vorteile & mögliche Risiken 

Quelle: Melanie Hofheinz

In der Stadt Karlsruhe besteht ein Fütterungsverbot für Tauben – doch viele wissen das gar nicht: Daher stehen neuerdings Informationstafeln in der Innenstadt – wer die Tauben trotzdem füttert, muss mit einer Strafe von bis zu 5.000 Euro rechnen.

 

 

Tauben füttern verboten: Vorteile und Risiken

In der Stadt Karlsruhe besteht seit 1994 ein Fütterungsverbot für Tauben. meinKA traf Anna von der ehrenamtlichen Tierschutzgruppe „Fächerstadttauben“ und sprach mit ihr über das Taubenfütterungsverbot.

 

Was will die Stadt mit dem Fütterungsverbot und den aktuellen Schildern bewirken?

Anna | Fächerstadttauben Karlsruhe: Die Stadt Karlsruhe orientiert sich am Augsburger Modell. Dieses sieht vor, dass Stadttauben in betreuten Schlägen versorgt werden – dort erhalten sie frisches Wasser, artgerechtes Futter – bitte niemals Brot oder Essensreste füttern –  und geeignete Nistplätze.

Deshalb ist es wichtig, dass in unmittelbarer Nähe der Taubenschläge keine Wildfütterung stattfindet. Herumliegende Körner würden die Tiere davon abhalten, die Schläge aufzusuchen, wo sie Schutz finden und wo zur Populationskontrolle ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden. Das dient sowohl den Menschen, die Tauben mögen, als auch denen, die Probleme mit ihnen haben.

 

| Quelle: Melanie Hofheinz

 

Jetzt suchen Tauben oft die Nähe von Menschen und viele Menschen fühlen sich auch dazu berufen die Stadttauben zu füttern – warum ist das so?

Anna | Fächerstadttauben Karlsruhe: Stadttauben sind keine Wildtiere, die sich selbst versorgen können. Sie sind verwilderte Haustiere – Nachkommen von Haustauben, die vor über 5000 Jahren aus Felsentauben gezüchtet wurden. Sie wurden lange Zeit für Fleisch, Eier, Dünger und später als Brieftauben gehalten, bis viele nach dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt wurden.

Heute sind sie vergleichbar mit Straßenkatzen oder Straßenhunden und in gewisser Weise auf uns angewiesen, weil ihre aktuelle Situation menschengemacht ist. Sie leben in der Nähe von Menschen, weil sie ohne diese nicht zurechtkämen.

 

| Quelle: Melanie Hofheinz

 

Bringt das Taubenfütterungsverbot für euch Ehrenamtliche auch Probleme mit sich?

Anna | Fächerstadttauben Karlsruhe: Ja, denn es gibt einen Unterschied zwischen Füttern und Anfüttern. Unsere Mitglieder sind oft auf sogenannten Stringfoot-Entschnürtouren unterwegs. Tauben, die sich an Fäden oder Haaren verletzt haben, können meist noch fliegen. Eine flugunfähige Taube lässt sich leicht sichern, aber flugfähige Tiere kommen nur in Reichweite, wenn man sie mit Körnern anlockt.

Während sie picken, können sie vorsichtig eingefangen und von ihren schmerzhaften Verschnürungen befreit werden. Von außen sieht das wie Füttern aus – und leider werden unsere Mitglieder dabei häufig beschimpft oder angegangen, obwohl sie verletzten Tieren helfen. Das ist sehr belastend.

 

Es gibt einen Unterschied zwischen Füttern und dem Anfüttern von Ehrenamtlichen. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Was kann man tun, wenn man den Stadttauben wirklich helfen möchte?

Anna | Fächerstadttauben Karlsruhe: Wer sich um Tauben sorgt oder sich engagieren möchte, ist herzlich willkommen. Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es viele: bei der Betreuung der Schläge, im Eiertausch-Team, bei der Pflege verletzter Tiere, in der Öffentlichkeitsarbeit oder auf Entschnürungstouren. Weitere Informationen per E-Mail an: faecherstadttauben_karlsruhe@mail.de oder via Instagram an faecherstadttauben_ka.

 

Viele Tauben haben verschnürte Beine und brauchen Hilfe. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Welche Risiken bringt das Fütterungsverbot für die Tauben möglicherweise mit sich? 

Anna | Fächerstadttauben Karlsruhe: Es wäre natürlich super, wenn alle Tauben in die Schläge fliegen würden – aber wir haben – gerade hier am Kronenplatz – wirklich sehr viele Tauben und einige Menschen sorgen sich um die Tiere, dass die Tauben eben die Wege in die Schläge nicht finden und dann leiden.

 

Weitere Information: Ein Taubenschlag am Kronenplatz ist vorgesehen

Bürgermeister Albrecht Käuflein über die Tauben-Situation in Karlsruhe: „Wir haben Taubenschläge, die von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern betreut werden. Die Stadt bezahlt das Futter, die Tauben haben dort ihre Nester und die meisten Eier werden durch Gipsattrappen ausgetauscht. Dadurch ist die Population schon etwas reduziert worden. (…) Es geht darum, dass Leute aus falsch verstandener Tierliebe systematisch in großen Mengen Futter ausbringen. Das müssen wir unterbinden. Wir haben auch erste Erfolge, die Leute zu ergreifen und entsprechend zu bestrafen. Wir wollen die Population senken. Das lässt sich am Kronenplatz gut sehen – die Gebäude sind durch Taubenkot total beeinträchtigt. Im Grunde bräuchten wir auch am Kronenplatz einen Taubenschlag. Das ist auch vorgesehen.“

 

| Quelle: Melanie Hofheinz

 

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