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Orgel statt Spotify: Junge Menschen im Land studieren Kirchenmusik

Nachrichten Orgel statt Spotify: Junge Menschen im Land studieren Kirchenmusik

Quelle: Uwe Anspach/dpa
dpa

Boomer gehen in Rente, die Kirchenfinanzen bröckeln – und trotzdem zieht es Menschen an die Orgel. Was treibt Musiker in ein Fach zwischen Glauben und knappen Kassen?

Wer setzt sich heutzutage noch an eine Orgel? Einer von ihnen heißt Constantin Bräutigam. Der 24-Jährige trägt eine Brille, hat kurze braune Haare, in der Freizeit hört er gern Hip-Hop. Bräutigam studiert seit einem Semester Orgel und Dirigieren an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg.

«Ich bin ein ganz normaler Mensch», sagt er. In einer eintägigen Aufnahmeprüfung musste er zeigen, ob er Klavier, Orgel, Improvisation, Gesang und Dirigieren ausreichend anspruchsvoll beherrscht. Und dann war da noch der theoretische Teil – aber für den Musikbegeisterten kein Problem.

 

Monatelange Vorbereitung auf Aufnahmeprüfung

«Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie. Mein Vater ist auch Kirchenmusiker. Und das heißt, Klavier war schon von Kindesbeinen an irgendwie immer mit dabei», erzählt Bräutigam. Dann wählte er den Leistungskurs Musik, machte Abitur. «Und die Orgel kam dann erst später dazu, als die Klaviergrundlage gelegt war, sage ich mal.»

Für die Aufnahmeprüfung zum Studium habe er sich ein halbes Jahr lang intensiv vorbereitet. «Sonst wird man das nicht bestehen», sagt Bräutigam.

Wenn er jetzt übt, dann an der Hochschule oder in einer Kirche. An der Hochschule stünden den Studenten alle Instrumente zur Verfügung, also auch Orgeln und Klaviere. «Und dann haben wir noch Zugang zu verschiedenen Kirchen in der Umgebung, wo wir dann auch noch üben können.»

Um so weit zu kommen, habe er viel geübt: zu Hause in der Familie. Dann im Einzelunterricht. Bis zu 200 Stunden könnten bei ihm dabei zusammengekommen sein, sagt Bräutigam. Dabei habe er im Vergleich zu anderen erst spät mit der Orgel angefangen. Aber dann ließ ihn das Instrument nicht mehr los. «Das hat mich total begeistert.»

 

Orgel und Hip-Hop

Bräutigam denkt, dass Studenten vor allem wegen ihrer Musikbegeisterung an der evangelischen Hochschule studieren. «Ja, das ist in erster Linie Begeisterung für die Musik. Das ist, glaube ich, so der Hauptgrund», sagt er. «Also es gibt sicherlich auch welche, die machen das aus Glaubensgründen und das gehört natürlich mit dazu, wenn man Kirchenmusik studiert». Er selbst höre im Privaten ja auch ganz andere Musik. «Ich höre Hip-Hop, Rock, das volle Programm.»

So vielfältig ist übrigens auch die Gruppe seiner Mitstudenten: «Wir haben Leute so im Alter, wie ich es bin, Anfang 20. Wir haben aber durchaus auch wirklich Quereinsteiger, die einfach mit Mitte 40, Anfang 50 noch mal etwas Neues ausprobieren wollten», erzählt der Organist. «Also da sind wir wirklich breit aufgestellt.»

Sie kommen auch aus allen möglichen Berufen. «Das sind auch wirklich Leute, die sich noch entweder ein zweites Standbein aufbauen möchten oder wirklich komplett den Beruf wechseln möchten.»

 

Sorge um Kirchenfinanzen

Die Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg kann über Mangel an Nachwuchs zwar nicht unbedingt klagen, wie Kord Michaelis, Landeskirchenmusikdirektor der Badischen Landeskirche in Karlsruhe berichtet. «Unsere Sorge im Augenblick ist, dass die Kirchenfinanzen ganz massiv zurückgehen.» Dies hänge mit den Kirchenaustritten und den Missbrauchsskandalen zusammen. Der weit stärkste Effekt sei jedoch demografischer Natur.

Die Zahl der Musikstudienplätze liege seit Jahren konstant bei rund 360. Und es sollen nicht weniger werden, sagt Michaelis.

 

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