Frisch von der Kino-Leinwand
meinKA-Filmkritik – Ad Astra: „Brad Pitt reist zu den Sternen“

Frisch von der Kino-Leinwand meinKA-Filmkritik – Ad Astra: „Brad Pitt reist zu den Sternen“

Quelle: 20th Century Fox

Immer donnerstags beginnt eine neue Kino-Spielwoche und bringt frische Filmstarts mit sich. Gemeinsam mit dem Filmpalast am ZKM, hat sich meinKA einen ausgewählten Film bereits vorab angeschaut und verrät, ob sich der nächste Kinobesuch lohnen wird.

Ad Astra – Zu den Sternen

Mit 55 Jahren will es Brad Pitt noch einmal richtig wissen. Nach Once Upon a Time in Hollywood ist Brad Pitt mit Ad Astra – Zu den Sternen bereits das zweite Mal dieses Jahr im Kino zu sehen. Der Science-Fiction-Thriller von James Gray wurde bereits im Vorfeld mit Größen des Science-Fiction-Kinos wie Solaris, 2001: Odyssee im Weltraum und Gravity verglichen. Große Fußstapfen also, die es von der Geschichte um den Astronauten Roy McBride auszufüllen gilt.

 

Darum geht’s – Ad Astra

Sind wir allein im Universum? Auch in der nahen Zukunft von Ad Astra ist diese Frage noch unbeantwortet. 20 Jahre vor Handlungsbeginn bricht Clifford McBride Richtung Neptun auf, um genau diese Frage zu beantworten – er kehrt nie wieder zur Erde zurück. Das Lima-Projekt, so der Name der Expedition, gilt offiziell als gescheitert, Clifford hinterlässt Frau und Sohn.

 

Clifford McBride (Tommy Lee Jones) ist seit 20 Jahren verschwunden. | Quelle: 20th Century Fox.

 

Dieser Sohn, Roy McBride, wird nun ebenfalls Astronaut. Den Verlust seines Vaters hat Roy durch eine völlige Unterdrückung seiner Emotionen und völlige Fokussierung auf seine jeweilige Aufgabe verarbeitet. Stoisch erträgt er jede Situation, selbst in Momenten größter Gefahr steigt sein Herzschlag nie über 80 Schläge die Minute.

Als die Erde plötzlich von elektromagnetischen Stürmen bedroht wird, sind es diese Eigenschaften, die Roy zum besten Kandidaten für eine Mission allerhöchster Geheimhaltungsstufe machen. Die Regierung vermutet, dass Roys Vater noch am Leben ist und sich für die Stürme verantwortlich zeigt. Man erhofft sich, dass es Roy gelingt mit seinem verschwundenen Vater Kontakt aufzunehmen und die Krise beenden zu können.

Roy McBride tritt eine Reise an, welche ihn bis an das Ende unseres Sonnensystems, zum Planeten Neptun, aber auch zurück zu seinem Vater führt. Dabei steht nicht nur das Überleben der Menschheit auf dem Spiel, für Roy wird es eine Reise zu sich selbst.

 

Roy McBride muss seinen Vater finden. | Quelle: 20th Century Fox.

 

Besetzung, Regie und Drehbuch

Die Besetzung von Ad Astra schreit förmlich nach Spitzenkino, Brad Pitt übernimmt die Hauptrolle des Astronauten Roy McBride, während Tommy Lee Jones dessen verlorenen Vater verkörpert. Darüber hinaus ist Liv Tyler als entfremdete Ehefrau und Donald Sutherland als Weggefährte des verschollenen Vaters zu sehen. Die mit weitem Abstand meiste Zeit auf der Leinwand kommt hierbei eindeutig Pitt zu, welcher den Film trägt und auch mit produziert.

Regie führte James Gray, bekannt für Die versunkene Stadt Z, ein Film, welcher bei der Kritik gut ankam, an den Kinokassen jedoch eher enttäuschte, ein Schicksal, welches auch Ad Astra drohen könnte. Das Drehbuch stammt ebenfalls von Gray, jedoch erhielt er wie auch schon bei Die versunkene Stadt Z Unterstützung von Ethan Gross. Die pointiert eingesetzte Filmmusik stammt von Max Richter.

 

Filmrezension – Ad Astra

Eine Eigenart von Science-Fiction besteht oftmals darin, dass es der Reise zu den Sternen (lat. ad astra) bedarf um den Menschen selbst kennen zu lernen. Die Loslösung von der Bindung zur Erde, die Handlung in der Zukunft, schafft Distanz und erlaubt es grundlegende Fragen über die menschliche Existenz zu stellen. Ad Astra steht exemplarisch für diese Eigenart. Klar, da ist die Bedrohung der gesamten Menschheit durch elektromagnetische Stürme, dann das nur scheinbar gescheiterte Forschungsprojekt Lima und natürlich die abenteuerliche Reise zum Neptun. Doch der Kern von Ad Astra bildet die Geschichte eines Sohnes, der seinen Vater verliert und sein ganzes Leben unter dem Einfluss dieses Ereignisses lebt. Dieses Motiv wird immer wieder zur Schau gestellt, stellenweise zu explizit, verliert aber niemals seine Wirkungskraft.

 

Roy McBride sehnt sich nach der Zuneigung seines Vaters. | Quelle: 20th Century Fox.

 

Eine Geschichte über Vater und Sohn

Julia Roberts sagt zu Hugh Grant in Notting Hill: „Ich bin auch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht und ihn bittet, es zu lieben.“ Pitts Roy McBride ist ein Junge, der vor seinem Vater steht und ihn bittet, geliebt zu werden. Ein Mann mit jahrelanger NASA und Militär Ausbildung, psychologischem Training und einem Vater im Orbit des Neptuns – aber trotzdem ein kleiner Junge auf der Suche nach Zuneigung und Anerkennung durch seinen Vater.

Pitt verkörpert den Stoiker Roy McBride, der durch nichts, schon gar nicht durch seine Gefühle, aus der Ruhe zu bringen ist. Dieser Charakter scheint sich zunächst nicht für eine emotionale Vater-Sohn-Geschichte zu eignen, doch im Verlauf seiner Reise zum Neptun bricht dieser Selbstschutz. Die Stärke liegt hierbei in der nuancierten Darstellung. Selbst ein emotionaler Roy McBride ist im Vergleich zu einem normalen Menschen eher gefühlskalt, doch sind es die kurzen Momente des Durchscheinens innerer Konflikte, welche gerade wegen der Reduktion so berühren.

 

Kontrolliertes Spektakel. | Quelle: 20th Century Fox.

 

Die Perspektive eines Stoikers

Roy McBride ist die Perspektivfigur des ganzen Films. Natürlich gibt es auf der Reise zum Neptun auch den ein oder anderen Moment des Spektakels. Doch die Inszenierung legt keinen Wert auf Bombast, wie McBride muss der Zuschauer einfach hinnehmen was passiert, ohne jede inszenatorische Überbetonung. Die gedämpften Farben, die Vorliebe der Kamera für Totalen und die sporadisch eingesetzten neoklassischen Töne des Soundtracks unterstützen die scheinbare Teilnahmslosigkeit und das Gefühl der Isolation. Auch das Tempo des Films zielt darauf ab die Welt mit McBride zu teilen. Es wird sich sehr viel Zeit genommen die Banalität der Weltraumreise zu zeigen und die Auswirkungen der Reise zum Neptun auf McBride darzustellen.

Pitt ist oft allein auf der Leinwand und seine Stimme aus dem Off kommentiert die Handlung. Dies erlaubt zwar einen intimen Blick in die Gedanken des Protagonisten, doch legt es auch eine Interpretation der Geschehnisse nahe – noch mehr Mut zur Stille wäre hier wünschenswert gewesen.

 

Die Stille des Alls. | Quelle: 20th Century Fox.

 

Die meinKA Empfehlung

Ad Astra ist sicher nicht der Blockbuster, den viele erwarten, doch ist es eine Vater-Sohn-Geschichte, die berührt und die Abgründe der menschlichen Seele erforscht. Eben genau das, was gute Science-Fiction leisten kann.

 


 

Film im Überblick – Ad Astra

Kinostart19. September 2019
GenreScience-Fiction, Thriller
Altersfreigabeab 12 Jahren
RegisseurJames Gray
BesetzungBrad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Liv Tyler
Länge2 Stunden 03 Minuten

 


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Ab ins Kino – Filmpalast am ZKM

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