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Tote Tiere in Stuttgart: Warum ist es so schwer, Koalas in Zoos zu halten?

News Tote Tiere in Stuttgart: Warum ist es so schwer, Koalas in Zoos zu halten?

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Warum sterben immer wieder Koalas in Zoos? Die sensiblen Beuteltiere stellen Pfleger vor große Herausforderungen – und das nicht nur in Stuttgart.

Vor nun fast genau drei Jahren war es soweit: Vier Koalas aus Australien kamen Ende Juni 2023 in Stuttgart an. Zoodirektor Thomas Kölpin, der die Beuteltiere in die Wilhelma holte, sagte damals: «Koalas sind extrem schwer zu bekommen, weil sie nicht einfach zu halten sind.»

Vier Tiere sind seitdem gestorben: drei Jungtiere, die alle danach in der Wilhelma zur Welt gekommen waren, und eine Mutter. Es stellt sich eine grundsätzliche Frage: Können Zoos in Deutschland Koalas überhaupt artgerecht halten?

 

Tierschutzbund: Koalas empfindlich und aufwendig

Der Deutsche Tierschutzbund ist skeptisch. «Aus Tierschutzsicht ist die Haltung von Koalas als extremen Nahrungsspezialisten kritisch zu sehen, weil die Tiere als empfindlich gelten und ihre Haltung als extrem aufwendig gilt», erklärt eine Sprecherin des Verbandes. Tatsächlich stellen die Beuteltiere Zoos vor ungewöhnliche Herausforderungen: Sie fressen ausschließlich Blätter und Rinde bestimmter Eukalyptusarten.

Die Wilhelma bekommt nach früheren Angaben zweimal wöchentlich rund 90 Bund frisch geschnittene Eukalyptuszweige aus einer spezialisierten Gärtnerei – zudem hat sie rund 100 eigene Eukalyptusbäume.

azu kommen hohe Anforderungen ans Gehege. Koalas brauchen ausreichend Platz und viele Klettermöglichkeiten, so der Tierschutzbund. Außerdem seien die Tiere sehr hitzeempfindlich, weshalb sie auch ein an sie angepasstes Klima brauchen. Rückzugsmöglichkeiten vor Besucherblicken seien ebenso nötig – schon Lärm kann bei den sensiblen Tieren Stress auslösen.

Die größten gesundheitlichen Gefahren seien Infektionskrankheiten, hieß es weiter. Vor allem Chlamydien und das Koala Retrovirus können den flauschigen Tieren gefährlich werden. In Australien werden sie deshalb sogar gegen Chlamydien geimpft.

 

Empfindliches Verdauungssystem

Besonders empfindlich ist auch das Verdauungssystem der Koalas. Jede Veränderung des Magen-Darm-Trakts kann lebensbedrohliche Folgen haben. Das musste auch der Duisburger Zoo erfahren, der europaweit als Spezialist für Koala-Haltung und -Zucht gilt: 2024 starben dort innerhalb kurzer Zeit fünf Tiere an Magen-Darm-Erkrankungen.

Ob Koalas in Gefangenschaft häufiger sterben, lässt sich laut dem Deutschen Tierschutzbund nicht sagen. Der Stuttgarter Zoodirektor hatte nach dem ersten Koala-Tod in der Wilhelma gesagt: «Fakt ist, dass Todesfälle bei Jungtieren in der Natur deutlich häufiger vorkommen als in Zoos.»

 

Was ist in Stuttgart passiert?

In Stuttgart starben innerhalb eines Jahres vier Koalas: Zwei Jungtiere hatten laut Zoo tödliche Lungenentzündungen. Bei einem erwachsenen Muttertier, das eingeschläfert werden musste, wurde danach eine Blutarmut festgestellt. Bei allen drei Tieren stellten die Experten zudem eine Infektion mit dem Bakterium Bordetella fest.

Warum in der vergangenen Woche Jungtier Jingeri starb, ist noch unklar. Entzündungen in Nieren und Leber wurden gefunden, die Pathologie-Ergebnisse stehen noch aus. Aktuell leben drei Koalas in Stuttgart: zwei Männchen und ein Weibchen.

Koalas gehören zu den bedrohten Arten; Zoos bauen deshalb Reservepopulationen auf. In Deutschland halten neben Stuttgart nur noch Leipzig, Dresden und Duisburg die Tiere.

 

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