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Wetter an Weihnachten: Warum Schnee an Weihnachten zur Ausnahme wird

News Wetter an Weihnachten: Warum Schnee an Weihnachten zur Ausnahme wird

Quelle: Uwe Anspach/dpa
dpa

Schneemänner an Weihnachten? In den meisten Regionen Baden-Württembergs sind die Chancen sehr gering. Warum der Traum vom Winterwunderland immer seltener wahr wird.

Alle Jahre wieder wächst in Baden-Württemberg die leise Hoffnung, dass Weihnachten doch ein paar Flocken Schnee vom Himmel segeln. Auf den Adventsmärkten duftet es nach Glühwein, Lichterketten glitzern – und irgendwo schwingt die Frage mit, ob das Land zwischen Odenwald und Bodensee in diesem Dezember ein Wintermärchen erlebt.

Die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) schauen inzwischen ganz genau auf ihre Modelle. Und die liefern ein Bild, das eher mit Realität als mit Romantik zu tun hat. Der Blick voraus aufs Fest:

 

Wie stehen in diesem Jahr die Chancen auf Weiße Weihnachten?

Meteorologe Uwe Schickedanz macht da wenig Hoffnung. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) kann die kommenden fünf bis sieben Tage überblicken, maximal sind es eineinhalb Wochen. «Aber wir sehen da bis kurz vor Weihnachten überhaupt keinen Wintereinbruch», sagt der Experte. Im Gegenteil: «Die Chance auf weiße Weihnachten ist mit dem, was wir dieser Tage an Wetter bekommen tendenziell noch etwas geringer geworden.»

 

Wo sind die Chancen besonders gering?

Die Meteorologen bemühen vor allem die Statistik. Wobei die Zahlen durch Klimawandel auch ordentlich durcheinander gebracht werden könnten, sagt Schickedanz. Eine ordentliche Schlittenfahrt wird demnach in den Niederungen kaum möglich sein, die Chancen liegen in Städten wie Karlsruhe, Stuttgart und Mannheim unter drei Prozent. In mittleren Berglagen, also etwa auf der Schwäbischen Alb, in den mittleren Schwarzwaldlagen oder den Hochlagen des Odenwalds steigen sie statistisch auf 20 bis 40 Prozent, in den Hochlagen des Schwarzwalds auf bis zu 70 Prozent.

 

Warum gibt es so große Unterschiede?

In Baden-Württemberg entscheidet vor allem die Höhenlage über die Schneewahrscheinlichkeit: Tiefer gelegene Gebiete haben deutlich schlechtere Chancen auf weiße Weihnachten. Deshalb sind Städte wie Stuttgart, Ulm oder Reutlingen häufiger von Schnee bedeckt als die badischen Großstädte Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg. Ein flächendeckend weißes Weihnachtsfest erlebte das ganze Land zuletzt 1986 und 2010.

Doch auch regionale Besonderheiten wirken sich aus. So liegt der kleine Erholungsort Schwarzach im Odenwald auf ähnlicher Höhe wie Freiburg, Weil am Rhein und Müllheim – trotzdem kam «Badisch Sibirien» seit 1991 achtmal in den Genuss weißer Weihnachten, während es in Südbaden lediglich dreimal geschneit hat.

 

Gibt es überhaupt schneesichere Orte oder Höhenlagen im Land?

Eigentlich nicht. Selbst der Feldberg, immerhin mit fast 1500 Metern der höchste Gipfel des Schwarzwaldes, garantiert keine weiße Weihnacht mehr. «Wir hatten Ende November über einen halben Meter Schnee auf dem Feldberg. Und selbst dieser Schnee ist bis auf ein paar traurige Reste schon wieder weg», sagt Schickedanz. Im Nordschwarzwald bietet Freudenstadt statistisch die höchste Schneesicherheit an Weihnachten, auf der Schwäbischen Alb ist es der kleine Wintersportort Westerheim.

 

Warum gibt es denn so selten weiße Weihnachten im Land?

Die Meteorologen haben einen Fachbegriff dafür: Sie nennen es das typische «Weihnachtstauwetter». Es macht das Fest in Weiß zu einem eher seltenen Ereignis, wenn man nicht gerade im höheren Mittelgebirgsraum oder am Alpenrand wohnt. «Für die meisten Deutschen sind Weihnachten eher grün statt weiß», sagt Schickedanz.

Laut DWD fällt der erste Schnee der Saison oft bereits Ende November. Vielleicht folgt hier oder dort Mitte Dezember auch ein weiterer Kaltluftvorstoß. Doch kurz vor dem Fest ist die weiße Pracht dann meist wieder dahin, weil milde atlantische Luft von Westen heranströmt. «Dabei zehren die milden Luftmassen die zuvor gefallene Schneedecke oft völlig auf», teilt der DWD mit. Das «Weihnachtstauwetter» sei – je nach Region – mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent jährlich zu erwarten.

 

Was hat der Klimawandel mit weißen Weihnachten zu tun?

Sehr viel, sagt DWD-Meteorologe Schickedanz. In Baden-Württemberg sei die Temperatur in den vergangenen 60 Jahren um rund 2 Grad gestiegen – allerdings seien das 2 Grad, die für einen Schneefall um 0 Grad entscheidend sein können. «Das heißt, der Klimawandel spielt eine entscheidende Rolle», sagt Schickedanz. «Weiße Weihnachten sind durch den Klimawandel in weiten Regionen des Landes deutlich unwahrscheinlicher geworden. Und sie werden künftig noch unwahrscheinlicher werden.»

Nach einer Studie bewirkt der Klimawandel, dass es in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland im Durchschnitt jeweils 18 Wintertage mit Mindesttemperaturen über null Grad mehr gab als in einer Welt ohne Klimawandel. «Laut unserer Analyse gehört Deutschland zu den zehn Ländern, die am stärksten vom Verlust kalter Wintertage betroffen sind», sagt Kristina Dahl, Vizepräsidentin und wissenschaftliche Leitung bei der gemeinnützigen US-Organisation Climate Central in Princeton.

 

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