Nachrichten
Atempause oder Trend? Wie das Wetter den Borkenkäfer bremst

Nachrichten Atempause oder Trend? Wie das Wetter den Borkenkäfer bremst

Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa
dpa

Kahle Hänge, massenweise Schadholz – in den vergangenen Jahren traf der Borkenkäfer die Wälder im Südwesten hart. Jetzt ist die Lage ruhiger, der Trend zeigt nach unten. Doch wie lange hält das an?

Nach den erheblichen Waldschäden vor allem durch Borkenkäfer in den vergangenen Jahren hat sich die Lage in Baden-Württemberg zuletzt etwas entspannt. Durch die vielen Niederschläge und die vergleichsweise geringen Temperaturen im März und April sei der Buchdrucker, die mit Abstand wichtigste Borkenkäferart, in diesem Jahr später als im Vorjahr ausgeflogen, teilte Forstminister Peter Hauk (CDU) mit.

Die Forstkammer gibt für den Start ins Schädlingsjahr ebenfalls zurückhaltend Entwarnung: «Dass es nass und kalt gewesen ist, war für die Borkenkäfer schlecht und für die Bäume gut», sagte der Geschäftsführer der Forstkammer, Jerg Hilt. Nun komme es auch auf die kommenden Wochen an.

 

Forstminister Hauk warnt: Nach wie vor hohe Zahlen

Frühestens im Herbst werde man sehen, wie sich der Borkenkäfer und damit auch der Zustand des Waldes entwickelt habe, sagte Hauk. Die Ausgangspopulationen der Käfer lägen immer noch deutlich höher als in den Jahren vor 2018.

Auch die aktuellen Rückgänge bei der Schadholzmenge seien mit Vorsicht zu bewerten. «Die letzten Monate waren niederschlagsarm und es deutet sich ein warmer Mai an», sagte Hauk. Und mit der Trockenheit schwinden die Abwehrkräfte der Bäume, der Käfer hat dann leichteres Spiel.

 

Holzfäller haben weniger Holz eingeschlagen

Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes haben die Holzfäller wegen einer deutlich geringeren Menge an Schadholz auch insgesamt weniger Holz eingeschlagen. Im vergangenen Jahr wurden rund 10 Millionen Kubikmeter Holz aus den Wäldern entnommen – etwas weniger als im Jahr zuvor, wie das Landesamt mitteilte. Die Masse an Schadholz ging in diesem Zeitraum sogar um etwa ein Fünftel (21,4 Prozent) zurück auf 3,8 Millionen Kubikmeter Holz.

Etwa jeder zweite Kubikmeter (1,9 Millionen) dieser Menge ist laut Landesamt durch Schädlinge, vor allem durch Borkenkäfer, angegriffen worden. Das ist zwar deutlich weniger als im Jahr zuvor, als Insekten 2,6 Millionen Kubikmeter Holz zerstörten. Das Landesamt betont aber auch: «Trotz einer signifikant niedrigeren Menge im Vergleich zum Vorjahr, blieben die Insektenschäden auch 2024 die größte Schadursache.».

 

Larven knabbern an der Baumrinde

Entwarnung will auch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg trotz der gesunkenen Zahlen nicht geben und verweist – wie auch Hauk – auf die Wetterprognosen. «Die aktuell etwas wärmere und trockene Witterung wird voraussichtlich wieder zu etwas höherer Schwarmaktivität führen. Es ist mit neuem Frischbefall zu rechnen», heißt es unter anderem in einem aktuellen FVA-Bericht. In den Brutbäumen seien die ersten großen Larven zu sehen, während weiterhin Eier unter der Rinde abgelegt würden.

Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Larven von der Bastschicht des Baums. Diese dünne Schicht unter der Rinde bildet das lebenswichtige Leitungssystem des Baums, durch das Wasser und Nährstoffe transportiert werden. Wird die Schicht zerstört, stirbt der Baum. Schon 200 Borkenkäfer genügen, um einen einzigen Baum so zu schädigen, dass er nicht weiterleben kann.

 

Kontrolle ist wichtig

Daher empfiehlt die FVA, stärker zu kontrollieren, ob Bäume neu befallen wurden. «Das entscheidende Befallsmerkmal ist in den kommenden Wochen das Bohrmehl, das im frühen Stadium des Befalls entsteht und der erste sichere Hinweis auf Buchdrucker-Befall ist», heißt es bei der FVA. Seien an Fichten nur Harztropfen zu sehen, gelte es abzuwarten. «Harztropfen deuten auf eine Abwehr von Einbohrversuchen hin, die auch gegebenenfalls erfolgreich sein kann.»

 

Weitere Nachrichten

Silvester-Millionen gewonnen? Noch nie gab es so viele Millionengewinne an einem Tag im Land

Noch nie gab es so viele Millionengewinne an einem Tag bei Lotto Baden-Württemberg. Und das ist noch nicht alles. Wie Gewinner jetzt informiert werden.

Cyberattacke auf "The Länd"-Shop: Kunden sollten Kontobewegungen beobachten

Die Markenkampagne des Landes wird als Erfolg gepriesen. Unbekannte Hacker haben sich nun Zugang zum «The Länd»-Shop verschafft. Was betroffene Kunden jetzt beachten sollten.

Notfallübung: So üben Retter den Einsatz auf dem Eis

Was tun, wenn das Eis bricht? Ehrenamtliche zeigen bei einer Übung, wie sie sich selbst schützen und Eingebrochene sicher ans Ufer bringen - mit viel Technik und Teamarbeit.

Kriminalität: Mehr Menschen werden Opfer von K.-o.-Tropfen

Auf dem Cannstatter Wasen, bei einer Halloween-Party oder einem Motorsport-Event: Zuletzt wurden immer wieder Menschen Opfer von K.-o.-Tropfen. Wie ist die Lage im Land?

Drohnen-Alarm an sensiblen Orten in Baden-Württemberg nimmt zu

Über konkrete Zahlen schweigen sich die Verantwortlichen aus - aus Sicherheitsgründen. Doch der Trend ist klar und wird mitunter als «Teil hybrider Kriegführung» bewertet.

Diese großen Festivals steigen 2026 in Baden-Württemberg

Von Pop-Ikone Katy Perry bis Star-DJ David Guetta: 2026 stehen in Baden-Württemberg wieder internationale Musikgrößen auf den Festivalbühnen. Wer sonst noch dabei ist.






















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.