News aus Baden-Württemberg
Marktüberwachung: Oft nicht das drin, was draufsteht

News aus Baden-Württemberg Marktüberwachung: Oft nicht das drin, was draufsteht

Quelle: Pixabay
dpa

Verbraucher können auf dem Etikett ihrer Kleidung lesen, woraus sie besteht. Doch nicht immer ist drin, was draufsteht. Kaufen sie ein Shirt aus Baumwolle, müssen sie damit rechnen, Polyester zu tragen. Dieser Etikettenschwindel kommt gar nicht so selten vor, sagen Marktüberwacher.

Die Ergebnisse der jüngsten Bekleidungskontrollen durch die zentrale Marktüberwachung dürften bei Verbrauchern Stirnrunzeln verursachen. Denn Etiketten der stichprobenartig überprüften Textilien auch aus dem Onlinehandel sind oft falsch ausgezeichnet. Die Mängelquote liege bei rund 40 Prozent, sagte Stephan Czarnecki von der Marktüberwachung des Regierungspräsidiums Tübingen am Freitag.

Die Marktüberwacher nehmen neben Textilien allerlei andere Produkte unter die Lupe wie Baumaschinen, Schrauben und Fahrradhelme – praktisch alles außer Lebensmittel. Händler, die gegen Vorgaben verstoßen, müssen zahlen: Im vergangenen Jahr zog das Land Baden-Württemberg so eine Million Euro ein.

Die Mängel im Bereich Textilien betreffen laut Czarnecki vor allem die angegebene Faserzusammensetzung, die teilweise «nicht im Entferntesten» mit der tatsächlichen übereinstimmt. Ein Produkt enthielt beispielsweise 95 Prozent Viskose und 5 Prozent Elasthan anstelle der angegebenen 100 Prozent Baumwolle. Eine andere Probe bestand aus 100 Prozent Polyester anstelle der 100 Prozent angegebenen Seide.

Überprüft wurde mit einem mobilen Analysegerät mit Hilfe von Röntgenstrahlen auch der Bleigehalt in Bestandteilen von Babybodies, wie Kordel-Enden, Nieten oder Druckknöpfe, die Kinder häufig in den Mund nehmen. Hier gaben die Marktüberwacher jedoch Entwarnung. Besonderes Augenmerk galt ferner Textilien mit einem Sonnenschutzfaktor wie Wanderhemden oder Kinderhüten mit einem Schulterschutz. Hier meldeten die Überwacher eine geringe Mängelquote.

Xenia Große, für den Bereich Textilkennzeichnung zuständig, sagte: «Je günstiger die Ware, desto mehr Mängel.» Bei Importprodukten sei oft gar kein Etikett vorhanden. Verbraucher sollten laut Behörde darauf achten, dass an den Textilien eine Kennzeichnung mit einer ausgeschriebenen deutschen Faserbezeichnung und einem Verantwortlichen in der EU mit Namen und Adresse genannt ist.

Die Textilien werden in Fachlaboren analysiert. Die durchschnittliche Mängelquote bei den jährlich zwischen 10 000 und 12 000 Stichproben quer durch alle Bereiche liegt laut Behörde bei 25 Prozent bis 30 Prozent. Bei früheren Untersuchungen wurden in Modeschmuck zwischen 60 Prozent und 70 Prozent Kadmium und Blei gemessen. 14 von 15 überprüften Laserlichtbrillen hatten überhaupt keine Funktion.

Die Marktüberwacher haben auch einige Tricks auf Lager, wenn sie vermuten, dass der Händler sie täuschen könnte. «Wir haben die Möglichkeit, verdeckt zu kaufen», sagt Czarnecki. Die geschehe, wenn es einen Anfangsverdacht gebe, dass das Produkt, welches den Marktüberwachern zur Kontrolle zugesandt wurde, ein «golden sample» sei. Also ein Produkt, das das hergibt, was das Etikett verspricht. Dann bestellen die Experten online und schauen sich das Produkt genauer an.

In den Corona-Krise kamen für die Überwacher weitere Produkte hinzu: Corona-Schnelltests, Atemschutzmasken und Desinfektionsprodukte.

 

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