Nachrichten
Vergessener Brauch? Was es mit Rübengeistern auf sich hat

Nachrichten Vergessener Brauch? Was es mit Rübengeistern auf sich hat

Quelle: Thomas Warnack/dpa
dpa

Leuchtende Kürbisse, verkleidete Kinder – Halloween ist vielen bekannt. Ein ähnlicher Brauch ist in Süddeutschland beheimatet. Vermeintlich vergessen, soll dieser sogar älter sein.

Wenn es im Herbst dunkel wird, dann leuchten vor manchen Häusern in Süddeutschland gruselige Fratzen. Es sind nicht klassische Halloween-Kürbisse, sondern Rübengeister.

Der Brauch ist in manchen Teilen von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zu finden – dort unter anderem in Schwaben und im Allgäu, sagt Sabine Zinn-Thomas, Leiterin der Landesstelle für Alltagskultur beim Landesmuseum Württemberg. Aber auch in manchen Teilen der Schweiz und Österreichs wird der Brauch begangen.

 

Brauch weist regionale Unterschiede auf

Der Brauch variiert je nach Gemeinde und Region. So werden die Rübengeister manchen Orts vor Häusern oder in Gassen drapiert, erklärt Kulturwissenschaftler Christof Heppeler vom Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck. Er sei als Kind mit seinem Rübengeist in der Hand durch den Ort gelaufen. Man kann die Rübengeister aber auch an Stangen befestigen.

In einigen Gemeinden, etwa im Rottweiler Ortsteil Göllsdorf – hier «Riabagoaschter» genannt – finden auch organisierte Umzüge statt.

Zudem gibt es auch eine Variation des Brauchs, bei der die Kinder Gaben bekommen. Verkleidungen gehören nicht zum Rübengeisterbrauch dazu.

 

Rüben sind schwer zu bekommen

Die Rübengeister werden meist aus Futterrüben geschnitzt. In den 1950er- und 60er-Jahren war der Anbau von Futterrüben noch verbreiteter. Heutzutage haben sie hier kaum noch Bedeutung, wie Johann Meierhöfer vom Deutschen Bauernverband erklärt. Geerntet wird die ein bis zwei Kilogramm schwere Pflanze zwischen September und Dezember.

 

Brauch ist im christlichen Kontext zu betrachten

Kulturwissenschaftler Heppeler zufolge ist der Rübengeisterbrauch im christlichen Kontext zu betrachten. Rübengeister seien so ein Brauch vor Sankt Martin, der Tage oder sogar Wochen davor begangen wird. Es gehe dabei um das Licht, das in die Welt hinausgetragen werden soll.

Rübengeister wären damit älter als Halloween in Deutschland. In der Forschung wird Halloween als Westwanderung beschrieben, sagt Zinn-Thomas. Der Brauch stammt aus Irland, wanderte von dort nach Amerika und kam dann in den 1990er-Jahren nach Deutschland.

 

Weitere Nachrichten

Studie: So viele Wohnungen fehlen in Baden-Württemberg

Im Südwesten wird seit Jahren weniger gebaut. Die Suche nach einer neuen Wohnung wird für viele Menschen oft zur Geduldsprobe. Die Krise hat aber auch Folgen für Wirtschaft und Staatseinnahmen.

Bombenfund in Karlsruher Südstadt: Entwarnung - Weltkriegsbombe entschärft

Der Blindgänger lag nur ein paar Dutzend Meter vom ICE-Gleis entfernt: Eine Weltkriegsbombe hat in Karlsruhe für Aufregung gesorgt. Am Ende gab es gute Nachrichten für die Anwohner und Reisenden.

Zahl der Handwerksbetriebe legt erstmals wieder leicht zu

Während es mehr Gebäudereiniger und Kosmetiker gibt, sinkt die Zahl der zulassungspflichtigen Handwerksbetriebe weiter. Doch es gibt auch positive Ausnahmen.

Zeugen gesucht: 250.000 Euro teures Luxus-Auto gestohlen

Der Schock saß sicher tief: Ein 72-Jähriger kommt zu seinem Auto - doch der 250.000 Euro teure Wagen ist plötzlich verschwunden. Nun ermittelt die Polizei.

Begünstigt der heiße Sommer Ausbreitung des Ochsenfrosches?

Fast 7.000 Ochsenfrösche wurden im vergangenen Jahr erlegt. Mit welchen Maßnahmen die Behörden die Ausbreitung der invasiven Art eindämmen wollen. Und warum diese womöglich vom Klimawandel profitiert.

Technik zum Fledermaus-Schutz bremst Hesse-Bahn aus

Technische Probleme bei der Fledermaus-Vertreibung bremsen derzeit die Hermann-Hesse-Bahn aus. Wann es wieder läuft wie gewohnt, steht noch nicht fest.



















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.