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Immer häufiger „Potenz-Honig“ abgefangen

News Immer häufiger „Potenz-Honig“ abgefangen

Quelle: Carsten Rehder/dpa
dpa

Nicht nur manche Honige, auch Schokoladen und Kräuterpasten versprechen besondere Wirkungen. Vermehrt fliegen die gefährlichen Lebensmittel auf.

Sie heißen «Horny Performance Chocolate», «Jaguar Power» oder «Secret Miracle Honey» – und versprechen potenzsteigernde Wirkung. Der Zoll zieht immer öfter Lebensmittel mit nicht erlaubten Inhaltsstoffen aus dem Verkehr. Die Zollfahndungsämter München und Hamburg hätten in der Vergangenheit beispielsweise mehr als 13 Tonnen potenzsteigernde Lebensmittel sichergestellt, teilte ein Sprecher der Generalzolldirektion mit. Das Phänomen sei beim Zoll erstmals 2022 aufgetaucht.

Mehr Kontrollen entlarven nicht angegebene Wirkstoffe

Bundesweite Zahlen zu sogenanntem Potenz-Honig und Co. gibt es nicht. Eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, das in Baden-Württemberg landesweit für die Überprüfung der vom Zoll abgefangenen Produkte zuständig ist, berichtete beispielsweise, dass im vergangenen Jahr in 18 Fällen honigartige Pasten untersucht wurden. Im Jahr davor habe es nur drei Vorgänge gegeben.

«Alle Produkte enthielten den nicht deklarierten Wirkstoff Sildenafil und/oder Tadalafil», teilte die Sprecherin mit. Diese Stoffe würden zur Behandlung von Erektionsstörungen bei Männern angewendet. Sie dürften aber eigentlich nur nach Vorlage einer ärztlichen Verschreibung abgegeben werden.

Die Arzneimitteluntersuchungsstelle am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte einem Sprecher zufolge seit 2023 im Auftrag der Arzneimittelüberwachung 56 Proben besagter Produkte, von denen 49 potenzsteigernde Wirkstoffe enthielten. In den Vorjahren seien lediglich vereinzelt solche Untersuchungen erbeten worden. Die Behörde habe die betroffenen Produkte als zulassungspflichtige Fertigarzneimittel eingestuft.

Risiken wie Neben- und Wechselwirkungen

Häufig fehlten Angaben zur Dosierung, erklärte die Sprecherin des Karlsruher Regierungspräsidiums. «Damit ist die Einnahme auch mit einem erheblichen Risiko der Überdosierung verbunden.» Die Inhaltsstoffe seien bei den Produkten regelmäßig nicht angegeben. «Dem Verbraucher bleibt die Zusammensetzung verborgen und er kann daher nicht wissen, mit welchen Nebenwirkungen und Risiken die Einnahme des Produktes verbunden ist.»

Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen am Herz-Kreislauf-System drohten ernste Probleme, hieß es. Auch die Kombination mit bestimmten anderen Arzneimitteln wie Nitraten und Ritonavir aus der Therapie von HIV-Infektionen und Aids sei wegen erheblicher Wechselwirkungen gefährlich.

Keine Gefahr im Supermarkt

Honig, Kräuterpasten und andere mit Potenzmitteln versetzte «Lebensmittel» werden laut Generalzolldirektion überwiegend aus der Türkei nach Deutschland verbracht und stammen aus der Türkei, aus Staaten des Mittleren Ostens oder aus Malaysia.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete und Hobby-Imker Ralf Nentwich aus Baden-Württemberg forderte strengere Kontrollen. Zwar bestehe für Verbraucher keine Gefahr, aus Versehen solche Honige im Supermarkt zu kaufen, sagte er. Die müsse man schon von einer Reise in Ausland mitbringen oder im Internet bestellen. «Aber sie schädigen den Ruf des Honigs.»

 

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