Nachrichten
Warum Extremisten Waffen besitzen dürfen

Nachrichten Warum Extremisten Waffen besitzen dürfen

Quelle: Christoph Schmidt/dpa
dpa

«Reichsbürger», «Selbstverwalter» und Rechtsextremisten sind häufig Waffenfans. Trotz aller Anstrengungen der Politik: Im Südwesten besitzen immer noch einige Pistolen, Gewehre und Flinten.

In Baden-Württemberg dürfen mehr als 200 Extremisten Waffen besitzen. Bei den meisten handelt es sich um Rechtsextremisten oder sogenannte Reichsbürger oder Selbstverwalter, wie aus einer Antwort des Innenministeriums an den Grünen-Abgeordneten Oliver Hildenbrand hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Laut Ministerium waren zum Stichtag 31. Dezember 214 Extremisten im Südwesten im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis – etwas mehr als im Jahr davor. Von den 214 Personen werden 122 Personen dem Rechtsextremismus zugeordnet, 48 den «Reichsbürgern» und «Selbstverwaltern», 12 Personen dem islamistischen Extremismus, 11 dem Bereich der sogenannten «verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates», 8 dem Linksextremismus und 13 Personen übrigen Phänomenbereichen.

 

Grüne fordern strengere Einstufung

«Waffen in den Händen von Rechtsextremisten, Reichsbürgern und anderen Verfassungsfeinden gefährden unsere Sicherheit», sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Hildenbrand. Er fordert den Bund auf, wirksam zu verhindern, dass Waffen überhaupt erst in diese falschen Hände geraten könnten.

So sollten Menschen, die verfassungsfeindliche Aktivitäten betreiben oder Mitglieder von verfassungsfeindlichen Organisationen sind, künftig waffenrechtlich als «absolut unzuverlässig» statt nur als «in der Regel unzuverlässig» eingestuft werden. Mit dieser Einstufung dürfte diesen Personen dann unter keinen Umständen mehr eine Erlaubnis erteilt werden.

Rund die Hälfte der 214 Extremisten sei im Besitz eines sogenannten Kleinen Waffenscheins, hatte Innenminister Thomas Strobl (CDU) vor kurzem im Landtag berichtet. Dieser berechtige zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. 100 Personen verfügten zudem über eine Waffenbesitzkarte – diese erlaubt den Erwerb und den Besitz, nicht aber das Führen von Waffen. Träger einer Karte müssen ein berechtigtes Bedürfnis nachweisen: zum Beispiel als Sportschütze, als Jäger oder als Waffensammler.

Bei zwei Personen handle es sich um sogenanntes Bewachungspersonal, welches über eine Waffenführungsberechtigung verfüge – das sei das, was der Volksmund unter einem Waffenschein verstehe, so Strobl. Ein Waffenschein berechtigt dazu, eine geladene Schusswaffe in der Öffentlichkeit am Körper zu tragen.

 

Einige Widerrufsverfahren

Der Staat versucht, den Extremisten die Waffenerlaubnis zu entziehen, auch wenn die rechtsstaatlichen Verfahren laut Innenministerium Zeit brauchen und der Verfassungsschutz ständig mehr Extremisten ausfindig macht. Bereits im Jahr 2017 wurden die Waffenbehörden angewiesen, an «Reichsbürger» und Extremisten keine waffenrechtlichen Erlaubnisse zu erteilen und bereits erteilte Erlaubnisse – soweit möglich – zurückzunehmen.

Bei 25 der 214 Erlaubnisinhaber sei ein Widerrufsverfahren eingeleitet worden, sagte Strobl vor kurzem im Landtag. Bei weiteren 30 Personen sei ein Widerrufsverfahren in der Prüfung.

Nach Einschätzung der Waffenbehörden reichten bei 64 Waffenbesitzern die Erkenntnisse aber nicht aus, um eine sogenannte waffenrechtliche Unzuverlässigkeit zu begründen. Bei 85 Erlaubnisinhabern lägen keine offenen gerichtsverwertbaren Erkenntnisse vor.

 

Razzia eskaliert

«Reichsbürger» erkennen die Bundesrepublik nicht als Staat an. Sie sprechen dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide. Die gesamte Bewegung gilt als gefährlich und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Im Frühjahr 2023 etwa war bei einer Razzia gegen die Szene eine Durchsuchung in Reutlingen eskaliert – ein mutmaßlicher «Reichsbürger» schoss auf einen SEK-Beamten und verletzte diesen am Arm. Strobl sprach später von einem «perversen» Waffenarsenal, das bei dem Mann gefunden worden sei.

 

Weitere Nachrichten

Endlich freie Fahrt: Schluss mit Verkehrs-Nadelöhr am Rhein

Für Tausende Autofahrer endet eine Geduldsprobe. Nach jahrelanger Baustelle ist eine der wichtigsten Straßen der Region wieder nutzbar.

Jede dritte Messstelle meldet niedrige Werte: Wo sich die Grundwasserlage zuspitzt

Jede dritte Messstelle im Südwesten meldet niedrige Werte. Wie sich Trockenheit und Verdunstung auf die Entwicklung der Grundwasserlage auswirken und womit Fachleute in den nächsten Wochen rechnen.

Wetterspektakel: Warum der Bodensee ein Tornado-Hotspot ist

Am Bodensee entstehen laut Wetterdienst jedes Jahr mehrere Tornados. Warum die Region ein Hotspot für Wasserhosen ist.

Von Bamberg nach Karlsruhe: Karin Angerer wird Präsidentin des BGH

Von Bamberg nach Karlsruhe: Karin Angerer übernimmt das wichtigste Amt am Bundesgerichtshof. Damit wird sie zu einer der entscheidenden Personen der bundesdeutschen Justiz.

Hitze und Trockenheit: Donau im Südwesten auf Jahrzehnt-Tief

Die Donau führt so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr - und eine schnelle Entspannung ist laut Experten nicht in Sicht.

75 Jahre Baden-Württemberg: Nach Abstimmung - "The Länd" wird Jubiläumssong

Brezeln, Kehrwoche und Sparsamkeit zum Jubiläum: Bei einer Abstimmung über den Song zum 75. Geburtstag von Baden-Württemberg gewinnt ein Titel über Dinge, die typisch für das Land sein sollen.



















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.