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Mini-Supermärkte auf dem Dorf – Das muss man über sie wissen

News Mini-Supermärkte auf dem Dorf – Das muss man über sie wissen

Quelle: Markus Lenhardt/dpa
dpa

Bäcker, Metzger und Co. gibt es in vielen Dörfern schon länger nicht mehr, zum Einkaufen braucht man oft das Auto. Abhilfe können Mini-Supermärkte ohne Personal schaffen.

Kurz mal zum Supermarkt um die Ecke, um Mehl, Milch und Eier für den Kuchen zu besorgen – in Großstädten ist das meist kein Problem. Auf dem Land ist der nächste Supermarkt aber häufig eine längere Autofahrt entfernt. Abhilfe können sogenannte Mini-Supermärkte schaffen, die ohne Personal arbeiten und oft rund um die Uhr geöffnet sind.

 

Wie funktioniert das?

Die kleinen Läden sind nicht dauerhaft mit Personal besetzt, sondern arbeiten meist automatisiert. Das bedeutet, dass es zwar Personal gibt, das etwa die Regale einräumt und auch einige Stunden pro Woche für die Kunden vor Ort ist und etwa beim Kassieren und Bezahlen hilft. Die meiste Zeit müssen die Nutzer aber ihre Waren selbst einscannen und bezahlen.

 

Wie viele Läden gibt es im Südwesten?

Ein Anbieter solcher Mini-Supermärkte ist das Unternehmen Tante M. Es betreibt gemeinsam mit selbstständigen Franchise-Unternehmern derzeit rund 60 Läden, die meisten davon in Baden-Württemberg. Im Norden des Landes gibt es zudem mehrere Teo-Minimärkte, die zum hessischen Handelsunternehmen Tegut gehören.

 

Wann kann ich dort einkaufen?

Die Läden von Tante M haben meist an sieben Tagen die Woche von 5.00 bis 23.00 Uhr geöffnet. Damit seien die wichtigsten Bedarfe der Nutzer abgedeckt, erklärt Geschäftsführer Carsten Pletz. Nachts seien die meisten Läden aus Sicherheitsgründen geschlossen, zudem brauche auf dem Dorf niemand einen rund um die Uhr geöffneten Supermarkt. Die Teo-Märkte sind dagegen rund um die Uhr geöffnet.

 

Wie ist die rechtliche Lage?

«Das Ladenöffnungsgesetz sieht vor, dass die Geschäfte sonntags nicht offen haben dürfen», erklärt Handelsexperte Stephan Rüschen. Er ist Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn und beschäftigt sich schon lange mit Mini-Supermärkten. «Die Kommunen erteilen den Geschäften aber dennoch eine Genehmigung. Man kann von einer Duldung sprechen», sagt Rüschen.

Die Grünen im Landtag sprechen von einer «rechtlichen Grauzone» und sehen Nachbesserungsbedarf. Sie wollen im Ladenöffnungsgesetz die Öffnung solcher Mini-Supermärkte auch sonntags offiziell erlauben.

Andere Bundesländer haben das bereits getan. In Hessen hatte der Landtag eine entsprechende Änderung des Ladenöffnungsgesetzes bereits im vergangenen Jahr verabschiedet. Es sieht vor, dass die Läden höchstens 120 Quadratmeter groß sein und ausschließlich Waren des täglichen Bedarfs anbieten dürfen.

 

Wie kommen die Läden an?

Gut, sagt Handelsexperte Stephan Rüschen: «Eine Befragung von Kunden solcher Mini-Supermärkte hat ergeben, dass die meisten sagen, sie wollen auf den Laden nicht mehr verzichten und er vereinfache ihren Alltag deutlich.» Zudem habe man eine hohe emotionale Bindung der Menschen zu den Läden festgestellt. Das nimmt auch der Geschäftsführer von Tante M so wahr. «Wir bekommen super viele positive Rückmeldungen», sagt Carsten Pletz. Bei Eröffnungen spiele häufig die regionale Musikkapelle, auch der Bürgermeister halte fast immer eine Rede.

Auch die Politik hält die Mini-Supermärkte für wichtig. Mit ihnen könnten Menschen auf dem Dorf Dinge des täglichen Bedarfs kaufen, ohne zig Kilometer mit dem Auto fahren zu müssen, sagt Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. Damit sorge man auch für eine höhere Attraktivität des ländlichen Raums, wo Bäcker, Metzger und Dorfladen oft schon länger fehlten. «Ein Laden im Ort erhöht die Lebensqualität in den Dörfern enorm», meint Schwarz.

 

Ist das für die Kunden nicht total teuer?

Dazu gibt es keine genauen Zahlen. Tante M mache seinen Franchise-Nehmern keine Vorgaben zu den Preisen, sagt Geschäftsführer Pletz. Handelsexperte Rüschen von der Dualen Hochschule in Heilbronn meint, dass die Kunden in den Mini-Supermärkten etwa zehn Prozent mehr bezahlen müssten als im normalen Supermarkt. Allerdings scheint das kaum jemanden zu stören. «Kundenbefragungen haben ergeben, dass fast 90 Prozent der Nutzer das Preisniveau in Ordnung finden», sagt Rüschen.

 

Wird da nicht viel gestohlen?

«Ich würde lügen, wenn ich sage, dass Diebstahl kein Thema ist», sagt Carsten Pletz von Tante M. Man habe aber das Glück, dass man mit den Läden dort sei, wo es sonst keine Versorgung mehr gebe. «Da hat man eine viel höhere Verbundenheit. Die Menschen in einem Tante M wollen, dass der Laden bleibt» sagt Pletz. Diese Nähe sei die beste Diebstahlprävention. Zudem gebe es in den Läden Überwachungssysteme und teils auch Zugangskontrollen. Um in das Geschäft zu kommen, müssten Kunden am Eingang eine Kunden- oder Bankkarte an einen Scanner halten.

 

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