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Grundschulempfehlung: Leistungstest Kompass 4 steht an – Das hat das Land geändert

Nachrichten Grundschulempfehlung: Leistungstest Kompass 4 steht an – Das hat das Land geändert

Quelle: Bernd Weißbrod/dp
dpa

Im vergangenen Jahr gab es nach der ersten Ausgabe von Kompass 4 massive Kritik. In diesem Jahr soll alles besser laufen. Wie der Test dafür überarbeitet worden ist.

Nach der umstrittenen ersten Ausgabe im vergangenen Schuljahr steht auch in diesem Jahr für gut 100.000 Viertklässlerinnen und Viertklässler der Leistungstext Kompass 4 an. Am Mittwoch fand der Test im Fach Deutsch statt, am Donnerstag steht Mathematik auf dem Plan.

Der Test ist ein Kriterium der verbindlicheren Grundschulempfehlung, die für die derzeitigen Fünftklässler erstmals zur Anwendung kam. An Stelle des reinen Elternwillens steht nun ein Modell aus drei Komponenten: Lehrerempfehlung, Leistungstest und Elternwunsch. Stimmen zwei aus drei überein, gibt das den Ausschlag. Wollen die Eltern ihr Kind dennoch entgegen der Empfehlung aufs Gymnasium schicken, muss das Kind einen weiteren Test absolvieren. Verbindlich ist die Empfehlung allerdings nur für das Gymnasium.

Im vergangenen Jahr gab es um die erste Ausgabe des Leistungstests heftige Debatten. Eltern- und Lehrerverbände monierten, dass die Fragen vor allem in Mathematik deutlich zu schwer gewesen waren. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) hatten deswegen Überarbeitungen des Tests in Aussicht gestellt.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg begrüßte die Anpassungen der Tests zwar, hält das ganze Verfahren aber weiterhin für «bildungspolitischen Unsinn». «Kein Kind wird durch die Tests klüger, Kinder werden unter Druck gesetzt, was gutes Lernen verhindert statt zu motivieren», sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Auch sei der Verwaltungsaufwand viel zu hoch. Laut ersten Rückmeldungen von Eltern, Schülern und Lehrkräften zum Kompass 4 Test in Deutsch hätten die Aufgaben aber von den Kindern bewältigt werden können.

Fragen vorab getestet

Den diesjährigen Test hat das für die Erstellung zuständige Institut für Bildungsanalysen (IBBW) neu aufgebaut und vor allem vorab konkret getestet. 2.700 Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen testeten Ende des vergangenen Schuljahrs an 57 Grundschulen die neuen Aufgaben des Kompass 4. Im vergangenen Jahr gab es solche Tests aus Zeitmangel nicht. Auch wurde getestet, ob die Zeit für die Lösung der Aufgaben ausreicht.

Bei den Aufgaben haben die Macher darauf geachtet, dass Teilaufgaben auch unabhängig voneinander gelöst werden können und pro Aufgabe nur eine konkrete Kompetenz abgefragt wird. Zudem sollen auch Schüler auf schwächerem Niveau Aufgaben lösen können. Rund die Hälfte der Fragen ist deswegen auf grundlegendem Niveau, je ein Viertel auf mittlerem und auf erweitertem Niveau.

Kein landesweites Grundschulabitur

Außerdem hat das Ministerium den Schulen die Durchführung des Tests etwas erleichtert. So müssen diese nicht mehr wie im vergangenen Jahr zwingend um 9.00 Uhr mit dem Test starten, sondern können das zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr tun. So will das Ministerium verhindern, dass die Schüler wegen ungewohnter Startzeiten unruhig werden und der Eindruck eines landesweiten Grundschulabiturs entsteht.

Ministerpräsident Kretschmann riet allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Gelassenheit. «Ich will alle beruhigen, die etwas aufgeregt da hineingehen», sagte der Regierungschef. Der Kompass 4 solle nicht aussieben, sondern sei eine zusätzliche Chance neben der pädagogischen Empfehlung der Lehrkräfte und dem Potenzialtest.

 

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