News aus Baden-Württemberg
Gewalt an Bahnhöfen in Baden-Württemberg steigt sprunghaft an

News aus Baden-Württemberg Gewalt an Bahnhöfen in Baden-Württemberg steigt sprunghaft an

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Bahnhöfe, das zeigt die Statistik, sind seit jeher keine ungefährlichen Orte. Aber zuletzt ist die Kriminalität an diesen Verkehrsknotenpunkten in Baden-Württemberg regelrecht explodiert – egal ob es um Diebstahl geht, um Sachbeschädigungen oder um Gewalt.

Die Gewalt an Bahnhöfen in Baden-Württemberg ist zuletzt sprunghaft angestiegen. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach stieg die Zahl der Gewaltdelikte an den Bahnhöfen im Südwesten im vergangenen Jahr um 42 Prozent auf 2538 Fälle. Die Zahl der Eigentumsdelikte wuchs im selben Zeitraum sogar um rund 93 Prozent, wie das Ministerium unter Berufung auf Zahlen der Bundespolizei berichtet. Am häufigsten kommt es demnach am Stuttgarter Bahnhof zu Gewaltdelikten.

Das Bundesinnenministerium verweist auf das Auslaufen der Corona-Regeln. Aber auch verglichen mit der Zeit vor der Pandemie stieg die Zahl der Gewaltdelikte enorm an – von 1971 Fällen im Jahr 2019 auf die besagten 2538 Fälle 2022. Eine Erklärung dafür hatte die Bundespolizei auf Anhieb nicht. Auch Eigentumsdelikte, Sexualdelikte und Drogendelikte stiegen verglichen mit der Vor-Corona-Zeit.

Die Kriminalität an den Bahnhöfen im Land nahm in allen Bereichen deutlich zu. Sachbeschädigungen wuchsen um 23 Prozent auf 4952 Delikte, Sexualdelikte stiegen um 5 Prozent auf 214 Delikte, Drogendelikte um 16 Prozent auf 1790 und Waffendelikte um knapp 12 Prozent auf 94 Delikte. «Insgesamt ist zu konstatieren, dass nach Auslaufen der Mehrzahl der pandemiebedingten Auflagen, mit Ausnahme der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in Teilen des öffentlichen Personenverkehrs, nahezu in allen Deliktsbereichen eine steigende Anzahl von Straftaten zu verzeichnen ist», schreibt das Bundesinnenministerium zur Entwicklung.

Der AfD-Abgeordnete und langjährige Polizist Hess führt die zunehmende Kriminalität auf «unkontrollierte Zuwanderung» zurück. Er fordert ein «verlässliches Lagebild über die Hintergründe der zunehmenden Gewalt». «Es ist übrigens im höchsten Maße widersprüchlich, die Bürger in Züge zwingen zu wollen, dann aber nicht für ihre Sicherheit sorgen zu können oder zu wollen», sagte er.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht angesichts der «alarmierenden» Zahlen dringenden Handlungsbedarf. «Wir brauchen in erster Linie mehr Polizeistreifen in den Zügen», sagte Landeschef Ralf Kusterer. «Das bedeutet konkret: Drei Beamte, einer davon idealerweise mit Bodycam, die auf ausgewählten Strecken durch den Zug gehen. Zurzeit passiert das leider jedoch nur sporadisch. Mit dem momentanen Personal bei der Bundespolizei kann dies einfach nicht geleistet werden.» Die Gewerkschaft fordert mehr Sicherheitskräfte für den Bahnbereich. «Bereits für 2022 haben wir 3500 zusätzliche Planstellen allein für die Bundespolizei im Bahnbereich gefordert», sagte Kusterer. «Passiert ist bis dato nichts.»

Stuttgart ist mit 286 Fällen der Bahnhof mit den meisten Gewaltdelikten, noch vor den Bahnhöfen in Mannheim (180) und Freiburg (156). Mannheim hingegen führt die Negativ-Liste bei den Drogendelikten (274), den Eigentumsdelikten (368) und den Waffendelikten (15) an. Bei den Sexualdelikten führt der verhältnismäßig kleine Bahnhof im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt mit 8 Fällen die Liste an. Der Stuttgarter Bahnhof verzeichnet täglich im Schnitt 255 000 Reisende, der Mannheimer 118 000 und Bad Cannstatt 62 000.

46 Bundespolizisten wurden laut Bundesministerium im Jahr 2022 bei Angriffen an Bahnhöfen verletzt, im Vorjahr waren es noch 34. Mitarbeiter der Deutschen Bahn wurden im Dienst im vergangenen Jahr 266 Mal attackiert. Der Antwort auf die Anfrage zufolge wurden im vergangenen Jahr zudem 12 Fälle erfasst, bei denen Menschen auf die Gleise gestoßen wurden. 57 Mal wurden an Bahnhöfen im Südwesten Fahrkartenautomaten aufgebrochen. Die Bundespolizei verzeichnete außerdem 53 Gewaltdelikte mit Messern.

«Die Bahnhöfe sind sicherer als der überwiegende öffentliche Raum – und das obwohl bundesweit an Bahnhöfen Millionen Menschen zusammenkommen», teilte eine Bahnsprecherin mit. Gemeinsam mit bundesweit knapp 5500 Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei würden rund 4300 Sicherheitskräfte rund um die Uhr Bahnhöfe und Züge bestreifen. In Summe seien zurzeit zudem rund 9000 Kameras an etwa 800 Bahnhöfen installiert. «Im Bahnhof und im Bahnhofsumfeld werden all jene Konflikte ausgetragen, die auch auf Plätzen, in Parkanlagen, in öffentlichen Einrichtungen und auf Straßen überall in Deutschland stattfinden», betonte die Sprecherin. «Wir haben es zunehmend mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem im gesamten öffentlichen Raum zu tun. Der Druck innerhalb der Gesellschaft wächst, damit nehmen auch Anspannung und Respektlosigkeiten zu.»

 

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