News
Warum das Land Waffenscheine an Extremisten ausgibt

News Warum das Land Waffenscheine an Extremisten ausgibt

Quelle: Patrick Pleul/zb/dpa
dpa

«Reichsbürger», «Selbstverwalter» und Rechtsextremisten sind häufig Waffennarren. Die Politik versucht ihnen die Waffen abzunehmen – und doch teilen Behörden weiter Waffenscheine an Extremisten aus.

Waffenscheine und Waffenbesitzkarten werden in Baden-Württemberg immer wieder an Rechtsextremisten sowie sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter ausgegeben – auch wenn der Staat seit Jahren für die Entwaffnung solcher Extremisten kämpft. Warum ist das so? Und wie groß ist das Problem? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie viele Extremisten im Land besitzen derzeit Waffen?

Nach Angaben des Innenministeriums waren zum Stichtag 31. Dezember 2024 im Südwesten insgesamt 181 Personen aus rechtsextremistischen oder staatsfeindlichen Milieus im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis – darunter 122 Rechtsextremisten, 48 «Reichsbürger» und «Selbstverwalter» sowie elf Personen, die der sogenannten «verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates» zugeordnet werden.

Davon besaß rund die Hälfte einen sogenannten Kleinen Waffenschein. Dieser berechtigt laut Innenministerium zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Eine Waffenbesitzkarte erlaubt den Erwerb und den Besitz von Schusswaffen, nicht aber das Führen in der Öffentlichkeit.

Steigt die Zahl bewaffneter Extremisten?

Das ist schwierig zu sagen, da die Zahlen fließend sind, die Behörden heute genauer hinschauen und sich Waffenbesitzer im Zeitverlauf radikalisieren können. Ende 2024 waren 181, Ende 2023 nur 169 Rechtsextremisten, «Reichsbürger» und «Selbstverwalter» im Besitz einer Waffenerlaubnis. «Dass die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr nochmals angestiegen ist, ist mir unbegreiflich», kritisiert der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Boris Weirauch. «Ich fordere den Innenminister auf, dem Einhalt zu gebieten: Jede Waffe in den Händen von Extremisten ist eine zu viel.»

Insgesamt 43 Waffen wurden im vergangenen Jahr von Rechtsextremisten, «Reichsbürgern» und Selbstverwaltern eingezogen.

Aber auch die statistische Erhebung spielt eine Rolle. Seit Ende 2023 werden erstmals alle vom Verfassungsschutz als Extremisten eingestuften Waffenbesitzer erfasst – unabhängig davon, ob die Erkenntnisse für einen Entzug der Waffen ausreichen oder ob die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes offen gerichtsverwertbar sind.

Aber nicht nur die Entwaffnung der Extremisten ist schwierig – in Baden-Württemberg werden weiterhin neue Waffenscheine und Waffenbesitzkarten an Rechtsextremisten, Reichsbürger und Selbstverwalter ausgegeben.

Wie viele Extremisten haben zuletzt Waffenerlaubnisse beantragt – und bekommen?

Im vergangenen Jahr haben 19 Extremisten aus den oben genannten Phänomenbereichen einen Antrag auf eine waffenrechtliche Erlaubnis gestellt. 12 davon wurden von den Waffenbehörden positiv beschieden – also mehr als jeder zweite Antrag. Im Jahr 2023 sind von 13 Anträgen immerhin 4 bewilligt worden. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums an die SPD-Fraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Warum stellt der Staat Waffenscheine für Extremisten aus?

Eine Person kann zwar vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft sein, aber nach dem Waffengesetz trotzdem als zuverlässig gelten – solange keine vom Gericht verwertbaren Belege für verfassungsfeindliche Aktivitäten vorliegen. Mit anderen Worten: Nicht jede Erkenntnis, die für den Geheimdienst besorgniserregend ist, reicht rechtlich für ein Waffenverbot aus. Und: «Zum Teil lagen die Erkenntnisse auch zu lange zurück oder die Antragsteller haben sich glaubhaft von den Vorwürfen distanziert», teilte das Innenministerium in der Antwort auf die Anfrage mit.

Der Verfassungsschutz darf zudem viele Informationen über Extremisten nicht an die Waffenbehörden weitergeben, wenn sie aus geheimen Quellen stammen, etwa von V-Leuten. Solche sogenannten eingestuften Erkenntnisse sind in Verwaltungsverfahren nicht verwertbar. Sonst besteht die Gefahr, dass diese Quellen offengelegt und Menschen gefährdet werden.

V-Leute, also sogenannte Vertrauenspersonen, sind Informanten, die dem Verfassungsschutz Informationen aus dem inneren Umfeld extremistischer oder krimineller Gruppen liefern. Das Innenministerium spricht von einem rechtlichen Dilemma.

 

Weitere Nachrichten

Schnellere Kontrollen am Flughafen Stuttgart in Aussicht

Ab November organisiert der Flughafen Stuttgart die Sicherheitskontrollen selbst. Flughafen-Chef Heppe verspricht sich davon schnellere Abläufe für Reisende.

Spargel schon ab Mitte März - so viel kostet das Kilogramm

Spargelfans aufgepasst: Dank der frühlingshaften Temperaturen dürfte es im Südwesten schon ab Mitte März frische Stangen geben. Was Genießer beim Preis in diesem Jahr erwartet.

Trend: Immer mehr Frauen entdecken Angeln für sich

Lange Zeit galt das Hobby als Männerding: Doch immer mehr Frauen finden Gefallen am Angeln. Verbände und Messen verzeichnen steigende Zahlen. Auch in sozialen Medien zeichnet sich ein Trend ab.

Weniger Weinbau in Baden-Württemberg – Flächen nehmen ab

Weniger Rebflächen, sinkende Erträge: Immer mehr Winzer in Baden-Württemberg geben den Weinanbau auf. Welche Sorten besonders betroffen sind.

Wo die 20-Grad-Marke am Wochenende geknackt werden könnte

Sonnenbrille auf und ab ins Café: In Baden-Württemberg wird es bis Sonntag oft freundlich und mild. Mancherorts hält sich aber morgens hartnäckig der Nebel.

Brisanter Fund in Karlsruhe: Polizei entdeckt Sprengstoff im eigenen Haus

In einem sichergestellten Behälter findet die Karlsruher Kriminalpolizei nach einigen Wochen explosives Material. Fachleute rücken an.






















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.