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Neunjähriger nackt und unterernährt in Kleinbus entdeckt

News Neunjähriger nackt und unterernährt in Kleinbus entdeckt

Quelle: Sebastien Bozon/AFP/dpa
dpa

Über ein Jahr soll ein Junge in einem Lieferwagen gefangen gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft berichtet, dass er beim Auffinden nicht mehr laufen konnte und unter einer Decke neben Exkrementen lag.

Immer wieder hören Nachbarn in einer kleinen elsässischen Ortschaft verdächtige Geräusche aus einem geparkten Lieferwagen, der Besitzer aber wiegelt ab, es handele sich um eine Katze. Als nach einem Hinweis auf Kindergeräusche aus dem Wagen Polizisten schließlich abends den Kleinbus aufbrechen, machen sie eine erschütternde Entdeckung. Sie stoßen auf den neunjährigen Sohn des Besitzers, der den Jungen über ein Jahr in dem Wagen gefangen gehalten haben soll, teilte Staatsanwalt Nicolas Heitz in Mulhouse mit. Der 43-Jährige wurde festgenommen.

Von Nachbarn alarmierte Beamte hätten das Kind nackt und unterernährt in dem Fahrzeug auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses in der Ortschaft Hagenbach entdeckt. In dem Lieferwagen habe er in Embryonalhaltung unter einer Decke neben Exkrementen gelegen. Wegen des langen Aufenthalts in dem Lieferwagen sei das Kind nicht mehr in der Lage gewesen zu laufen, als es entdeckt wurde, sagte der Staatsanwalt. Der Vater wohnte in einer Wohnung im ersten Stock des Hauses. Der Ort liegt unweit der Grenze zu Deutschland und der Schweiz.

Ende 2024 das letzte Mal geduscht

Nach eigenen Angaben wurde der Junge zwischen September und Dezember 2024 in dem Lieferwagen eingesperrt und hat Ende 2024 das letzte Mal geduscht. Der Junge wurde in eine Klinik nach Mulhouse gebracht. Die Lebensgefährtin des Vaters wurde ebenfalls festgenommen. Mit dem Paar in der Wohnung lebten zwei zehn und zwölf Jahre alte Töchter. Die Wohnung habe einen vollkommen ordentlichen Eindruck gemacht, berichtete der Staatsanwalt.

Bei der Befragung habe der Junge angegeben, große Beziehungsprobleme
mit der Lebensgefährtin gehabt zu haben, die ihn nicht mehr in der Wohnung haben wollte und gedrängt habe, dass er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Sein Vater habe ihn in den Kleinbus gesperrt, um eine Einweisung zu vermeiden.

Vater überwachte Lieferwagen mit Kamera

Mit einer Videokamera überwachte der Vater den im Hof stehenden Lieferwagen. Aufzeichnungen zeigten, dass der Vater sich zweimal täglich zu dem Fahrzeug begab, um dort etwas hereinzuwerfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Wie der Junge den Ermittlern sagte, habe sein Vater ihm Essen gebracht und Wasserflaschen hingestellt. Er hatte nur einen Rucksack mit Kleidung in dem Lieferwagen und musste in Plastikflaschen urinieren und seine andere Notdurft in Müllsäcken verrichten.

Die zehnjährige Tochter der Lebensgefährtin berichtete den Fahndern, dass der Vater den Lieferwagen für die tägliche Fahrt zur Arbeit genutzt habe, und ihre Mutter bereits Geräusche aus dem Fahrzeug gehört hatte. Der Vater habe geantwortet, es handele sich um eine Katze, sagte Staatsanwalt Heitz.

Die zwölfjährige Schwester des Jungen erzählte den Polizisten, sie lebe
seit vier oder fünf Jahren bei ihrem Vater, da ihre Mutter unter psychischen Problemen leide. Die Patchwork-Familie sei Anfang 2024 in die knapp 800 Einwohner große Ortschaft Hagenbach gezogen, und zu dieser Zeit habe sich das Verhalten ihres Bruders verändert. Zwei Monate nach Schulbeginn 2024 habe sie ihren Bruder dann nicht mehr gesehen und bemerkt, dass ihr Vater regelmäßig die Wohnung verließ, um zum Lieferwagen zu gehen.

Vater gesteht Wegsperren des Sohns ab November 2024

Im Verhör gestand der Vater, seinen Sohn ab November 2024 in den Kleinbus gesperrt zu haben, um ihn zu schützen, da seine Lebensgefährtin ihn
in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen wollte, sagte der Staatsanwalt. Im Sommer 2025, als die Familie im Urlaub war, habe er ihm Zugang zur Wohnung gewährt. Seine Lebensgefährtin habe zwar einen Verdacht gehabt, aber nicht gewusst, dass der Junge in dem Wagen war.

Die Lebensgefährtin bestritt bei der Vernehmung hingegen den gesamten Sachverhalt. Sie gab an, Geräusche aus dem Kleinbus gehört zu haben, auf Fragen, ob sich jemand darin befinde, aber keine Antwort erhalten zu haben. Sie sei überzeugt gewesen, dass der Junge in einer Anstalt untergebracht worden sei, so der Staatsanwalt.

Angehörige wollen von nichts gewusst haben

Die Angehörigen des Paares gaben bei ihrer Befragung an, nichts von der
Anwesenheit des Kindes im Lieferwagen gewusst zu haben. Sie hätten gedacht, der Junge sei wie von dem Paar angegeben in eine Klinik gekommen. Wie der Staatsanwalt betonte, gibt es aber keine medizinischen Belege für die Existenz psychiatrischer Probleme. Der Junge habe bis zum Schuljahr 2023/2024 mit sehr guten schulischen Leistungen die erste Klasse in Mulhouse besucht.

Gegen den Mann und die Frau, die bislang nicht justizbekannt waren, sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Staatsanwalt. Der Junge befindet sich weiterhin in Sicherheit in einer Klinik. Die Ermittler würden prüfen, ob weitere Personen von dem Schicksal des Jungen hätten wissen müssen, ohne ihm zu helfen.

 

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