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Polizeigewerkschaft will Erste-Hilfe-Kits für Beamte

Nachrichten Polizeigewerkschaft will Erste-Hilfe-Kits für Beamte

Quelle: Philipp Schulze/dpa
dpa

Nach dem Messerangriff auf Polizisten soll jeder Streifenbeamte ein Notfall-Erste-Hilfe-Set am Körper tragen. Das will die Polizeigewerkschaft. Das Innenministerium reagiert.

Nach dem blutigen Messerangriff eines Mannes auf Polizeibeamte setzt sich die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) dafür ein, das Beamte in bedrohlichen Lagen ein Erste-Hilfe-Set am Körper tragen. Diese Notfallausrüstung – auf Englisch «Individual First Aid Kit» – solle je nach Verwendungszweck unterschiedlich bestückt werden, sagte DPolG-Landesvorsitzender Ralf Kusterer. Eine Fahrzeug-Ausstattung oder die Bereitstellung dieser Ausrüstung auf einer Dienststelle reichten nicht aus.

Innenministerium: Die Polizei ist schon gut ausgestattet

Nach Auskunft des Innenministeriums ist die Polizei für den Notfall bereits gut ausgestattet. Allen operativ tätigen Polizeivollzugsbeamten stünde wegen ihrer besonderen Aufgaben eine Erste-Hilfe-Ausstattung zur Verfügung, um lebensrettende Sofortmaßnahmen durchzuführen.

Kern dieser Ausstattung bilde das von Kusterer erwähnte Kit, das neben einem Tourniquet unter anderem auch Thorax-Pflaster, Rettungsdecken oder einen Notfalldruckverband enthalte. Diese gebe es in allen operativ genutzten Fahrzeugen der Polizei. Darüber hinaus seien die Dienststellen mit sogenannten «Notfallrucksäcken leicht» ausgestattet, die weitere Gegenstände für Rettungsmaßnahmen enthielten.

Den Funkstreifenwagen sind laut dem Innenministerium bestimmten Führungs- und Einsatzmitteln zugewiesen, so dass diese je nach Lage im Einzelfall mitgenommen und eingesetzt werden können. Damit werde gewährleistet, dass flächendeckend auf erforderliches Erste-Hilfe-Material zurückgegriffen werden könne, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. «Im Übrigen ist die Polizei aktuell schon dabei, weitere Beschaffungen durchzuführen.»

Tatverdächtiger greift Polizisten mit Messer an und wird erschossen

Am Donnerstag hatte ein afghanischer Asylbewerber zwei Polizeibeamte bei einem Routineeinsatz mit einem Messer angegriffen und einen davon schwer verletzt. Laut Kusterer hatte der Beamte Abwehrverletzungen an Händen und Arm – teilweise bis an die Knochen. Die Polizeibeamten gaben daraufhin mehrere Schüsse ab. Der 27-Jährige wurde mehrfach getroffen und starb.

Er war ein verurteilter Straftäter. Er sollte an seinem Wohnort in Wangen (Landkreis Göppingen) abgeholt und wegen eines Körperverletzungsdeliktes in Haft gebracht werden. Gegen ihn lag ein sogenannter Vorführbefehl vor.

Schnelle medizinische Versorgung sei nötig

Schwere Stich- und Schnittverletzungen wie im Falle von Wangen erfordern laut Kusterer eine schnelle medizinische Versorgung. Dieser Vorfall mache erneut deutlich, dass alle Streifendienstangehörige sowie andere operative Einsatzkräfte diese besondere Ausstattung bräuchten. «Bei dem starken Anstieg der Messerangriffe müssen wir unsere Polizeiteams so ausstatten, dass die bis zum Eintreffen von Rettungskräften selbst sich oder anderen helfen können. Dabei muss man manche Dinge am Mann und an der Frau tragen, weil man nicht immer Zugriff auf Gegenstände hat, die im Polizeifahrzeug liegen.»

Polizeigewerkschaften: Taser müssen zügig her

Zuvor hatten Kusterer wie auch sein Amtskollege von der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Gundram Lottmann, für eine schnellere Einführung von Tasern für Streifenbeamte geworben. «Der Beginn des Tests ist für das nächste Jahr geplant. Das ist viel zu spät. Wir favorisieren die sofortige Einführung der neusten Generation – Taser 10 – mit 10 Pfeilen und damit 10 Schussabgabemöglichkeiten.»

Streifenpolizistinnen und -polizisten in Baden-Württemberg sollen die Taser nach den Plänen von Innenminister Thomas Strobl (CDU) zwar als Alternative zur Schusswaffe bekommen – testweise aber nur in einigen Regionen. Strobl rechnete mit einem Start der Erprobung im Jahr 2026.

«Testzeitraum ist viel zu lang und völlig unnötig»

Das ist Lottmann und Kusterer zu spät. «Der Testzeitraum ist viel zu lang und völlig unnötig. Man darf auch daran zweifeln, ob die Dienststellen korrekt ausgesucht wurden», sagte Kusterer. Testen sollen die Geräte nach den Plänen Streifenbeamte im Bereich des Polizeipräsidiums Freiburg.

Dafür werden Beamte in den Polizeirevieren Freiburg-Nord, Freiburg-Süd, Weil am Rhein und Titisee-Neustadt mit der Technik ausgerüstet. Zudem wird eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit des Polizeipräsidiums in Göppingen mit Tasern ausgerüstet.

 

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