KSC Die blau-weiße meinKA-Interview-Reihe: 7 Fragen mit Marcel Franke
In unserer blau-weißen Interview-Reihe „7 Fragen mit…“ werfen wir einen Blick hinter die KSC-Kulissen. Dabei sprechen wir mit den Spielern über die aktuelle Situation und persönliche Themen, um die Spieler näher kennenzulernen. Heute im Fokus: Marcel Franke.
meinKA: Du kamst aus einer Verletzung und bist seit dem Winter wieder fest integriert, wie war es für dich persönlich seit deinem Comeback?
Marcel Franke, KSC-Innenverteidiger: „Ja, ich bin da klar und selbstkritisch mit mir. Nachdem ich von meiner Verletzung zurückgekommen bin, war die Phase bis Weihnachten schwierig – auch in Bezug auf meine eigenen Leistungen. Ich war sehr unzufrieden mit mir, weil ich an vielen Gegentoren beteiligt war und habe der Mannschaft nicht die Stabilität gegeben, die ich ihr vielleicht in früheren Phasen oder auch über einen längeren Zeitraum hinweg gegeben habe.
Deswegen muss ich ehrlich sagen: Die Pause Ende Dezember kam mir wirklich entgegen. Da wurde noch einmal alles auf null gestellt. Seitdem sind meine Leistungen wieder deutlich konstanter. Überragend ist es noch nicht, das weiß ich auch, aber es geht wieder in die richtige Richtung. Die Verletzung hat zu dem Zeitpunkt natürlich wehgetan, das soll aber keine Ausrede sein. Man kann auch anders zurückkommen, als ich es damals getan habe. Trotzdem bin ich froh, dass ich langsam wieder der Alte bin.“
meinKA: Ihr habt aktuell die drittschwächste Abwehr der Liga, wie erklärt ihr euch das?
Marcel Franke: „Wenn ich zum Beispiel an das Spiel in Nürnberg denke und das mit Kiel vergleiche, sieht man schon Unterschiede – wie griffig wir waren, wie wir herausverteidigt haben. Wenn ich an Kobi oder Steph denke, wie sie nach vorne verteidigt und die Gegner immer wieder unter Druck gesetzt haben und wie wir als Mannschaft insgesamt marschiert sind – auch in schwierigen Phasen, die wir gegen Kiel überstehen mussten. Wir hatten nicht 90 Minuten den Ball, sondern mussten viel verteidigen. Aber die Art und Weise war eine andere als zum Beispiel in Nürnberg.
Ich glaube, das zieht sich schon seit Jahren ein Stück weit durch: Wenn wir nicht bei 100 Prozent sind und einfache Fehler nicht abstellen, bekommen wir Probleme. Im November habe ich mehrere Elfmeter verursacht, wir haben einfache Gegentore kassiert. Gegen Elversberg verliere ich am Sechzehner den Ball – da musste der Gegner nicht viel machen, wir haben viel selbst dazu beigetragen. Am Ende müssen wir es als Mannschaft regeln. Eine Zeit lang haben wir das nicht geschafft, ob es am fehlenden Selbstvertrauen lag oder woran auch immer. Diese defensive Stabilität hat uns über einen längeren Zeitraum gefehlt. Und dann holst du in solchen Spielen eben nichts, weil du dich nicht immer darauf verlassen kannst, dass die Stürmer jedes Mal fünf Tore schießen. Uns muss das Verteidigen wieder Spaß machen. Am Wochenende hat man das gesehen: Wenn einer raus schiebt und dem Gegner wehtut, dann sind wir eine unangenehme Truppe. Dann sind wir nicht die Mannschaft, die nur zuschaut, sondern die, über die sich der Gegner oder Trainer nach dem Spiel beschwert, weil wir vielleicht etwas zu hart zugepackt haben. Aber lieber so und weniger Gegentore kassieren, als jedes Mal nur danebenstehen.“
meinKA: Ihr konntet auch personell bedingt wieder auf eine Fünferkette umstellen – gibt euch das die notwendige Stabilität?
Marcel Franke: „Im November und Dezember haben wir auch mit Fünferkette gespielt. Es ist also die Frage, wie man sie spielt. Wenn wir es als Mannschaft und mit einer gewissen Aggressivität spielen, bringt es uns etwas so wie im letzten Jahr, als wir wieder in die Spur gefunden haben. Ich würde aber nicht sagen, dass wir keine Viererkette spielen können. Das haben wir in der ersten Halbzeit gegen Hertha oder in Teilen gegen Düsseldorf gezeigt, auch in Münster haben wir es ordentlich gemacht. Wir können beides. Aber wenn Rappo jetzt zurückkommt und wir viele Spieler haben, die Innenverteidiger oder auf der Sechs spielen können, wird es interessant, die richtige Mischung zu finden.
Ich glaube schon, dass die Dreierkette einzelnen Spielern hilft. Wenn ich Kobi nehme: Seit wir Dreierkette spielen, hat er sehr gute Spiele gemacht. Er war für mich schon immer ein starker Innenverteidiger, aber es hilft noch jemanden mehr hinter sich zu wissen. Man kann eher raustreten, weil man weiß, dass hinten noch abgesichert wird. Wenn wir allerdings mit fünf Mann auf einer Linie stehen und die anderen davor nur verschieben lassen, wird es schwierig. Verteidigen wir jedoch aktiv nach vorne, hat das System einen klaren Nutzen. Am Wochenende war das sehr stabil – aber das war nur ein Spiel. Jetzt müssen wir das bestätigen.“

| Quelle: aim
„Diese Energie hatten wir 90 Minuten lang und das muss unser Standard sein.“
meinKA: Gegen Kiel habt ihr ein anderes Gesicht als die Spiele zuvor gezeigt. Wie habt ihr diese Leidenschaft wieder auf den Platz gebracht?
Marcel Franke: „Unter der Woche haben wir viele Gespräche geführt, auch ehrliche. Es gab eine Trainingseinheit, die nicht gut lief und danach haben wir uns klar die Meinung gesagt. Manchmal tut das gut. Zu viel Reden bringt nichts, aber manchmal müssen Dinge offen angesprochen werden. Wir haben noch viele Spieltage vor uns, aber wir müssen jetzt unsere Leistung auf den Platz bringen – nicht erst Ende April oder Anfang Mai. Das hat uns zusammengeschweißt und auch die Fans haben uns wachgerüttelt. Nach Nürnberg sind knapp 3.000 mitgereist – dafür müssen wir dankbar sein. Jedem war bewusst, worum es geht. Vielleicht hat das zusätzliche Kräfte freigesetzt. Ich erinnere mich, wie Burnic nach zehn Sekunden an der Außenlinie ein Zeichen gesetzt und die Fans mitgenommen hat. Das ging durch die Mannschaft. Diese Energie hatten wir 90 Minuten lang und das muss unser Standard sein.“
meinKA: Wie gehst du mit Druck um? – Denn gerade das letzte Spiel stand ja besonders im Fokus.
Marcel Franke: „Man muss eine gesunde Mitte finden. Nach dem Spiel ist bei mir etwas Druck abgefallen. In solchen Situationen wird viel von erfahrenen Spielern erwartet. Unsere jungen Spieler können nicht den Laden zusammenhalten, das müssen wir Älteren machen. Eiche hat viel auf sich genommen, uns geschützt und immer wieder den Kopf hingehalten. Er leistet hier seit sechs Jahren gute Arbeit und muss sich nach schwachen Leistungen von uns vor der Kamera rechtfertigen. Jeder wusste, worum es geht. Druck gehört dazu. Aber wir haben uns gesagt, dass der wirkliche Druck im Mai kommt, wenn es ums Eingemachte geht und in der Zwischenzeit sollten wir befreit aufspielen. Wichtig war, wieder Selbstvertrauen zu gewinnen und gleichzeitig die Sinne zu schärfen. So kam vieles zusammen und am Ende stand eine richtig gute Mannschaftsleistung.“
meinKA: Ist Kwon mit seiner Spielweise vor der Abwehr vielleicht ein Schlüssel für mehr Stabilität und Kampfgeist in eurem Spiel?
Marcel Franke: „Ohne den anderen zu nahe treten zu wollen: Wäschenbach, Burnic, Müller und bald auch wieder Rapp machen das gut. Aber Kwon hat in seinem ersten Spiel gezeigt, was er kann. Er war sehr motiviert, vielleicht sogar etwas übermotiviert. Er bringt Schärfe rein, holt sich die Bälle ab, ist im Spielaufbau präsent und bringt körperliche Präsenz mit. Die 55 bis 60 Minuten, die er gespielt hat, waren sehr ordentlich. Wir hoffen natürlich, dass er das in den nächsten Wochen bestätigen kann.“
meinKA: Am Sonntag müsst ihr in Magdeburg zur „Schießbude“ der Liga. Was für ein Spiel erwartest du?
Marcel Franke: „Ein schweres Spiel. Magdeburg steckt auch mit im Abstiegskampf drin. Gegen Schalke haben sie zwar fünf Tore kassiert, auf der anderen Seite aber offensiv richtig stark gespielt. Wir mussten die letzten Jahre in Magdeburg immer viel und leidenschaftlich verteidigen. Wir müssen das aus der letzten Woche gegen Kiel mitnehmen und uns wieder in alle Zweikämpfe reinhauen. Wenn wir das an den Tag legen, können wir auch in Magdeburg bestehen und hoffentlich drei Punkte mit nach Hause nehmen.“