News
Feuerpause im Streit um den Wolf? Richter bitten um Aufschub

News Feuerpause im Streit um den Wolf? Richter bitten um Aufschub

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Es ist ein Hin und Her im Streit um den Abschuss eines Wolfs im Nordschwarzwald. Bis Mitte Februar dürfte die Entscheidung über den «Hornisgrinde-Wolf» nun ruhen. Warum das?

Es ist ein Tauziehen um das Leben des Wolfs aus dem Nordschwarzwald: Während das Umweltministerium die erste Hürde im Rechtsstreit um den umstrittenen Abschuss des Tieres genommen hat und die Jäger jederzeit losschicken könnte, wollen die Naturschützer nicht aufgeben und ziehen erneut vor Gericht.

Nun scheint es im Streit um das Schicksal des Tieres eine Art Feuerpause zu geben. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg hat das Ministerium um Geduld bis Mitte des Monats gebeten. Der Grund: Beim VGH als nächsthöhere Instanz sind nach Angaben einer Sprecherin zwei Beschwerden gegen die jüngste Entscheidung des Verwaltungsgerichts (VG) Stuttgart zum «Hornisgrinde-Wolf» eingegangen.

Zwar seien die Beschwerden noch nicht begründet worden, sagte eine VGH-Sprecherin. Das Ministerium sei aber gebeten worden, bis zum 16. Februar mit dem Abschuss zu warten. Eine Reaktion des Hauses steht noch aus.

 

Verwaltungsgericht wies Klage ab

Am Donnerstag hatte das VG Stuttgart den Wolf zum Abschuss freigegeben, weil sich dieser zu oft Menschen genähert habe. Er hatte damit die Entscheidung von Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) bekräftigt und eine Klage der Naturschutzinitiative (NI) abgewiesen.

«Menschen sind zwar bislang noch nicht in Gefahr geraten», hatte der VG argumentiert. «Es gibt aber weder wissenschaftliche Erkenntnisse noch Praxiserfahrungen, dass dies bei dem gezeigten Wolfsverhalten auch weiterhin so bleibt.» Im Gegenteil: Es müsse vielmehr stets damit gerechnet werden, dass sich das Verhalten des Wolfs ändere. Der Wolfsrüde mit der Kennung GW2672m darf somit laut Gericht «ab sofort» gejagt und erlegt werden.

Das Umweltministerium hält sich mit Informationen zum sogenannten Entnahmeteam streng zurück. Ein Sprecher sagte lediglich, das professionelle Team werde «zeitnah tätig werden müssen», weil weitere und möglicherweise gefährliche Begegnungen mit Menschen drohten. Am Wochenende werde es aber nicht tätig, hatte er betont. Es seien zu viele Ausflügler in der Nationalpark-Region unterwegs.

 

Ein Wolf ohne Scheu

Das Umweltministerium hatte sich nach eigenen Angaben nicht nur wegen des Verhaltens des Tieres für einen solchen Schritt entschieden. Vielmehr habe sich rund um den Wolf ein regelrechter Wolfstourismus entwickelt: Spaziergänger und Fotografen hätten gezielt versucht, den Wolf anzulocken.

Nach einer Statistik des Ministeriums soll sich der Wolf mit der Kennung GW2672m auch in jüngster Zeit wieder häufiger und näher an Menschen herangetraut haben. Es habe in der laufenden Ranzzeit – also in der Paarungszeit – weiterhin kritische Begegnungen gegeben. Darunter seien im Januar auch Sichtungen mit einem Abstand unter zehn Metern gewesen, sagte der Sprecher des Ministeriums der «Badischen Zeitung».

Seit 2024 wurden insgesamt über 180 Sichtungen dokumentiert. In nahezu jedem zweiten Fall hatte ein Mensch einen Hund mit dabei. Experten gehen davon aus, dass der Wolf mangels Artgenossinnen an Hündinnen interessiert ist und erkannt hat, dass diese häufig von Menschen begleitet werden.

 

Naturschützer warnen vor Folgen

Die Naturschutzinitiative hatte hingegen in ihrer Klage auf die geringe Wolfspopulation im Südwesten verwiesen. Derzeit gelten vier männliche Tiere als sesshaft. Der Abschuss eines Wolfs entspreche einem Viertel der bekannten Population und könne den Erhaltungszustand der Art gefährden – ein Verstoß gegen EU-Vorgaben.

Das VG war dieser Argumentation nicht gefolgt. Der Erhaltungszustand der Wolfspopulation verschlechtere sich durch die Tötung eines einzelnen Tieres nicht, entschieden die Richter. Eine positive Entwicklung sei ohnehin nur denkbar, wenn weitere Tiere zuwanderten. Denn bislang sind alle sesshaften Wölfe männlich, ein Rudel kann daher nicht aufgebaut werden.

 

Rückkehr mit Konflikten

In Baden-Württemberg leben erst seit rund zehn Jahren wieder Wölfe. Für Aufmerksamkeit sorgten zuletzt Aufnahmen aus Forbach, auf denen zwei Tiere zu sehen waren – ein mögliches Zeichen für eine beginnende Rudelbildung.

 

Weitere Nachrichten

Mutmaßlicher Drogendealer bunkert eine Million Euro Bargeld im Kreis Karlsruhe

Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Oberhausen-Rheinhausen stößt die Polizei auf eine Million Euro Bargeld und Drogen. Was die Ermittler sonst noch fanden.

Erste Hürde genommen – Europa-Park will siebtes Hotel bauen

Bis zu 350 Zimmer mehr: Es gibt grünes Licht für die Planung rund um Deutschlands größten Freizeitpark. Warum Besucher aber noch Geduld brauchen.

Laut Studie: Männer hören Frauen im Landtag weniger aufmerksam zu

Dass Abgeordnete häufig mal aufs Handy schauen, kennen Beobachter des Landtags. Offenbar mache es aber einen gewissen Unterschied, ob vorne eine Frau oder ein Mann redet, wie eine Studie nun nahelegt.

Karlsruher Schloss wird saniert: Wie das Badische Landesmuseum umzieht

Das Badische Landesmuseum muss ins Depot, weil das Karlsruher Schloss saniert wird. Das ist mit einigen Herausforderungen verbunden. Ein Blick hinter die seit Ende September verschlossene Kulisse.

BBBank in Karlsruhe meldet Rekordergebnis nach Fusion mit PSD Bank

Die BBBank gewinnt 36.000 neue Kunden und steigert ihren Gewinn deutlich. Für das laufende Jahr ist bereits die nächste Fusion geplant.

Schaufenster durch Brand zerstört – 150.000 Euro Schaden in Karlsruhe

Unbekannte setzen in Karlsruhe Plastiksäcke vor einem Modegeschäft in Brand. Die Flammen verursachen einen Schaden von 150.000 Euro – die Polizei bittet um Hinweise.






















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.