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Reitinstitut Egon von Neindorff: Bedrohen städtische Sparpläne ein Stück Karlsruher Geschichte?

Nachrichten Reitinstitut Egon von Neindorff: Bedrohen städtische Sparpläne ein Stück Karlsruher Geschichte?

Quelle: Melanie Hofheinz

Wird in Karlsruhe ein Stück militärische Bau- und Nutzungsgeschichte durch die städtischen Sparpläne zerstört? Das Reitinstitut Egon von Neindorff muss, nach Streichung der Zuschüsse, wohl aus der denkmalgeschützten Kasernenanlage ausziehen. Doch was passiert dann?

Eine „Lösung“, die mehr Probleme generiert?

Die Stadt Karlsruhe muss sparen – auch das Reitinstitut Egon von Neindorff ist betroffen. In diesem Fall könnten mutmaßlich aber mehr Kosten generiert als Gelder gespart werden:

Das Reitinstitut ist seit fast 80 Jahren in der denkmalgeschützten Kasernenanlage der Stadt in der Nancystraße 1 beheimatet und hält diese kleine grüne Oase inmitten der Nordweststadt in Schuss.

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„Seit 1949 wurde der Komplex durch das Reitinstitut Egon von Neindorff genutzt, wodurch sich die ursprüngliche Zweckbestimmung in bemerkenswerter Kontinuität erhalten hat. Der Denkmalwert liegt in der geschichtlichen und bauhistorischen Aussagekraft, der weitgehend authentischen Überlieferung und der besonderen Bedeutung des Ensembles als selten erhaltenes Zeugnis militärischer Bau- und Nutzungsgeschichte in Karlsruhe.“

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(Zitat des Landesamts für Denkmalpflege auf meinKA-Presseanfrage)

 

Die Kaserne ist ein anschauliches Dokument der Militär- und Stadtgeschichte und steht als solche unter Denkmalschutz (§2 Denkmalschutzgesetz). | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Stadt streicht jährlichen 60.000-Euro-Zuschuss

Im Dezember 2025 wurde vom Karlsruher Gemeinderat eine Streichung des jährlichen städtischen Zuschusses von ca. 60.000 Euro an das Reitinstitut beschlossen. Da das Reitinstitut diese Summe, welche laut Institutsangaben in die Instandhaltung der Anlage floss, nicht auffangen könne, folgte die Kündigung des bestehenden Vertrags zum 31. Dezember 2026.

Auch wenn die Stadt mit der Egon von Neindorff Stiftung derzeit, laut meinKA-Presseanfrage, in Kontakt stehe und über eine Übergangslösung bis Ende 2027 verhandle, so sei ein Auszug des Reitinstituts, zum aktuellen Stand, eher eine Zeitfrage.

 

Institutsleiter Axel Schmidt mit Lipizzaner Conversano Trompeta in den Stallungen. Er möchte das Reitinstitut im Falle eines Umzugs nicht aufgeben, sondern an anderer Stelle fortführen. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Was passiert, sollte das Reitinstitut ausziehen?

Was passiert – sollte das Reitinstitut ausziehen – mit dem denkmalgeschützten Gebäudeensemble? Laut Stadt erfolge derzeit eine Studie zur Nachnutzung des Geländes. Laut Reitinstitut wäre auch ein Verkauf aus städtischer Sicht möglich – über einen Kaufpreis sei allerdings noch nicht gesprochen worden.

meinKA informierte sich dahingehend beim Landesamt für Denkmalpflege. Diesem sei zum Zeitpunkt der Presseanfrage (29. Juli 2026), nicht bekannt, dass ein Verkauf beziehungsweise eine Umnutzung im Raum stehe.

Bestätigt wurde, dass denkmalgeschützte Gebäude grundsätzlich umgenutzt werden könnten – aber: „Gerade die Umnutzung einer Reithalle zu Wohnungen stelle eine sehr anspruchsvolle Aufgabe dar, denn in der Halle sollten ihre Größe und ihre ursprüngliche Funktion bis zu einem gewissen Grad erlebbar bleiben“, teilte das Landesamt für Denkmalpflege mit.

 

Die Reithalle besitzt mit ihren Sandsteinfassaden, den großen Segmentbogenfenstern und dem offenliegenden Dachstuhl eine für die Bauaufgabe repräsentative und zugleich zweckgebundene Gestaltung. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Spenden & Investoren: Reitinstitut hofft auf Hilfe

Laut Reitinstitut würde die Stadt einen Verbleib des Reitinstituts begrüßen. Auch das Reitinstitut würde gerne die Geschichte an Ort und Stelle weiterführen – was beiden Seiten fehle, sei das Geld, um insbesondere die Instandhaltung und Verkehrssicherheit der historischen Gebäude zu tragen.

Während die Stadt, wie bereits erwähnt, derzeit eine womöglich kostspielige Nachnutzung der Anlage prüfe, hoffe das Reitinstitut auf Unterstützung in Form von Spenden und/oder Investoren, um einen Verbleib in Karlsruhe zu sichern.

Wer dem Reitinstitut helfen möchte, kann sich unter diesem Link informieren – oder hier direkt spenden.

 

Lipizzaner-Hengst Siglavy Slava – die Pferdehaltung im Institut hat sich über die Jahrzehnte stetig verbessert: Alle Pferde können auf ganzjährig nutzbaren Außenflächen im Grünen sein. Boxengrößen wurden teilweise verdoppelt.  | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Warum das Reitinstitut erhaltenswert ist

In der denkmalgeschützten Kasernenanlage in der Nancystraße 1, befindet sich seit 1949 das Reitinstitut Egon von Neindorff. Von Beginn an fokussierte sich das Institut mit großem Erfolg auf die klassische Reitkunst und die Ausbildung bis zur Hohen Schule.

Der Reitmeister erhielt für sein reiterliches aber auch menschliches Handeln große Anerkennung: Neben Pferden, fanden im Reitinstitut auch Menschen – von jung bis alt – stets eine Zuflucht und die Möglichkeit zu lernen.

 

Egon von Neindorff wurde für sein Tun mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Noch heute befindet es sich im Reitinstitut. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Egon von Neindorff war ein „Aushängeschild“

Jahrelang schmückte sich die Stadt mit der nationalen und internationalen Bekanntheit des Reitmeisters: Hierzu gehören unter anderem reiterliche Vorstellungen im Schlossgarten, gesellschaftliche Abende von Rotary- und Lions-Clubs im Institut oder auch ein Reitkunst-Sommerfest zum 275-jährigen Stadtjubiläum.

Nach dem Tod von Egon von Neindorff im Jahr 2004 wurde das Institut als Stiftung weitergeführt. Neindorff-Schüler und Pferdewirtschaftsmeister Axel Schmidt übernimmt bis heute die reiterliche Leitung. Er bietet Reitunterricht, Ausbildung, Lehrgänge, Veranstaltungen und mehr, um das kulturelle Erbe zu bewahren.

Weitere Informationen zum Reitinstitut. 

 

Reitmeister Egon von Neindorff. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Über die denkmalgeschützte Kasernenanlage

Die Telegraphenbataillonkaserne – wie sie zu Beginn genannt wurde – im Karlsruher Stadtteil Nordweststadt, wurde durch das Militärbauamt nach Entwürfen von Adolf Pfaff und Johannes Schettler 1906/07 errichtet. Nach den Kriegen wurden die Gebäude für verschiedene Zwecke genutzt – unter anderem gründete 1949 Egon von Neindorff hier das Reitinstitut.

Reithalle und Stall gehören, laut Landesamt für Denkmalpflege, zu den „bedeutendsten Bestandteilen der umfangreichen denkmalgeschützten Kasernenanlage und veranschaulichen deren ursprüngliche Nutzung besonders anschaulich“.

Die Zukunft wird zeigen, ob das auch so bleiben wird.

 

Fotogalerie | Zu Besuch im Karlsruher Reitinstitut Egon von Neindorff

 

 

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