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Inklusion an Schulen – So sehen Theorie und Praxis aus

Nachrichten Inklusion an Schulen – So sehen Theorie und Praxis aus

Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
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Den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung finden die meisten Lehrkräfte richtig – in der Praxis hapert es aber häufig, zeigt eine neue Umfrage.

Seit einigen Jahren haben Eltern von Kindern mit Behinderung die Wahl: Sollen diese in einer Förderschule unterrichtet werden oder gemeinsam mit nicht behinderten Kindern an einer Regelschule? Grundsätzlich kommt die Inklusion an den Schulen im Land einer Umfrage zufolge gut an – in der Praxis hapert es aber den Lehrkräften zufolge häufig an Personal oder Ausstattung.

Wie ist die rechtliche Ausgangslage?

Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben auch in Deutschland seit 2009 das Recht auf inklusive Bildung, also den Anspruch, in Regelschulen zusammen mit nicht behinderten Kindern unterrichtet zu werden. Grundlage ist die UN-Behindertenrechtskonvention, die eine gleichberechtigte Teilhabe anstrebt und Ausgrenzung verhindern will.

Schüler mit Behinderungen sollen mehr Chancen und Förderung bekommen, ihre nicht behinderten Altersgenossen in ihrem sozialen Lernen profitieren. Ziel ist es, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen, Toleranz zu steigern.

Wie sieht es im Südwesten aus?

In Baden-Württemberg sieht das Schulgesetz nach Angaben des Kultusministeriums vor, dass Eltern von Kindern mit Behinderung ein Wahlrecht hinsichtlich des Lernortes haben. Lege das zuständige Schulamt fest, dass das Kind Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot hat, dann könnten die Eltern wählen, ob dieser Anspruch inklusiv – also gemeinsam in einer Klasse mit Kindern ohne Behinderung – oder an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) eingelöst werden soll, so ein Sprecher.

Um wie viele Kinder geht es?

Nach Angaben des Kultusministeriums werden im laufenden Schuljahr gut 9.500 Kinder mit einer Behinderung an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet. Fünf Jahre zuvor waren es noch rund 8.900 gewesen. An den SBBZ lernen im Südwesten den Angaben zufolge derzeit gut 56.000 Schülerinnen und Schüler. Fünf Jahre zuvor waren es knapp 52.000 gewesen. Man verzeichne in den letzten Jahren einen drastischen Zuwachs bei den Schülerzahlen vor allem im Bereich der geistigen Entwicklung.

Wie stehen die Lehrkräfte zum Thema Inklusion?

Grundsätzlich findet eine Mehrheit der Lehrkräfte einer neuen Umfrage zufolge die Inklusion von Kindern mit Behinderung an Regelschulen für richtig. Allerdings sehen die Lehrkräfte einen großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Wie aus einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hervorgeht, halten nur 23 Prozent der Befragten den gemeinsamen Unterricht derzeit für praktisch sinnvoll. Knapp drei Viertel der Befragten fänden es dagegen aktuell sinnvoller, Kinder mit Behinderungen an Förderschulen zu unterrichten.

Für die repräsentative Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 10. März bis 11. April bundesweit 2.737 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen, darunter 500 in Baden-Württemberg. Die Ergebnisse haben laut Forsa eine Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten.

Was sind aus Sicht der Lehrkräfte die größten Probleme?

«Inklusives Unterrichten wird durch Personalmangel, unzureichende Ausstattung und steigende Klassengrößen erheblich erschwert», sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand. Ganz oben auf der Liste der Dinge, die aus Sicht der befragten Lehrkräfte gegen den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung spricht, steht fehlendes Fachpersonal an den Regelschulen. Auch eine ungenügende Ausstattung wie zu kleine Klassenräume oder fehlende Aufzüge führen die Lehrkräfte an.

Zudem hapert es aus Sicht der Befragten an vielen Schulen noch an der Barrierefreiheit. Fast die Hälfte der Schulen (43 Prozent) sind nach Einschätzung der Lehrkräfte überhaupt nicht barrierefrei. Nur jeder Fünfte gab an, seine Schule sei bereits vollständig barrierefrei.

Wie reagiert die Landesregierung?

Man habe in den vergangenen Jahren 1.350 zusätzliche Stellen für inklusive Bildungsangebote geschaffen, teilte das Kultusministerium mit. Zudem seien die Studienkapazitäten deutlich ausgebaut: An den pädagogischen Hochschulen im Land gebe es nun insgesamt fast 700 Plätze für Studienanfänger. Diese müssten aber ihre Ausbildung noch durchlaufen, hieß es.

 

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