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Pflege im Heim wird für Bewohner im Südwesten immer teurer

News Pflege im Heim wird für Bewohner im Südwesten immer teurer

Quelle: dpa/Tom Weller
dpa

Wer in ein Pflegeheim zieht, muss einen großen Teil der Kosten für Pflege und Unterkunft selbst berappen. Im Südwesten geht das jeden Monat schnell in die Tausende.

Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in Baden-Württemberg müssen immer mehr aus eigener Tasche für ihre Pflege zuzahlen. Einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) zufolge wurden zum 1. Juli im Südwesten monatlich durchschnittlich 3.657 Euro im ersten Heimjahr fällig. Das waren gut 250 Euro mehr als ein Jahr zuvor, wie der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Daten zeigen.

Damit müssen die Bewohner im Südwesten jeden Monat fast 300 Euro mehr im Monat selbst tragen als im Bundesschnitt (3.364 Euro). Teurer war die Pflege im Heim nur in Bremen, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen. Deutlich günstiger sind die Eigenanteile dagegen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Als Grund für den deutlichen Anstieg hatte der Verband unter anderem die gestiegenen Personalkosten im Pflegebereich ausgemacht. «Die Gehälter von Pflegekräften sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen und liegen im Branchenvergleich nunmehr über dem Durchschnitt», sagte vdek-Chefin Ulrike Elsner einer Mitteilung zufolge.

Vor allem Pflegekosten sind gestiegen

Pflegekräfte würden gut bezahlt, es könne aber nicht sein, dass das zu einer immer stärkeren Belastung der Pflegebedürftigen führe. «Wir brauchen eine Begrenzung des Kostenanstiegs. Die avisierte Pflegereform muss eine faire Lastenteilung und austarierte Eigenanteile erreichen.»

Patientenschützer sehen auch die Landesregierung in der Pflicht. «Die Landesregierung ist gefordert, sich nicht länger vor ihrer Verantwortung zu drücken und die Ausbildungs- sowie Investitionskosten komplett zu übernehmen», sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Das würde nach Berechnung der Stiftung die Kosten im Südwesten um monatlich 623 Euro senken. «Für Unterkunft, Verpflegung und Extra-Komfort kommt weiterhin jeder selbst auf», sagte Brysch.

Minister: Bundesregierung verweigert sich Reform

Auch die SPD im Landtag forderte die Regierung zum Handeln auf. Das Land könne seinen Teil dazu beitragen, die Beiträge um 10 Prozent zu senken, sagte die stellvertretende Fraktionschefin Dorothea Kliche-Behnke. «Dafür müssen im Landeshaushalt mehr Mittel für die Pflege bewilligt werden. So machen das auch unsere Nachbarländer wie Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz.»

Baden-Württembergs Sozialminister Oliver Hildenbrand (Grüne) wies die SPD-Forderung zurück. Die von der SPD mitgetragene Bundesregierung schiebe die lange angekündigte Pflegereform einmal mehr auf die lange Bank. Das Land fordere schon lange, dass die Heimbewohner nur noch einen festen Grundbetrag zahlen müssten. «Aber die Bundesregierung verweigert sich einer solchen Reform.»

Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Kosten

In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung sowie die Ausbildungskosten für Pflegekräfte enthalten, denn die Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Kosten. Für Bewohnerinnen und Bewohner im Heim kommen noch Zahlungen für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionen in den Einrichtungen hinzu.

Bei den selbst zu zahlenden Summen kommt es auf die Aufenthaltsdauer an, weil sich danach Entlastungszuschläge richten, die Pflegebedürftige neben den Leistungen der Pflegekassen bekommen. Der Eigenanteil für die reine Pflege wird im ersten Jahr im Heim um 15 Prozent gedrückt, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.

Selbst mit dem höchsten Zuschlag ab dem vierten Heimjahr müssen die Bewohnerinnen und Bewohner im Südwesten im Schnitt noch 2.216 Euro im Monat aus der eigenen Tasche bezahlen.

Ausgewertet wurden nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (vdek) Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern. Zum Verband gehören etwa die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit.

 

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