News aus Baden-Württemberg
Morgens länger schlafen? Schülerinnen und Schüler testen Gleitzeit-Modell

News aus Baden-Württemberg Morgens länger schlafen? Schülerinnen und Schüler testen Gleitzeit-Modell

Quelle: Marijan Murat/dpa/Symbolbild
dpa

Seit Jahren gibt es Forderungen, die Schule später beginnen zu lassen. Eine Klasse in Plochingen testet nun einen flexiblen Schulstart. Das bringt sogar ein Lob des Ministerpräsidenten ein.

Früh in die Schule oder lieber etwas länger schlafen? Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums in Plochingen konnten das am Dienstag erstmals selbst entscheiden und haben das Angebot eines späteren Schulbeginns gerne angenommen. In der ersten freiwilligen Lernzeit seien zwei Schülerinnen und Schüler von insgesamt 27 anwesend gewesen, sagte Till Richter, Deutschlehrer der Klasse an der Schule im Landkreis Esslingen. Über den Gleitzeit-Versuch hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

Die siebte Klasse des Gymnasiums testet seit dieser Woche ein Gleitzeitmodell für den Schulbeginn aus. Zweimal pro Woche dürften die Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob sie regulär um 7.50 Uhr oder erst um 9.40 Uhr in die Schule kommen wollen. Dafür gebe es immer dienstags und freitags statt des regulären Deutsch- und Englisch-Unterrichts eine sogenannte freiwillige Lernzeit, erklärte Richter. Für diese Zeit bekommen die Siebtklässler dann Aufgaben, die sie entweder unter Aufsicht in der Schule bearbeiten können oder zu einem anderen Zeitpunkt zu Hause abarbeiten müssen.

Er gehe davon aus, dass der erste Tag des Versuches nicht repräsentativ gewesen sei, sagte Richter. So seien die Aufgaben, die die Schüler in dieser Zeit hätten bearbeiten sollen, bereits vor den Osterferien verteilt worden, sodass viele Schüler ihre Aufgaben vermutlich bereits erledigt gehabt hätte, so Richter. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass nächste Woche mehr da sein werden», sagte der Deutschlehrer.

Der Versuch läuft Richter zufolge nun sechs Wochen lang und soll im Anschluss von den Schülerinnen und Schülern evaluiert werden. Diese hatten in seinem Deutsch-Unterricht darüber diskutiert, was sie an der Schule stört. «Dabei kamen schnell die Unterrichtszeiten und der Schulbeginn auf. Dabei ist die Idee entstanden», sagte Richter.

Zuspruch für ihren Modellversuch bekam die siebte Klasse von ganz oben: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann lobte das Projekt. Es sei «mutig und respektabel», das einmal auszuprobieren, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Stuttgart. Ob die Idee auch gut sei, merke man dann erst hinterher. «So genau muss man das machen, bevor man solche tiefgreifenden Reformen ausrollt: Dass man sie mal wirklich lebensnah überprüft», sagte Kretschmann.

Nach Angaben des Kultusministeriums entscheidet über den Schulbeginn in Baden-Württemberg laut Schulgesetz die sogenannte Schulkonferenz. In dem Gremium sind Schulleitung, Lehrkräfte, Eltern und Schüler vertreten. «Eine Staffelung des Unterrichtsbeginns ist grundsätzlich möglich. Die entsprechende Entscheidung ist von der Schulkonferenz der einzelnen Schule unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten zu treffen», teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Dabei müsse etwa die organisatorische Umsetzbarkeit geprüft werden, zum Beispiel mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur.

An Grundschulen sind die Regeln dagegen strenger. Dort solle der Unterricht jeden Tag gleichmäßig beginnen, teilte das Ministerium mit. «Die Klassen 1 und 2 beginnen spätestens zur 2. Stunde, die Klassen 3 und 4 zur 1. Stunde. Von diesen Vorgaben darf nur aus zwingenden Gründen abgewichen werden», hieß es weiter.

 

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