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Verbot von Kamerabrillen – Bäder gegen Smart Glasses

Nachrichten Verbot von Kamerabrillen – Bäder gegen Smart Glasses

Quelle: Christoph Schmidt/dpa
dpa

Kinder im Planschbecken, Familien am Beckenrand: Bäder sind Orte der Unbeschwertheit. Doch smarte Kamerabrillen bereiten Badbetreibern zunehmend Sorgen. Die Geräte sollen verboten werden.

Baden-Württembergs öffentliche Schwimmbäder wollen auf den Trend zu smarten Datenbrillen reagieren. Um heimliche Foto- und Filmaufnahmen zu verhindern, sollen die Geräte künftig ausdrücklich in den Haus- und Badeordnungen verboten werden, wie die Arbeitsgemeinschaft öffentliche Bäder Baden-Württemberg (Arge) auf dpa-Anfrage mitteilte. Besonders der Schutz von Kindern steht dabei im Fokus.

«Wir hatten über dieses Thema gesprochen und dass wir uns zu gegebener Zeit darauf vorbereiten müssen, um den Missbrauch zu verhindern», sagte der Arge-Vorsitzende Necdet Mantar. Daher sei dieses Thema bei der nächsten Arge-Tagung auf der Agenda. «Die Risiken für den Alltag schätze ich doch relativ hoch. Daher werden wir dieses Thema auch in unseren Haus- und Badeordnungen aufnehmen müssen», sagte Mantar.

Smart Glasses kann man nicht auf Anhieb erkennen

«Insbesondere der Kleinkinderbereich ist sehr sensibel und die Mitarbeiter haben die Anordnung, genauer darauf zu schauen, dass keine Film- oder Fotoaufnahmen gemacht werden», sagte Mantar. Für die Mitarbeitenden in den Bädern sei es schwierig, solche Brillen zu erkennen. Besonders deshalb, weil auch renommierte Hersteller solche Smartglases produzierten. Diese seien von den normalen Sonnenbrillen nicht oder nur sehr schwer zu unterscheiden.

Die Karlsruher Bäder unterstreichen das: «Moderne Smart Glasses sind teilweise kaum von gewöhnlichen Brillen zu unterscheiden. Eine eindeutige Erkennung ist daher nicht immer möglich. Unsere Mitarbeitenden sind jedoch für das Thema sensibilisiert und achten auf auffälliges Verhalten. Bei Verdachtsfällen werden Gäste angesprochen und die Situation überprüft», sagte Sprecherin Luisa Schnepf.

Smart Glasses sind mit einer Kamera und Mikrofon ausgestattete Brillen, die sich optisch kaum von gewöhnlichen Brillen unterscheiden. In sozialen Netzwerken und Online-Foren haben sich laut SWR inzwischen regelrechte Gemeinschaften von Smart-Glasses-Nutzern gebildet, die sich gegenseitig Tipps geben, wie sich Frauen unbemerkt etwa beim Sex filmen lassen.
Ausmaß des Missbrauchs nicht bekannt

Über den Missbrauch solcher Brillen gebe es bisher nicht viel Erkenntnisse, sagte Mantar. Eine bundesweite Empfehlung oder Handhabung gebe es nicht. Laut der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) sind Foto- und/oder Videoaufnahmen anderer Menschen ohne deren Einwilligung in öffentlichen Schwimmbädern grundsätzlich untersagt. «Die Konkretisierung dieser Regelung, die in Potsdam vorgenommen wurde, unterstreicht das Verbot unzulässiger Aufnahmen zusätzlich», ließ Frank Achtzehn von der Abteilung Regelwerk und Beratung bei der DGfdB wissen.

Neuerungen, wie der Umgang mit Smart Glasses, würden regelmäßig besprochen. Ein genauer Zeitpunkt für die Novellierung der Richtlinie der Haus- und Badeordnung für öffentliche Bäder stehe noch nicht fest, sagte Achtzehn.

Jens Böhm, Sprecher der Stuttgarter Bäder, sagte dazu: «Vorfälle oder Beschwerden sind uns bisher nicht bekannt. Unsere Beschäftigten sind sensibilisiert und sprechen bei verdächtigem Verhalten die jeweilige Person an. Bei Verstößen verhängen wir ein Haus- und Badeverbot.»

 

Wie regeln andere Bäder das in Deutschland?

Fotos und Videos lassen sich mit den Brillen vergleichsweise unauffällig aufnehmen. In Potsdam sollen Smart Glasses deshalb künftig ausdrücklich in die Haus- und Badeordnung aufgenommen werden. Dort wird auf die Gefahr hingewiesen, dass Aufnahmen unbemerkt entstehen und in sozialen Medien veröffentlicht werden könnten.

Anders als in Potsdam sollen in den Berliner Schwimmbädern Smart Glasses nicht explizit verboten werden. Foto- und Filmaufnahmen fremder Menschen seien in der Haus- und Badeordnung ohnehin verboten, teilten die Bäder-Betriebe auf dpa-Anfrage mit. «Das Verbot bezieht sich auf alle Geräte, mit denen Foto- und Filmaufnahmen möglich sind, schließt also Smart Glasses ein.»

 

Mehrheit sieht heimliches Filmen im Privaten als Problem

Die Sensibilität für dieses Thema – dessen Ausmaße nicht genau bekannt sind – zeigt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Umfrage. Eine große Mehrheit der Deutschen hält demnach heimliches Filmen in privaten oder intimen Momenten für ein gesellschaftliches Problem. 85 Prozent der Befragten sehen geheime Filmaufnahmen – etwa in der Sauna oder im Bikini am Strand – als «sehr großes Problem» (47 Prozent) oder als «großes Problem» (38 Prozent). Unter den befragten Frauen lag der Gesamtwert bei 89 Prozent.

Für die repräsentative Umfrage hatte das Institut Infratest Dimap im Auftrag des «team.recherche» des SWR Ende März 1.316 Wahlberechtigte per Telefon und online befragt. Die Untersuchung ist Teil einer SWR-Dokumentation über digitale Gewalt, mit einem besonderen Fokus auf Smart Glasses.

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