News aus Baden-Württemberg
Waldrapp-Attrappe wirkt: Seltene Vögel nisten in Felswand

News aus Baden-Württemberg Waldrapp-Attrappe wirkt: Seltene Vögel nisten in Felswand

Quelle: Felix Kästle/dpa
dpa

Mit Artgenossen aus dem 3D-Drucker sollten Waldrappe am Bodensee dazu gebracht werden, an einer Felswand zu nisten. Die Attrappen haben Wirkung gezeigt.

Die Anziehungskraft war offenbar groß: Zwei Waldrapp-Attrappen haben mindestens elf echte Artgenossen zum Nisten in eine Felsnische am Bodensee gelockt. Die Attrappen stammen aus einem 3D-Drucker und sind Teil eines Auswilderungsprojekts. «Der Platz wurde sehr gut aufgenommen», sagte Anne-Gabriela Schmalstieg vom sogenannten Waldrapp-Team in Überlingen. «Wir sind sehr optimistisch, dass in der Felswand auch gebrütet wird.»

Noch seien keine Eier in den Nestern. Die Hoffnung auf Küken sei bei aktuell drei Brutpaaren und einem potenziell vierten auch in diesem Jahr hoch. «Nächste Woche könnte es schon losgehen mit dem Brüten.» Die ersten Küken werden Ende Mai bis Anfang Juni erwartet. Zuvor hatte der «Südkurier» berichtet.

Vier Weibchen und sieben Männchen seien aus ihrem Winterquartier im Süden nach Überlingen zurückgekehrt. Sie würden in den Nestern «herumwursteln», würden aber auch immer wieder wegfliegen. Eine künstliche Brutwand aus Holz sei den Vögeln in diesem Frühjahr verwert worden. Auch das habe sicherlich etwas zum Erfolg geführt.

Es sei wichtig, dass die Vögel natürlich Brutplätze aufsuchen, sagte der Projektleiter des Waldrapp-Teams, Johannes Fritz. «Das ist der finale Schritt zur Selbstständigkeit und war von Anfang an das Ziel.» Entlang des Bodensees gebe es an den Felswänden viele Nistmöglichkeiten für die Tiere, so der Biologe weiter. Das sei eine gute Möglichkeit, als Kolonie zu wachsen.

Der Waldrapp (Geronticus eremita) ist Naturschutzverbänden zufolge einer der seltensten Vögel der Welt. Die Art brütet gerne in der Nähe von Gewässern an Felsklippen und Steilküsten. Die gänsegroßen Zugvögel lebten einst verbreitet im Alpen- und Mittelmeerraum.

Die Zugvögel mit den markanten, schopfartigen Federn am Kopf und sichelförmigen Schnäbeln waren zuletzt in freier Wildbahn praktisch ausgestorben. Die Waldrappe am Bodensee gehören zu einer von mehreren Kolonien, die zu einem Auswilderungsprojekt im Alpenraum zählen. Das Waldrapp-Team leitet die Auswilderung. Bis ins 17. Jahrhundert lebten Waldrappe unter anderem an Felsen in Überlingen. Dann wurden ihnen Vogeljäger zum Verhängnis.

 

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