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Defizite der Krankenhäuser erreichen Milliardengrenze

News Defizite der Krankenhäuser erreichen Milliardengrenze

Quelle: Christoph Soeder/dpa/Symbolbild
dpa

Die jüngsten Hilferufe der finanziell schwer angeschlagenen Kliniken sind kaum ein halbes Jahr alt, da sorgen die Krankenhäuser mit neuen Rekordzahlen für Aufsehen. Und für einen weiteren Aufschrei.

Allen Hilferufen, Reformen und Rettungspaketen zum Trotz erreichen die Defizite der baden-württembergischen Kliniken in diesem Jahr erstmals die Milliardengrenze. Das geht aus einer Umfrage der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) hervor.

Allen Hilferufen, Reformen und Rettungspaketen zum Trotz erreichen die Defizite der baden-württembergischen Kliniken in diesem Jahr erstmals die Milliardengrenze. Das geht aus einer Umfrage der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) hervor.

Der Dachverband forderte unter anderem milliardenschwere Mittel aus dem beschlossenen Sondervermögen für Infrastruktur. «Allerdings stehen im Moment viele Schlange», sagte der BWKG-Vorstandsvorsitzende Heiner Scheffold.

Demnach schreiben mindestens 73 Prozent der Kliniken im Land rote Zahlen – und die Verluste privater, freigemeinnütziger und öffentlicher Kliniken steigen von Jahr zu Jahr. Zusammen mit den Defiziten aus den vergangenen beiden Jahren summiere sich das Gesamtdefizit auf mehr als 2,6 Milliarden Euro, sagte Scheffold.

«Um die Kliniken vor einem finanziellen Kollaps zu retten und ein Aus für viele Häuser zu verhindern, müssen ihnen Bund und Land finanziell und massiv unter die Arme greifen», sagte der Landrat des Alb-Donau-Kreises weiter.

Weniger Investitionen der Städte und Kreise möglich

Für öffentliche Träger wie Städte und Landkreise wird es laut BWKG immer schwieriger, die Finanzlücken aus eigener Tasche zu schließen. Meistens gelinge das nur noch auf Kosten von Investitionen etwa beim Nahverkehr, bei Schulen, Straßen und Radwegen.

Nach Angaben ihres Dachverbands müssen die Landkreise in diesem Jahr voraussichtlich annähernd 770 Millionen Euro an Zuschüssen für ihre Krankenhäuser aufbringen. Allein seit 2023 summierten sich diese Unterstützungsleistungen auf über zwei Milliarden Euro, sagte der Präsident des Landkreistags, der Tübinger Landrat Joachim Walter.

«Die Landkreise sind schlicht nicht mehr in der Lage, Krankenhausdefizite in dieser Höhe weiter auszugleichen», erneuerte Walter seine wiederholt geäußerte Kritik am Bund, der noch mehr als das Land in der Pflicht sei.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) forderte mit Blick auf die bereits beschlossenen Pläne zur Neuordnung des Kliniknetzes in Deutschland eine «Reform der Reform», um ein unkontrolliertes Sterben der Kliniken zu verhindern.

Kliniken sehen Bund in der Pflicht

Auch aus Sicht der BWKG trägt vor allem der Bund die Schuld für die finanzielle Lage, weil er die Betriebskosten zu wenig abdecke, obwohl er dafür zuständig sei. Mit dieser Finanzierung deckt eine Klinik einen großen Teil ihrer laufenden Ausgaben ab, etwa die Personalkosten für Ärzte oder Pflegekräfte, die Kosten für Medikamente, Ausgaben für Strom, Wasser und Heizung sowie die Investitionen in Reparaturen und Verpflegung.

Außerdem vergüten Krankenkassen jede Behandlung eines Patienten über eine sogenannte Fallpauschale, die sich nach der Diagnose und dem Behandlungsaufwand richtet.

Unter dem Dach der BWKG sind Hunderte von Trägern mit Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen sowie Pflegeeinrichtungen zusammengeschlossen.

 

 

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