News
Entlassene Staatssekretärin wechselt an Karlsruher Uni

News Entlassene Staatssekretärin wechselt an Karlsruher Uni

Quelle: Lando Hass/dpa
dpa

Die spektakuläre Trennung des hessischen Ministers Mansoori von Staatssekretärin Messari-Becker beschäftigt einen Untersuchungsausschuss. Was sagt der künftige Arbeitgeber der Bauphysik-Professorin?

Die als hessische Staatssekretärin entlassene Bauphysik-Professorin Lamia Messari-Becker folgt einem Ruf an das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Wie die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, übernimmt die Expertin für nachhaltiges Bauen zum 1. April die Professur für energieeffiziente Gebäudetechnik.

In Wiesbaden beschäftigt sich derweil weiterhin ein Untersuchungsausschuss mit Messar-Beckers Entlassung in den einstweiligen Ruhestand. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) hat sich von seiner parteilosen Staatssekretärin nach nur einem halben Jahr spektakulär getrennt.

«Ideale Besetzung»

Ein Sprecher der Karlsruher Hochschule teilte der dpa mit: «Frau Messari-Becker ist für das KIT die ideale Besetzung.» Die Uni habe «nach einer anerkannten Persönlichkeit für die W3-Professur auf dem Gebiet der energieeffizienten Gebäudetechnik gesucht». Zu Messari-Beckers künftigen Schwerpunkten in Forschung, Lehre und Transfer gehören die Themengebiete Energie- und Gebäudetechnik sowie die Entwicklung von klimaangepassten und ressourceneffizienten Gebäuden und Quartieren, ergänzt der Unisprecher.

 

«Vordenkerin 2024»

Messari-Becker, einst vom weltbekannten Thinktank Club of Rome als Mitglied aufgenommen sowie mit dem Preis «Vordenkerin 2024» ausgezeichnet, sagte der dpa, sie freue sich, am KIT «an Lösungen für nachhaltiges Bauen zu arbeiten und meine Tätigkeit als praxisnahe Wissenschaftlerin und in der wissensbasierten Politikberatung wiederaufzunehmen».

Das KIT, ein Zusammenschluss von Universität und Forschungszentrum Karlsruhe 2009, bezeichnet sich mit seinen rund 10 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als «eine der größten Wissenschaftseinrichtungen Europas» mit historischen Wurzeln, die zwei Jahrhunderte zurückreichen.

Konflikt mit Minister

Hessens Wirtschaftsminister Mansoori hat Messari-Becker im Juli 2024 mit der öffentlichen Erwähnung eines privaten, nicht hinnehmbaren «Fehlverhaltens» entlassen, ohne dies je zu erklären. Laut einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Wiesbaden, der der dpa vorliegt, wirft Mansoori ihr vor, in einem Elterngespräch an der Schule ihrer Tochter mit ihrer Position als Staatssekretärin Druck für eine bessere Note beim Abitur ausgeübt zu haben. Messari-Becker bestreitet dies vehement und auch mit anwaltlicher Hilfe.

 

Die Entlassung schlug in der hessischen Landespolitik hohe Wellen. Auf Antrag der Oppositionsfraktionen von Grünen und FDP wurde der Untersuchungsausschuss auf den Weg gebracht. Von dem angeblichen «Fehlverhalten» hatte sich auch die Staatskanzlei von CDU-Ministerpräsident Boris Rhein distanziert: Diesen Begriff habe sie sich nie zu eigen gemacht. Staatssekretäre können indes auch generell von Ministern unter Verweis auf ein gestörtes Vertrauen entlassen werden – ein Grund muss nicht genannt werden.

Nachforschungen in Messari-Beckers Umfeld?

Laut Aktenvermerken des Wirtschaftsministeriums, die im Beschluss des Verwaltungsgerichts zitiert werden, soll Messari-Becker auch anderweitig auf eine Vorzugsbehandlung gedrängt haben, etwa mit dem – vergeblichen – Versuch, den Start eines Flugzeugs zu verzögern, um es noch zu erreichen. Auch dies wies sie als Zeugin im Untersuchungsausschuss als unzutreffende Ergebnisse von Nachforschungen des Ministeriums in ihrem Umfeld zurück.

Messari-Becker, 1973 in Marokko geboren, hatte als Staatssekretärin in Wiesbaden nach eigenen Angaben die Kommission «Innovation im Bau» einberufen, um Vorschläge für Kosteneinsparungen und Bürokratieabbau zu erarbeiten: «Diese lieferte binnen kürzester Zeit Ergebnisse.» In ihre Amtszeit fielen auch der Gesetzentwurf gegen spekulativen Leerstand und die Finanzierungsvereinbarungen mit den hessischen Verkehrsverbünden.

 

Weitere Nachrichten

Nach zweiter Verhandlungsrunde: Warnstreiks in Metall- und Elektroindustrie rücken näher

In der zweiten Verhandlungsrunde legt die Arbeitgeberseite ein Angebot vor. Doch dieses weisen die Arbeitnehmer als unzureichend zurück. Damit dürfte es bald Warnstreiks in Baden-Württemberg geben.

Gruselhaus: Für diese Familie ist Halloween wichtiger als Weihnachten

Für viele gehört Weihnachten zum Höhepunkt des Jahres - für Kim und Wolfram König ist es Halloween. Monate investieren sie in ihr Gruselhaus. Dieses Jahr entführen sie Besucher nach Mexiko.

Krankheit Alzheimer wurde vor 120 Jahren entdeckt: Zahl der Betroffenen steigt

Die Zahl von Menschen mit Demenz nimmt zu - die meisten davon haben Alzheimer. Angehörige von Betroffenen übernehmen den größten Teil ihrer Pflege - und bräuchten selbst mehr Hilfen.

Atommüll-Endlager: Zwei Südwest-Gebiete nicht mehr im Rennen

Die Suche nach einem Atommüll-Endlager geht in die nächste Runde: Die Auswahl der als geeignet bewerteten Gebiete wurde weiter eingegrenzt. Wo liegen die Schwerpunkte in Baden-Württemberg?

Geld Münzen

336 Millionen Euro mehr Steuern - aber trotzdem Lücke im Landeshaushalt

336 Millionen Euro mehr Steuern als erwartet – und trotzdem fehlt Baden-Württemberg Geld im Haushalt 2027. Warum der erwartete Aufschwung den Spielraum der Landesregierung zugleich schrumpfen lässt.

Cyberangriff auf Hochschulen im Land: Das weiß man zum Datenabfluss

Notensysteme und Stundenpläne waren nach dem Angriff offline, Lehrkräfte konnten zunächst nicht bezahlt werden. Die Ermittlungen sind nun vorangekommen und es gibt neue Infos zu der Attacke.



















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.