News aus Baden-Württemberg
Ausweg in Not: Babyklappen im Land werden genutzt

News aus Baden-Württemberg Ausweg in Not: Babyklappen im Land werden genutzt

Quelle: Uli Deck/dpa/Symbolbild
dpa

Für Schwangere ist es oft der letzte Ausweg: der Gang zur Babyklappe. Wer sein Neugeborenes nicht behalten will, kann es dort anonym abgeben. Immer wieder kommen so Jungen und Mädchen in die Obhut des Jugendamtes.

Die Babyklappen in Baden-Württemberg werden fast alle genutzt. Im Schnitt ein bis zwei Babys werden pro Jahr zu den Einrichtungen gebracht, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Vor allem in Großstädten werden immer wieder Neugeborene anonym abgegeben. Babyklappen oder Körbe gibt es im Südwesten etwa in Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim, Villingen-Schwenningen, Friedrichshafen, Singen und Lörrach. Sie sollen Müttern und Vätern in Notlagen helfen.

Im Weraheim, einem Mutter-Kind-Haus in Stuttgart, wurden seit Einführung der Babyklappe vor rund 20 Jahren die meisten Neugeborenen abgegeben – 46 Jungen und Mädchen waren es insgesamt. Ein paar Babys werden auch wieder von den Müttern abgeholt, wie eine Sprecherin erklärte. Der Großteil aber wird zur Adoption freigegeben oder in einer Pflegefamilie untergebracht. In diesem Jahr wurde ein Kind abgegeben, 2021 waren es zwei.

Die erste Babyklappe Baden-Württembergs wurde vom Diakonischen Werk in Karlsruhe gemeinsam mit der Hardtstiftung 2001 ins Leben gerufen. Laut einer Sprecherin wurden seither 27 Kinder abgegeben. Im vergangenen Jahr habe es keine Übergabe gegeben, im laufenden bisher eine. «Es kommt selten vor, dass sich nach der Übergabe eines Babys die Mutter meldet», so die Sprecherin.

In Karlsruhe wird das Neugeborene in ein Wärmebett gelegt, was einen Alarm auslöst. Die Mutter kann auch einen Fußabdruck des Kindes machen und mitnehmen. «Wenn ein Kind bei uns übergeben wird, wird es zuerst von einem unserer ehrenamtlichen Mitarbeitenden in Empfang genommen und erstversorgt», erklärte die Sprecherin. Danach werde es in die Kinderklinik gebracht, dort untersucht und stationär aufgenommen.

Parallel werde dem Jugendamt die Übergabe mitgeteilt, damit das Kind in Obhut genommen werden könne und ein Amtsvormund bestellt werde, so die Sozialpädagogin. «Damit endet dann auch unsere Verantwortung für das Kind, alle weiteren Schritte sind Aufgabe des Jugendamts.»

Nach dem Klinikaufenthalt geht es für Babys in der Regel zunächst für einige Wochen in eine Bereitschaftspflegefamilie, um der abgebenden Mutter Zeit zu geben, sich doch noch zu melden. «Wenn sich in dieser Zeit niemand gemeldet hat, wird das Kind in Adoptionspflege zu der Familie gebracht, die beabsichtig das Kind zu adoptieren», hieß es von den Kliniken. Die Adoption werde in der Regel um den ersten Geburtstag des Kindes herum rechtskräftig.

Ein Verein gibt in Deutschland Empfehlungen für Mindeststandards für Babyklappen. Das erste Angebot dieser Art gab es in Hamburg. Die Einrichtungen sind nicht unumstritten. Kritiker befürchten, dass Babyklappen erst einen Bedarf schaffen und es Frauen erleichtern, sich von ihren ungewollten Kindern zu trennen. Auch der Deutsche Ethikrat hatte sich gegen solche Klappen ausgesprochen, weil jedes Kind das Recht habe zu wissen, von wem es abstammt.

 

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