News aus Baden-Württemberg
Wohlfahrtsverbände fordern deutlich mehr Hilfen vom Land

News aus Baden-Württemberg Wohlfahrtsverbände fordern deutlich mehr Hilfen vom Land

Quelle: Tobias Hase
dpa

Weil Energiekosten und Inflation extrem steigen, wird das Geld bei Familien knapper. Rechnungen für Strom, Wasser oder Gas können aber nicht warten. Wohlfahrtsverbände sehen auch die Politik in der Pflicht.

Angesichts steigender Energiekosten haben Wohlfahrtsverbände in Baden-Württemberg einen landesweiten Notfallfonds gefordert. Damit könnten etwa Strom-, Wasser-, und Gassperren verhindert werden, sagte der Sprecher der Liga der freien Wohlfahrtspflege, Michael Karmann, zu der etwa Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und Diakonie gehören. «Wir gehen davon aus, dass Haushalte mit bis zu 4000 Euro brutto deutliche Schwierigkeiten dabei haben werden, Nachzahlungen zu leisten, die im vierstelligen Bereich liegen», sagte Karmann am Montag in Stuttgart.

Laut einer Auswertung des Statistischen Landesamtes fallen im Südwesten fast ein Viertel (23,8 Prozent) der Haushalte in den Bereich der einkommensschwachen Gruppe. Das sind mehr als 2,6 Millionen Menschen – davon rund 573.000 Kinder und Jugendliche. Mit der landesweiten Aktionswoche «Armut bedroht alle» will die Landesarmutskonferenz in dieser Woche wieder stärker auf das Thema aufmerksam machen.

Die momentanen Bemühungen der Politik seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte Karmann. Energieversorger müssten an den Tisch geholt werden, um zu verhandeln, dass Zahlungsrückstände nicht wie sonst oft üblich in einem Rutsch erledigt werden müssten, sondern auch in Raten zahlbar seien. Strom, Gas oder Wasser wird laut Bundesnetzagentur dann abgedreht, wenn Verbraucher ihren Lieferanten den doppelten Monatsabschlag oder mindestens 100 Euro schuldig sind.

Angesichts der aktuellen Lage gebe es eine große Sprachlosigkeit, sagte Karmann. Auch Beratungsdienste hätten auf viele Fragen keine Lösungen. «Hier müssten gemeinsam Überlegungen getroffen werden», wiederholte er die Forderung von Wohlfahrtsverbänden nach einem Sozialgipfel mit Ministerien und Energieunternehmen.

Dieser Forderung erteilte das Sozialministerium eine Absage. «Wir sind im permanenten Gespräch mit allen Akteuren und nehmen das Thema Armutsbekämpfung auf allen Ebenen sehr ernst», teilte eine Sprecherin des Sozialministeriums auf Anfrage mit. Auch wenn es jetzt nicht den einen Gipfel geben werde, habe man unterschiedliche Formate, in denen man sich dem Thema in aller Ausführlichkeit annehme.

Die Sprecherin verwies auch auf das dritte Entlastungspaket des Bundes, das momentan in der konkreten Ausgestaltung sei. Die finanzielle Entlastung in Krisenzeiten könne und müsse in erster Linie bundeseinheitlich über die Regelstrukturen, also Sozialleistungssysteme, ausbezahlt werden. «Ein Flickenteppich der Länder – das haben wir während der Corona-Pandemie gelernt – kann nicht der Schlüssel zur Bewältigung nationaler Krisen sein.»

 

Weitere Nachrichten

Frontalzusammenstoß zweier Autos in Karlsruhe: Fünf Menschen verletzt

Beim Frontalzusammenstoß zweier Autos im Landkreis Karlsruhe sind fünf Menschen verletzt worden, darunter auch ein Kleinkind.

Sparen ohne Sperren: Zoos in Baden-Württemberg in der Energiekrise

Tropenfische brauchen warme Temperaturen, Reptilien und Orang-Utans auch. Zoos müssen die Aquarien, Terrarien oder Tierhäuser beheizen. Die Energiekrise befeuert die Kosten nach einer bereits belastenden Corona-Zeit. Wie reagieren die Zoos im Land?

Modellversuch: Häftlinge sollen in Zellen Zugang zu Computern bekommen

Häftlinge in Baden-Württemberg sollen in den Gefängniszellen Zugang zu Computern bekommen.

Wallbox: Verbraucherschützer skeptisch bei Stromabriegelung

Verbraucherschützer haben vor überzogenen zeitweisen Stromabriegelungen durch Netzbetreiber im Zuge des Ausbaus von E-Ladestationen gewarnt.

Bauminister für Förderung nicht nur von sozialem Wohnungsbau

Die Bauminister der Länder haben vor einer zu starken Fokussierung auf den sozialen Wohnungsbau bei der Förderpolitik gewarnt.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Daumen hoch, wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder zeigen Sie uns, dass wir uns verbessern können.

0%
0%

Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.