News aus Baden-Württemberg
Bildungsdefizite: Experte fürchtet Gesellschaftsspaltung

News aus Baden-Württemberg Bildungsdefizite: Experte fürchtet Gesellschaftsspaltung

Quelle: Philipp von Ditfurth
dpa

Der Tübinger Bildungsforscher Ulrich Trautwein hat vor einer Spaltung der Gesellschaft wegen abgehängter Schüler und Schülerinnen gewarnt.

Wer in der vierten Klasse nicht richtig lesen, schreiben und rechnen könne, werde danach wohl weiter abgehängt und lande langfristig in prekären Arbeitsverhältnissen, sagte der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des Kultusministeriums zur Neuordnung der Qualitätsentwicklung des baden-württembergischen Schulsystems der «Schwäbischen Zeitung» (Samstag/Ravensburg). «Das gefährdet wiederum unsere offene, demokratische Gesellschaft: Wer beobachten möchte, wie es zu einer gefährlichen Spaltung der Gesellschaft kommt, kann das – quasi in Zeitlupe – anhand der Schulkarrieren der Kinder in Baden-Württemberg beobachten.»

Mit Blick auf das mäßige Abschneiden baden-württembergischer Kinder bei Bildungstests sagte Trautwein: «Der vielleicht größte Fehler der vergangenen 15 Jahre war es, nicht konsequent auf die veränderte Schülerschaft zu reagieren.»

Der Anteil der Schüler mit Zuwanderungshintergrund sei in zehn Jahren von rund 30 auf rund 50 Prozent gestiegen – das sei nach Bremen der höchste Wert aller Bundesländer. Ihre Lernvoraussetzungen seien schlechter, «und die mittlere Leistung sinkt quasi automatisch, wenn diese Kinder nicht besonders gute Lerngelegenheiten bekommen. Leider hat Baden-Württemberg hier sträflich versagt», sagte er. Anders sehe es etwa in Hamburg aus.

«Manche Probleme kann man mit den Experten lösen, die wir schon haben, bei anderen Dingen müssen wir kurz-, mittel- und langfristig mehr Geld investieren, das ist überhaupt keine Frage», erklärte Trautwein. Den aktuellen Lehrkräftemangel bezeichnete er dem Zeitungsbericht zufolge als «Hypothek der Vergangenheit» und als Schande. «Es wird uns auf Jahre hin massiv erschweren, den Kindern und Jugendlichen das zu bieten, worauf sie ein Recht haben: die bestmögliche Unterstützung für ihr Lernen.»

Richtige Ansätze wie Förderprogramme für Mathematik und Deutsch gebe es schon. Dass Schulen mit besonderen Herausforderungen mehr Geld als andere bekommen sollen, sei ebenfalls gut. Zudem sollten aus Sicht des Experten Kitas in den Blick genommen werden. «Hier muss der spielerische, aber systematische Erwerb der deutschen Sprache bei allen Kindern gelingen. Leider sind wir davon weit entfernt.»

 

Weitere Nachrichten

Nach Jahren der Schonzeit: Landen Bodensee-Felchen bald wieder auf den Tellern?

Sie sind bei Touristen und Fischern beliebt: Felchen gelten am Bodensee als Delikatesse. Weil der Bestand aber immer weiter zurückging, gilt seit Jahren eine Schonzeit. Die steht nun zur Diskussion.

Bahnausflüge mit Nostalgie: Das kostet’s, dahin geht’s

Ob Dampflok-Feeling, Viaduktüberquerung oder 37 Tunnel am Stück – spezielle Bahnen bringen im Südwesten Nostalgie und Ausflugslaune auf die Schiene. Wohin man damit fahren kann und was das kostet.

Brand in Gefängniszelle gelegt – Häftling schwer verletzt

Ein Häftling wird mit schweren Verbrennungen aus einem Gefängnis in eine Klinik gebracht. Feuerwehrleute und Justizbeamte müssen die Flammen zusammen löschen.

Unfall in Karlsruhe: Mann zwischen Bahn und Gleisen eingeklemmt

Ein Mann wollte in Karlsruhe in der Nacht noch seine Bahn erreichen – kurz darauf wird er zwischen Straßenbahn und Gleisbett eingeklemmt. Die Verletzungen sind lebensgefährlich.

Justizministerkonferenz: Paragraf zur Politikerbeleidigung soll eingeschränkt werden

Hass im Netz, Attacken vor Ort: Das Strafgesetzbuch schützt Politiker vor Beleidigungen und übler Nachrede. Geht es nach der Justizministerkonferenz, aber bald nicht mehr alle.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.