News aus Baden-Württemberg
Defizite am ersten bundesweiten Warntag: App Nina streikt

News aus Baden-Württemberg Defizite am ersten bundesweiten Warntag: App Nina streikt

Quelle: Moritz Frankenberg
dpa

Am bundesweiten Warntag, am 10. September 2020 warteten viele Menschen vergeblich auf eine Nachricht auf ihrem Smartphone. Die Warn-App Nina streikt. Allein deshalb habe sich die Übung gelohnt, findet Innenminister Strobl.

Der erste bundesweite Warntag hat am Donnerstag Defizite bei der Warn-App Nina offenbart. Die bereits als «Sirene in der Hosentasche» gepriesene App streikte. Nutzer warteten um 11 Uhr vergeblich auf eine Warnmeldung. Die kam erst verspätet. Auch heulten die Sirenen nicht überall im Südwesten – in einigen Kommunen blieben sie absichtlich still, andere haben gar keine.

Es bestünden noch Defizite, die beim Warntag im nächsten Jahr abgestellt werden würden, sagte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger, bei der zentralen Veranstaltung in Mannheim. Zuvor hatte das BBK mitgeteilt, mit dem Warntag einerseits die Warnverfahren auf Herz und Nieren zu testen und bewusst an die Belastungsgrenze der Systeme zu gehen. Die über das sogenannte Modulare Warnsystem (MoWaS) versendete Warnmeldung sei verspätet zugestellt worden, teilte das Bundesamt in Bonn mit. «Grund dafür ist eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über MoWaS gewesen.»

Erstmals seit der Wiedervereinigung war um 11.00 Uhr ein bundesweiter Probealarm ausgelöst worden. Der sogenannte Warntag dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) stellte angesichts des verspäteten Warntons fest: «Nina hat nicht funktioniert.» Er fügte hinzu: «Deshalb üben wir – schon deswegen hat sich der Warntag gelohnt.» Mit 80 Prozent Handy-Nutzung in Deutschland ist die App ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes, das die Warnung und Information auf allen Kanälen von sozialen Medien über digitale Werbetafeln und Bildschirme an Bahnhöfen bis hin zu Fernsehen und Radio vorsieht. Unger: «Alle Kanäle sind wichtig.»

Er hob die Bedeutung der Sirenen angesichts von Starkregen, Amokläufen oder Terroranschlägen hervor. Auch bei der Corona-Pandemie sei rasche Kommunikation unverzichtbar. «Es wird ungemütlicher werden», resümierte der oberste Bevölkerungsschützer. Deshalb müssten die Menschen schneller gewarnt und anschließend rasch darüber informiert werden, was passiert ist und wie sie sich verhalten sollen. Zur besseren Vorbereitung gehöre, zu wissen, dass ein einminütiger an- und abschwellender Ton Gefahr, eine durchgehender ebenso langer Entwarnung anzeige. Solche Kenntnisse müssten immer wieder aufgefrischt werden, damit man im Ernstfall auf Vertrautes zurückgreifen, angemessen handeln und sich und seine Familie schützen könne. Aber: «Wir wollen niemanden in Angst und Schrecken versetzen.»

Mit dem Ende des Kalten Krieges ist die Zahl der Sirenen nach Ungers Worten von 86 000 Sirenen auf heute noch 30 000 und 40 000 reduziert worden. In Berlin gebe es gar keine mehr. Ein Aufbau im früheren Umfang würde einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Unger: «Sirenen sind nicht billig.»

Im Südwesten heulten sie nicht überall zur Probe. Freiburg verzichtete bewusst auf eine Sirenenprobe, da diese seit vielen Jahren am letzten Samstag im März und Oktober stattfindet, wie die Kommune mitteilte. Die Bevölkerung im Stadtgebiet sei auf diese Tage sensibilisiert. In Göppingen blieben die Sirenen gleichfalls still. Sie wurden außer Betrieb genommen.

Ein Sprecherin des Innenministeriums sagte in Stuttgart «Verschiedene Gemeinden setzen Sirenen zur Warnung der Bevölkerung ein. Nicht alle Kommunen verfügen über Sirenen, andere setzen Sirenen ausschließlich zur Alarmierung der Feuerwehr mit einem anderen Sirenensignal als das Bevölkerungsschutzwarnsignal ein.»

Die zentrale Veranstaltung zum Warntag fand in Mannheim statt, wo laut Innenministerium 20 Prozent der störanfälligen Unternehmen im Südwesten liegen.

 

Weitere Nachrichten

Staatsanwaltschaft setzt Belohnung für Herzen-Sprüher aus

Um «Stolpersteine» in der Heidelberger Innenstadt werden serienweise Herzen gesprüht. Warum womöglich gut Gemeintes dennoch eine Straftat ist.

Achterbahn im Europa-Park: Das sind die Erfinder des "Euro-Mir"-Songs

«Legendär», «Kult», «Hymne des Dreiländerecks»: So beschreiben Fans den Soundtrack einer Achterbahn. Bald soll die Attraktion ersetzt werden - verstummt damit auch der Song mit Ohrwurm-Garantie?

Unterschriften-Protest gegen SWR-Entscheidung: Rettung der "Eisenbahn-Romantik"

Mehr als 32.000 Fans kämpfen mit einer Petition für eine ihrer Lieblingssendungen. Was die Initiatoren kritisieren. Und wie der Sender reagiert.

Diesel-Diebe zapfen Tausende Liter auf Baustellen ab

Über die Osterfeiertage schlagen Diesel-Diebe auf Baustellen zu – und machen Beute im Wert von Tausenden Euro. Wie sie dabei vorgehen und wovon die Polizei ausgeht.

Gibt es bald ein Rudel? Wolfswelpen im Sommer im Nordschwarzwald möglich

Im Nordschwarzwald könnten bald junge Wölfe tapsig durch den Wald tollen – doch bis zu den ersten Bildern müssen sich Beobachter noch gedulden. Was Experten über das neue Wolfspaar verraten.

Nach Kritik: Telekom hat Tübinger Telefonzellen abgebaut

2023 stellte die Telekom ihre bundesweit letzten 12.000 öffentlichen Telefone ab. Doch mancherorts blieb der Elektroschrott stehen. Das empörte Tübingens Rathauschef. Nun hat sich etwas getan.

Saisonbeginn: Wo es Mitte April die ersten Erdbeeren gibt

Nach dem Spargel warten Verbraucher, die auf regionale Kost setzen, sehnsüchtig auf den Beginn der Erdbeersaison. Experten sagen: Den Pflanzen geht es trotz der Kälte zuletzt gut.

22-jährige Autofahrerin stirbt bei Unfall in Ubstadt-Weiher

Schwerer Unfall am Abend: Eine junge Autofahrerin missachtet wohl die Vorfahrt eines anderen Wagens – ein Zusammenstoß endet tödlich.

Unbekannte schlachten drei Ziegen auf Weide im Enzkreis

Grausamer Fund am Ostermontag auf einer Weide bei Mühlacker. Drei Tiere sind weg - und nur noch Schlachtabfälle von ihnen übrig.

Mogeln statt Büffeln: So oft wird in Fahrschulen betrogen

Der Weg zum Führerschein ist mühsam. Zahllose Theoriefragen - und am Ende stehen viele Neulinge mit leeren Händen da. Für den Erfolg wird manch einer zum Betrüger. Kriminelle machen damit Kasse.

Vergleich: Im Süden Deutschlands wird am meisten für Lebensmittel ausgegeben

Viele Lebensmittel sind teurer geworden. Die Ausgaben der Haushalte in Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Regional gibt es Unterschiede.

Mehr als 80.000 Menschen auf der Stuttgart-21-Baustelle

Einmal im Jahr öffnet die Baustelle von Stuttgart 21 ihre Türen für Neugierige. Wann der Bahnhof mal fertig wird, ist weiter völlig unklar. Das bremst das Interesse am Gebäude nicht.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 




Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.