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Baden-Württemberg zieht nach: Streifenpolizisten testen neue Taser

News Baden-Württemberg zieht nach: Streifenpolizisten testen neue Taser

Quelle: Andreas Arnold/dpa
dpa

Die Polizei im Südwesten will mit neuen Tasern gegen steigende Gewalt vorgehen. Klingt nach einer modernen Reform. Aber die Kritik ist laut und deutlich. Warum?

Nach vielen anderen Bundesländern sollen nun auch Streifenpolizisten in Baden-Württemberg mit Elektroschockern – sogenannten Tasern – ausgerüstet werden. Das Land sieht darin einen wichtigen Schritt für mehr Sicherheit der Einsatzkräfte. Aber es hagelt Kritik von den Polizeigewerkschaften und Menschenrechtlern. Die Debatte zeigt: Bei der Frage, wie die Polizei auf zunehmende Gewalt reagieren soll, gehen die Meinungen weit auseinander.

 

Was sind Taser und wie funktionieren sie?

Taser sind spezielle Elektroschockgeräte, mit denen Polizisten aus sicherer Entfernung Angreifer schnell außer Gefecht setzen können. Sie verschießen kleine Pfeile, die über dünne Drähte mit dem Gerät verbunden sind. Diese bohren sich einige Millimeter in die Haut oder Kleidung des Gegenübers und geben dann einen starken Stromimpuls ab, der die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln blockiert. Die Folge: Die getroffene Person ist für einige Sekunden komplett gelähmt und bewegungsunfähig.

 

Wie werden Taser bislang genutzt?

Derzeit werden die Geräte nur von den Beamten der Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Einsatz eingesetzt. Seit der Einführung 2007 wurden die Taser laut Innenministerium 86 Mal abgefeuert (Stand 31.12.2025).

 

Wo und wann sollen die Taser getestet werden?

In dem Pilotprojekt werden zwei unterschiedliche Modelle für jeweils ein Jahr testweise in Südbaden und Göppingen eingesetzt. Zunächst werden Beamte in den Polizeirevieren Freiburg-Nord, Freiburg-Süd, Weil am Rhein und Titisee-Neustadt sowie bei einer Einheit des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen mit insgesamt 40 Geräten des einen Modells ausgestattet. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das zweite Modell ausgeschrieben werden.

 

Welcher Taser soll getestet werden?

Im ersten Jahr des Projekts wird das Modell «Axon Taser 7« erprobt. Es besitzt zwei Kartuschen, aus denen jeweils zwei kabelgebundene Doppelsonden – das sind vier Pfeile insgesamt – verschossen werden können.

 

Gibt es neuere Modelle?

Ja. Die neueste Taser-Generation (Axon Taser 10) kann bis zu zehn Einzelsonden abgeben und aus mehr als 13 Metern Entfernung eingesetzt werden. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten der Polizisten deutlich. Außerdem erhöht sie die Chancen, einen Angreifer zu treffen, wenn der erste Schuss nicht sitzt. Das Modell wird laut Ministerium eventuell im zweiten Testjahr genutzt.

 

Warum fordert die Polizei diese neue Ausrüstung?

Die Gewalt gegen Polizisten nimmt seit Jahren zu – das zeigen die jüngsten Kriminalstatistiken deutlich. Das Innenministerium weist für 2024 einen Höchststand von knapp 6.400 Gewaltdelikten gegen Polizistinnen und Polizisten aus, ein Anstieg um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

Warum reichen Schlagstock und Pfefferspray nicht mehr aus?

Mit einem Schlagstock muss ein Polizist sehr nah an den Angreifer herangehen – das ist natürlich riskant. Pfefferspray wirkt bei vielen Angreifern nicht zuverlässig. Vor allem, wenn diese unter Drogeneinfluss stehen oder psychisch krank sind, sind sie teils nicht mehr ansprechbar oder spüren keinen Schmerz mehr. In solchen Extremsituationen müssen Beamte blitzschnell und unter großem Stress entscheiden.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) betont aber: «Taser sind nicht geeignet, um Messeranggriffe oder andere Angriffe mit Waffen in dynamischen Einsatzlagen abzuwehren. Hier bleibt uns nur die Schusswaffe als das Mittel der Wahl», sagt er.

 

Welche Vorteile sehen Befürworter beim Taser-Einsatz?

Befürworter betonen vor allem die deeskalierende Wirkung der Taser. Schon die Androhung des Tasereinsatzes könne in den weitaus meisten Fällen dazu führen, dass sich eine Situation beruhige. Das liege am lauten Summen und dem grellen Warnlicht, das den Angreifer abschrecke. Außerdem könnten Polizisten mit dem Taser aus sicherer Entfernung handeln, was ihre eigene Sicherheit und die des Gegners erhöhe.

«Der Taser rettet Menschenleben», sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Dirk Preis. «Und der Taser rettet auch Polizisten-Leben, deren Leben nach einem Schusswaffengebrauch, oftmals nicht mehr so weiterläuft wie bisher.»

 

Und was kritisieren die Polizeigewerkschaften an den Plänen?

Aus Sicht der Polizeigewerkschaften kommen die Tests zu spät und dauern zu lange. «Wir brauchen den Taser schnell und nicht erst in 18 oder 24 Monaten», sagt DPolG-Chef Preis. Die beiden großen Gewerkschaften fordern eine sofortige und flächendeckende Einführung der neuesten Taser-Generation.

Auch die Auswahl der Testregionen wird kritisiert: Gerade Städte wie Stuttgart oder Mannheim mit vielen komplexen Einsatzlagen wären besser geeignet. In Winnenden etwa könne sich ein Test lohnen, weil sich die große Psychiatrie dort besonders auf die Gewaltzahlen gegen Polizisten auswirke, sagte der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Gundram Lottmann.

 

Welche Gefahren bergen Taser für die Betroffenen?

Auch wenn Taser als weniger gefährlich als Schusswaffen gelten, sind sie nicht risikofrei. Besonders riskant sind sie bei älteren Menschen, Schwangeren und Personen mit Herzproblemen – bei ihnen kann der Stromimpuls tödliche Folgen haben. Es können auch Verletzungen durch die Pfeile selbst oder durch Stürze entstehen, wenn die Getroffenen plötzlich zusammenbrechen.

Kritiker warnen zudem davor, dass die Hemmschwelle für den Einsatz eines Tasers niedriger ist als bei der Schusswaffe.

 

Wie verbreitet sind Taser bereits bei der deutschen Polizei?

Taser sind in Deutschland längst kein unbekanntes Mittel mehr. Alle Spezialeinsatzkommandos (SEKs) in Bund und Ländern nutzen sie bereits. In mindestens zwei von drei Bundesländern sind die Geräte auch bei Streifenpolizisten oder Unterstützungskräften im Einsatz. Baden-Württemberg hinkt im Vergleich etwas hinterher.

 

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