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Hilfe für traumatisierte Geflüchtete: Finanzierung steht auf wackligen Beinen

News Hilfe für traumatisierte Geflüchtete: Finanzierung steht auf wackligen Beinen

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
dpa

Traumatisierte Geflüchtete finden in sogenannten Psychosozialen Zentren Hilfe. Aber die Plätze sind rar und die Finanzierung ist oftmals wackelig.

Die Finanzierung der Psychosozialen Zentren (PSZ) im Land, die sich um traumatisierte Geflüchtete kümmern, steht oft auf wackeligen Beinen. Die Mittel würden zunehmend weniger, sagte Torsten W. Licker vom Psychosozialen Behandlungszentrum für Überlebende traumatischer Gewalt (PBV) in Stuttgart.

An dem Standort werden seinen Angaben zufolge zwischen 450 und 500 Menschen jährlich betreut. Die Wartezeiten mit etwa neun Monaten seien leider lang und Fachkräfte rar. «Die zunehmend knapper werdende Ausstattung mit Mitteln macht es umso schwerer, gute Fachkräfte langfristig an uns zu binden», erklärte er.

Psychosoziale Zentren klagen über schwierige Finanzierung

Der Vorreiter der PSZ im Südwesten, das Behandlungszentrum für Folteropfer in Ulm (BFU), sieht die Finanzierung ebenfalls mit Sorge. «Wir wünschen uns zumindest, dass die Gelder nicht weniger werden», sagte BFU-Leiterin Noémi Cappellotto.

Das BFU war vor 30 Jahren gegründet worden und ist damit das älteste der aktuell neun Zentren im Land. Wie die anderen auch, finanziert es sich hauptsächlich aus Landes- und Bundesmitteln und Geldern der Landkreise, für die es zuständig ist, sowie Spenden. Auch Kirchen und EU-Gelder sind oft mit im Boot.

Die Unterversorgung sei trotz dieser Unterstützung erheblich, sagte eine Sprecherin des PSZ Nordbaden. Der Träger des Zentrums, die Opferschutzinitiative BIOS, müsse für das laufende Jahr einen Fehlbetrag von rund 200.000 Euro aus Eigenmitteln finanzieren. Da Gelder nur für kurze Fristen gewährt würden, sei eine längerfristige Planung nur sehr eingeschränkt möglich.

Abrechnung über Krankenkassen nicht möglich

Bei Refugio Villingen-Schwenningen sieht es ähnlich aus. Rund 700.000 Euro jährlich würden für die Arbeit dort benötigt, sagte Geschäftsführerin Astrid Sterzel. Landes- und Bundesmittel gingen aber zurück. Etwa 20 Prozent des Finanzbedarfs würden vom Land übernommen. «Wir wünschen uns eine Strukturfinanzierung, die verlässlich ist und nicht nur 20 Prozent unseres Haushalts umfasst», sagte sie. Refugio dürfe nicht über die gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Und die Kosten für Dolmetscher seien beträchtlich.

Das Land gibt Worten des Sozialministeriums zufolge für die PSZ im Südwesten gut zwei Millionen Euro pro Jahr aus. «Die Landesförderung hat sich in den vergangenen sieben Jahren fast verdreifacht», betonte ein Sprecher. Er verweist zudem auf das auf zwei Jahre angelegte und mit 3,7 Millionen Euro geförderte Projekt «BW schützt! -Traumarehabilitation für Geflüchtete», das sich seit 2023 an Menschen in der vorläufigen Unterbringung richtet. «Aufgrund der positiven Erfahrungen des Projekts wird derzeit eine Verlängerung und Ausweitung auf weitere Standorte geprüft», sagte der Sprecher.

Zahlen zu traumatisierten Geflüchteten gibt es nicht

Wie viele Geflüchtete Jahr für Jahr wegen Traumata behandelt werden, dazu gibt es laut Sozialministerium keine Zahlen. Der Bedarf ist nach Sterzels Worten riesig, 95 Prozent der Bedürftigen erhielten keine Hilfe. Beim PSZ Refugio Stuttgart müssten drei Viertel der Anfragen abgelehnt werden, sagte die dortige Vorständin Ulrike Schneck. Die größte Gruppe der Hilfesuchenden komme aus Afghanistan und der Türkei.

Auf eine Sache legen die Zentren vor dem Hintergrund politischer Diskussionen nach Attentaten oder über Flüchtlingskriminalität allgemein Wert: Wenn Geflüchtete aufgrund von im Heimatland, während der Flucht oder im Zufluchtsland erlittenen Traumata aggressiv werden, dann richte sich diese Aggression meistens gegen sich selbst. «Frust und das, was Gewalt auslösen kann, das geht meistens nach innen», sagte auch Cappellotto.

 

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