News Neue Zahlen zu Unfällen: Rausch und Risiko – alle zwei Minuten ein Unfall
Weniger Tote und Schwerverletzte, aber mehr Unfälle. Wer auf den Straßen vor allem gefährdet ist und welche Entwicklung überrascht.
Es ist auf der Landstraße passiert, auf der Autobahn oder einfach nur auf der kurzen Fahrt zum Bäcker: Etwa alle zwei Minuten hat es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres irgendwo auf Baden-Württembergs Straßen einen Unfall gegeben. Sei es mit dem Auto oder dem Motorrad, mit dem Fahrrad oder dem Elektroroller. Und fast jeden Tag verlor im Südwesten ein Mensch im Straßenverkehr sein Leben.
Dennoch zeigt die jüngste Halbjahresbilanz des Landesinnenministeriums einen erfreulichen Trend: Baden-Württembergs Straßen sind in den ersten sechs Monaten des Jahres etwas sicherer geworden – zumindest mit Blick auf die schwersten Unfallfolgen. 161 Menschen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben, das sind 14,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (188). Auch die Zahl der Schwerverletzten ging um 5,1 Prozent zurück auf 2.562. Insgesamt krachte es aber häufiger: Das Innenministerium zählte 154.347 Unfälle (+ 2,2 Prozent).
Innenminister Manuel Hagel (CDU) sprach von einem positiven Signal, eine Entwarnung sei das aber längst nicht: Es seien zwar weniger Menschen gestorben, «aber jeder Einzelne ist einer zu viel».
Was die Zahlen sonst noch zeigen:
Biker schalten einen Gang runter
Motorradfahrer sind etwas sicherer unterwegs. Die Zahl der verunglückten Biker sank um 4,2 Prozent auf 2.210 Unfälle. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei den Schwerstfolgen: 24 Motorradfahrer starben in den ersten sechs Monaten – ein Minus von über 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (41 Tote). Allerdings wurden knapp 80 Prozent der tödlichen Motorradunfälle von den Bikern selbst verursacht – meist, weil sie zu schnell unterwegs waren.
Pedelecs und Fahrräder
Nach jahrelangem Anstieg ist die Zahl der Pedelec-Unfälle um 10,7 Prozent auf 1.969 zurückgegangen, dagegen waren Fahrradfahrer ohne Motor in 2,2 Prozent mehr Unfälle (4.457) verwickelt. Insgesamt kamen 33 Radfahrerinnen und Radfahrer ums Leben – genauso viele wie im Vorjahreszeitraum. 18 von ihnen waren auf einem Pedelec unterwegs. Auffällig ist: 88,9 Prozent der tödlich verunglückten Pedelec-Nutzer waren im Seniorenalter.
Boom bei E-Scootern – Sorge um Minderjährige
Die Elektroroller düsen weiter durch die Städte – und immer öfter landen sie im Unfallbericht. Bei E-Scootern verzeichnet die Polizei einen massiven Anstieg um 46,4 Prozent auf 1.290 Unfälle. Im Schnitt kracht es damit siebenmal am Tag mit E-Scootern oder den etwas größeren Elektro-Stehrollern mit ihren nebeneinanderliegenden Rädern.
Die Zahl der Schwerverletzten kletterte sogar um 72,6 Prozent auf 126 Personen nach oben. Besorgniserregend: Bei fast der Hälfte dieser Unfälle mit Personenschaden (45,5 Prozent) fuhren Minderjährige. Ein Mensch starb (2025: 4).
Rausch und Blechschäden
Alkohol und Drogen sind auch weiter ein ständiges Sicherheitsrisiko. Mangelnde Verkehrstüchtigkeit führte im ersten Halbjahr zu 2.243 Unfällen. Während Unfälle unter Alkoholeinfluss mit 1.895 Fällen auf Vorjahresniveau blieben (+0,2 Prozent), gab es bei Unfällen unter Cannabis- und Betäubungsmitteleinfluss einen deutlichen Rückgang um 22,1 Prozent auf 348 Fälle.
Hauptursache: Der Fuß auf dem Gaspedal
Und es bleibt dabei: Die mit Abstand gefährlichste Unart im Straßenverkehr ist das Rasen. Nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit war bei 39,7 Prozent aller tödlichen Unfälle der Grund. 64 Menschen verloren deshalb in den ersten sechs Monaten ihr Leben. «Nach wie vor wird die Gefahr von überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit gnadenlos unterschätzt», sagte Hagel. «Rasen ist kein Spaß, sondern ist lebensgefährlich.» Weitere häufige Auslöser für tödliche Unfälle waren Vorfahrtsfehler (13,9 Prozent) und Ablenkung (10,6 Prozent).