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Laut Studie: Haushalte werden wichtiger für Stromnetz-Stabilität

News Laut Studie: Haushalte werden wichtiger für Stromnetz-Stabilität

Quelle: Uli Deck/dpa/dpa-tm
dpa

Große Konzerne kümmern sich um die Stromversorgung. Doch auch der einzelne muss etwas tun. Denn ob die Energiewende gelingt, entscheidet sich laut einer Studie auch in den Haushalten.

Stromverbraucher mit eigener Energieerzeugung wie der Solaranlage auf dem Dach haben einer Studie zufolge erheblichen Einfluss auf die Stabilität und Wirtschaftlichkeit des Energiesystems. Wenn diese sich beim Stromverbrauch so verhalten, dass sie für die Gesellschaft mitdenken und die aktuelle Marktlage berücksichtigen, könnten enorme volkswirtschaftliche Einsparungen erzielt werden. Nach einer nun veröffentlichten Studie des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW könnten dies 2050 europaweit bis zu 11 Milliarden Euro sein, 1,5 Milliarden davon in Deutschland.

Positive Effekte für alle könnten etwa erzielt werden, wenn E-Autos nachts geladen werden oder zu Zeiten, wenn Strom günstig und kaum nachgefragt ist. Die Studie «Adequacy 2050» hat die langfristige Versorgungssicherheit auf den Prüfstand gestellt und auch untersucht, wie robust der deutsche Netzentwicklungsplan gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels ist. Das Fazit: Die Annahmen des Plans, der den vordringlichen Ausbaubedarf im Stromübertragungsnetz feststellt, sind teils zu optimistisch, so Studienleiter Massimo Moser.

Zentraler Hebel fürs Energiesystem

Haushalte mit eigener Erzeugung etwa durch Solaranlagen, Wärmepumpen oder Heimspeichern seien ein zentraler Hebel für die Kosteneffizienz des Systems. Doch wenn nur jeder zweite dieser Haushalte marktorientiert handeln würde, wären nach dem Stresstest-Szenario mindestens neun Gigawatt an wasserstofffähigen Kraftwerken mehr nötig als bisher im Ausbauplan vorgesehen, sagte Co-Studienleiter Georgios Savvidis in Stuttgart. Und das selbst unter durchschnittlichen Wetterbedingungen.

Wetterextreme haben großen Einfluss

Auch beim Wetter machen die Autoren auf stark vereinfachte Annahmen im Netzentwicklungsplan aufmerksam. So könne der Ertrag aus Windkraft in Deutschland um bis zu plus/minus 15 Prozent im Vergleich zum langfristigen Mittel schwanken, sagte Moser. Das bedeute eine Differenz von bis zu 150 Terrawattstunden pro Jahr – etwa zwölf Prozent des für 2045 angenommenen deutschen Strombedarfs. «Das ist also eine zu beachtende Größe», verdeutlichte Moser.

Selbst Normalwetter vorausgesetzt, reichen die im Netzentwicklungsplan zugrunde gelegten Kapazitäten der Studie zufolge nicht ganz aus, um jederzeit eine vollständige Stromversorgung im Jahr 2050 zu gewährleisten.

Bei Extremwetter – etwa ein Jahr mit europaweiter Dürre oder ein außergewöhnlich kalter Winter mit 42 Frosttagen – könne das Defizit noch wachsen. Konkret hieße das, dass im Jahr 2050 an etwa zwei Tagen nicht alle Kunden zu jeder Zeit mit Strom versorgt werden könnten, sagte Moser. Verhielte sich zudem die Hälfte der Haushalte mit eigener Erzeugung nicht optimal für den Markt, könnte sich der Wert verdoppeln.

Brownouts vermeidbar

Schlimmstenfalls könne es sogenannte Brownouts geben. Dabei handelt es sich um eine bewusste rollierende Abschaltung von Teilen des Stromnetzes Ort für Ort, um die Stabilität des Netzes zu gewährleisten. Ein solches Worst-Case-Szenario könnte nach Einschätzung der Autoren der Studie aber schon durch mehr grenzüberschreitende Verbindungen im europäischen Stromnetz verhindert werden. Allein dadurch ließen sich bis zu 18 Milliarden Euro pro Jahr ab 2050 europaweit einsparen.

Angst vor Blackouts, also länger anhaltenden flächendeckenden Stromausfällen, muss die Bevölkerung nach Meinung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nicht haben. Die Netzbetreiber seien zwar mehr herausgefordert als früher. Aber er habe keine Ansagen vom Energiekonzern EnBW, «dass wir da in irgendeine kritische Situation unmittelbar geraten».

 

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