News aus Baden-Württemberg
Baden-Württemberger skeptisch gegenüber Organspenden

News aus Baden-Württemberg Baden-Württemberger skeptisch gegenüber Organspenden

Quelle: Daniel Maurer
dpa

Im Südwesten sind die Menschen traditionell zögerlich bei Organspenden. Das schlägt sich auch in den Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation nieder.

Die Bereitschaft der Bevölkerung, nach festgestelltem Hirntod Organe zu spenden, ist im Jahr 2020 in Baden-Württemberg im Ländervergleich am geringsten gewesen. Im Südwesten lag die Zahl der Organspender auf eine Million Einwohner bei 9,6, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Ähnlich gering waren die Zahlen in Nordrhein-Westfalen (9,7) und Bayern (10).

Hingegen waren die Werte in Ostdeutschland weit höher und erreichten in der Region Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 15,5. Im Jahr 2019 waren im Südwesten noch 10,6 Organspender auf eine Million Einwohner gekommen. Die absolute Zahl der Organspender betrug im vergangenen Jahr 107.

Wie in den meisten Bundesländern ist auch zwischen Main und Bodensee die absolute Zahl der gespendeten Organe gesunken – von 376 im Jahr 2019 auf im vergangenen Jahr 341. Es wurden auch mit 364 Organen zwischen Januar und Oktober 2020 zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum übertragen.

Die DSO wertet die deutschlandweiten Ergebnisse für 2020 positiv. Denn trotz Corona-Pandemie habe es bisher keinen Einbruch bei den Organspenden gegeben. «Im Gegensatz zu vielen Nachbarländern sind wir sehr gut durch die erste Welle gekommen», sagte der Medizinische DSO-Vorstand Axel Rahmel der Deutschen Presse-Agentur. Ob das auch für die zweite Welle gilt, hänge vor allem von den Intensiv-Kapazitäten ab. Im vergangenen Jahr wurden 913 Organspender gezählt – 19 weniger als 2019. Sie spendeten mit 2941 Organen 54 weniger als im Vorjahr.

Rahmel betonte, in vielen Ländern habe es einen dramatischen Einbruch gegeben. In Spanien etwa seien die Spenderzahlen während der ersten Welle um rund 70 Prozent zurückgegangen. Wegen der vielen Covid-19-Fälle und überlasteter Intensivstationen hätten Mediziner einfach keine Kapazitäten für dieses «herausfordernde Thema» gehabt.

Dass das in Deutschland bisher nicht so war, lag Rahmel zufolge vor allem an zwei Faktoren: Weil es mehr Kapazitäten auf Intensivstationen gebe, hätten Mediziner weiterhin ausreichend Zeit gehabt, mögliche Organspender zu identifizieren, mit Angehörigen zu sprechen oder überhaupt zu transplantieren. Und man habe frühzeitig viel getestet; damit habe man auch Sorgen zerstreut, Spender könnten infiziert sein und das Virus an die Empfänger weitergeben.

 

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