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Zahl der Firmenpleiten in Baden-Württemberg steigt deutlich

Nachrichten Zahl der Firmenpleiten in Baden-Württemberg steigt deutlich

Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
dpa

Musterländle ade? Der Südwesten sticht beim Thema Insolvenz hervor – aber nicht positiv. Denn die Zahlen steigen deutlich stärker als im Bundesschnitt. Was dahintersteckt.

Die Krise der deutschen Wirtschaft lässt auch in Baden-Württemberg die Zahl der Firmenpleiten steigen. Im ersten Halbjahr 2026 haben nach Schätzungen von Creditreform rund 1.630 Unternehmen im Südwesten Insolvenz angemeldet. Das sei ein Anstieg von 27,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, teilte die Wirtschaftsauskunftei mit.

Baden-Württemberg liegt damit deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 7,8 Prozent. Es ist es der zweithöchste Zuwachs unter den Flächenländern. Ebenfalls gestiegen ist die sogenannte Insolvenzquote.

Aber: Mit 76 Pleiten pro 10.000 Firmen (1. Halbjahr 2025: 67) steht der Südwesten noch vergleichsweise gut da. In sechs Bundesländern ist die Quote geringer, in neun höher. Negativer Spitzenreiter ist Berlin mit 120 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, am anderen Ende finden sich Mecklenburg-Vorpommern (38) und Thüringen (37). Deutscher Durchschnitt sind 82.

Als Grund für die Unterschiede zwischen den Ländern nennt Creditreform unter anderem den Branchenmix. Wo es viele Betriebe aus Baugewerbe, Einzelhandel oder Gastgewerbe gebe, sei die Quote oft höher. Allerdings spiele auch die allgemeine wirtschaftliche Lage einer Region eine wesentliche Rolle – unter anderem die Kaufkraft der Bevölkerung oder die Lage am Arbeitsmarkt.

 

Ölpreisschock trifft ohnehin belastete Wirtschaft

Bundesweit werden nach Hochrechnungen bis zum Ende des ersten Halbjahres rund 12.900 Unternehmen angemeldet haben – der höchste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2013. «Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht», warnte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. «Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027.»

Teure Energie, zurückhaltende Konsumenten, bürokratische Lasten – die Liste der Probleme ist lang. «Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen, die durch den Konflikt im Nahen Osten noch mal verschärft wurde», sagt Hantzsch. Vor allem der starke Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise habe Unternehmen und Verbraucher belastet.

 

Trend setzt sich fort

Der Anstieg reiht sich in eine längere Entwicklung ein. 2025 beantragten nach Angaben des Statistischen Landesamts 2.706 Unternehmen Insolvenz – fast elf Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders betroffen war das Baugewerbe, gefolgt vom Handel. Die Forderungen der Gläubiger summierten sich auf fast fünf Milliarden Euro. Schon 2023 und 2024 hatte die Zahl der Firmenpleiten deutlich zugelegt, nachdem die staatlichen Hilfen aus der Corona-Pandemie ausgelaufen waren, die vielen Betrieben das Überleben gesichert hatten.

Jüngste Beispiele aus dem Südwesten illustrieren den Trend: Mitte Juni meldete die Schussenrieder Brauerei Ott aus dem Landkreis Biberach Insolvenz an – ein Familienbetrieb mit 120-jähriger Geschichte und rund 40 Beschäftigten. Zuletzt waren unter anderem auch das Stuttgarter Marienhospital oder die Spedition Betz International in finanzielle Schieflage geraten.

 

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