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Handyverbot an Schulen? Schüler pochen auf Fairness für alle

News Handyverbot an Schulen? Schüler pochen auf Fairness für alle

Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
dpa

Weil fast jeder Schüler ein Handy in der Tasche hat und in der Schule abgelenkt sein könnte, sollen strengere Regeln durchgesetzt werden. Moment mal, sagen nun Schüler. Und fordern faire Bedingungen.

In der Diskussion über Handyregeln an Schulen verlangen Schülerinnen und Schüler mehr Gleichbehandlung: Wenn sie ihre Smartphones im Unterricht nicht nutzen dürfen, sollen auch Lehrkräfte darauf verzichten. «Regeln für das Smartphone müssen für alle an der Schule gleichermaßen gelten», sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirats in Baden-Württemberg, Joshua Meisel, in Stuttgart. «Es gibt keinen Grund, warum Lehrkräfte ihr Handy während der Arbeitszeit privat nutzen dürfen.»

Für Meisel und den Schülerbeirat geht es dabei nicht nur um Verbote, sondern um Fairness und Vorbilder. «Wer eine Maßnahme von oben herab durchsetzt, ohne sich selbst daran zu halten, wird dafür wenig Akzeptanz gewinnen», sagte er. Wer den Missbrauch von Handys im Unterricht eindämmen wolle, müsse mit gutem Beispiel vorangehen. «Und wenn es ein Lehrer nicht schafft, die Schülerinnen und Schüler mit seinem Unterricht mitzunehmen, dann wird er das auch mit einem Handyverbot nicht schaffen.»

 

Gewerkschaft widerspricht entschieden

Die Bildungsgewerkschaft GEW hält dagegen. «Unsinn» sei es, Handys komplett aus Schulen zu verbannen, sagte die Landesvorsitzende Monika Stein. Ein solches Vorgehen sei realitätsfern.

Als Beispiel verwies sie auf den Amoklauf von Winnenden 2009: Damals habe der schnelle Kontakt zwischen Lehrkräften und Polizei wohl Schlimmeres verhindert. Regeln zum Umgang mit Handys und sozialen Medien gebe es an vielen Schulen bereits. Wichtig sei, sie weiterzuentwickeln, statt pauschale Verbote auszusprechen.

Der Landesschülerbeirat fordert seinerseits eine breitere Diskussion. Meisel kritisierte, bislang würden Smartphones und soziale Medien einseitig für psychische Probleme bei Jugendlichen verantwortlich gemacht. Andere Ursachen blieben dabei außen vor. Statt nur über Einschränkungen zu sprechen, müsse die Politik das größere gesellschaftliche Problem angehen: Kindern und Jugendlichen werde zu wenig angeboten, sodass das Handy oft zur wichtigsten Freizeitbeschäftigung werde.

 

Politik will strengere Vorgaben

Die grün-schwarze Landesregierung hatte bereits im Juni eine Änderung des Schulgesetzes auf den Weg gebracht. Künftig sollen sich alle Schulen im Land in ihren Haus- und Schulordnungen eigene Regeln für den Umgang mit privaten Geräten geben. In einer Formulierungshilfe des Kultusministeriums für Grundschulen heißt es klar: «Die Benutzung mitgebrachter privater digitaler mobiler Endgeräte ist grundsätzlich verboten.»

Die GEW empfiehlt jedoch, zunächst die Umsetzung in den rund 4.500 Schulen abzuwarten. Erst danach solle geprüft werden, welche Folgen die neuen Regeln haben und wo nachgebessert werden müsse.

 

Auch Hagel und Özdemir preschen vor

Unterdessen wird die Debatte auch politisch weiter angeheizt. CDU-Landes- und Fraktionschef Manuel Hagel schlug jüngst ein generelles Handyverbot während des Unterrichts vor – und damit ein deutlich strengeres Vorgehen, als es das Kultusministerium bislang plant. «Es bleibt unser Ziel, ins Gesetz zu schreiben, dass Handys im Unterricht nichts verloren haben», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir hatte sich eingeschaltet und mit einem Vorstoß für Aufmerksamkeit gesorgt: Er plädierte dafür, soziale Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu verbieten.

 

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