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Kastrationspflicht? Wie umgehen mit der Katzenflut

Nachrichten Kastrationspflicht? Wie umgehen mit der Katzenflut

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild
dpa

Straßenkatzen vermehren sich rasant, Gemeinden reagieren nur zögerlich. Katzenschutzverordnungen mit Kastrationspflicht sind weiter die Ausnahme. Tierschützer haben klare Forderungen.

Wegen der unkontrollierten Vermehrung von Katzen fordern Tierheime, Tierschutzvereine und Naturschutzverbände im Land vehement eine flächendeckende Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht für Katzen. «Es wird immer schlimmer», sagt etwa Svenja Große-Kleffmann, Vorsitzende des Vereins Mensch und Tier Region Schwäbische Alb. Alleine seit Gründung ihres Vereins vor nicht mal zwei Jahren seien um die 4.000 Straßenkatzen von ihnen aufgepäppelt und kastriert worden – finanziert durch Spenden.

Zwar reagieren mehr und mehr Gemeinden auf das Problem mit unkastrierten Streunern – aber bisher haben nur 172 von rund 1.100 Städten und Kommunen im Südwesten eine Katzenschutzverordnung. Einen Flickenteppich nennt es die Tierschutzorganisation Tasso.

 

Landesweite Katzenschutzverordnung vonnöten

Immerhin nehme das Thema inzwischen an Fahrt auf, sagte Dominic Hahn vom Bund Baden-Württemberg. Im Schwarzwald-Baar-Kreis etwa habe nun jede Gemeinde in dem Landkreis eine solche Regelung. Doch selbst wenn die positive Entwicklung andauere, würden noch Jahrzehnte ins Land gehen, bis ein flächendeckendes Vorgehen erreicht wäre. Eine landesweite, sogar bundesweite Katzenschutzverordnung sei vonnöten – das sehen auch Tierschutzbund und Tasso so.

 

Das Katzenproblem sei enorm, warnen die Experten. Durch den Klimawandel begünstigt führten die immer wärmeren Jahreszeiten dazu, dass Katzen ganzjährig paarungsbereit seien und Kätzinnen mehr als zweimal pro Jahr werfen, so Große-Kleffmann. Sechs bis acht Kätzchen pro Wurf seien nicht selten. Und eine exponentielle Zunahme nicht geimpfter, teils schwer kranker und völlig verwilderter Katzen sei das Resultat.

 

Tierschutzvereine und Tierheime schlagen Alarm

Zehn Tierschutzvereinen und Tierheimen aus Baden-Württemberg und Bayern gingen Mitte August wieder an die Öffentlichkeit und schlugen zum wiederholten Mal Alarm – «lauter als je zuvor», heißt es darin. Ihren Worten zufolge kann eine einzige unkastrierte Katze mit ihren Nachkommen innerhalb von zehn Jahren über 80.000 Tiere hervorbringen – eine Bedrohung auch für den Artenschutz. Denn Katzen fangen neben Mäusen auch Eidechsen, Libellen und vor allem Vögel.

Wie viele Straßenkatzen im Südwesten leben, ist nicht bekannt. Laut einer Erhebung des Tierschutzbundes verzeichneten jedoch 2024 fast 80 Prozent der Tierschutzvereine steigende Straßenkatzenpopulationen. Bundesweit wird die Zahl herrenloser Straßenkatzen auf rund zwei Millionen geschätzt, die der als Haustier gehaltenen Katzen, von denen viele Freigänger sind, auf fast 16 Millionen.

 

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