News
Protestwoche gegen Sparpläne: Hausärzte warnen vor Kürzungen

News Protestwoche gegen Sparpläne: Hausärzte warnen vor Kürzungen

Quelle: Christoph Soeder/dpa/Symbolbild
dpa

Hausarztpraxen in Baden-Württemberg protestieren mit gesperrten Wartezimmerplätzen gegen Sparpläne. Der Verband warnt: Die geplanten Kürzungen könnten die Versorgung verschlechtern.

Mit gesperrten Wartezimmerplätzen wollen Hausarztpraxen in Baden-Württemberg ein Zeichen gegen die Sparpläne der Bundesregierung setzen. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband ruft seine Mitglieder zu einer Protestwoche auf. In Praxen im ganzen Land soll in dieser Woche jeder zweite Sitzplatz frei bleiben. Der Verband sieht die hausärztliche Versorgung durch die geplanten Kürzungen gefährdet. Die Aktion sei Teil einer bundesweiten Protestkampagne, teilte die Co-Landesvorsitzende Susanne Bublitz in Stuttgart mit.

Der Verband moniert besonders die nach seinen Angaben im Gesetzentwurf enthaltene sogenannte Fixkostendegression für die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV): Praxen, die neue Patientinnen und Patienten in die HZV einschreiben, sollen dafür finanzielle Abschläge erhalten. Wer mehr Menschen koordiniert versorge, werde dafür bestraft. Der Verband mit etwa 4.600 Mitgliedern im Südwesten warnte vor einer schlechteren Patientenversorgung.

Für viele Menschen sei die Hausarztpraxis das «zweite Wohnzimmer», sagt der Stuttgarter Hausarzt Thomas Heyer. Mit der Aktion wolle man die Patienten mitnehmen. Gesperrte Stühle würden auffallen, das Sparpaket selbst sei vielen nicht bekannt. Und selbst wenn: «Der Patient weiß natürlich meistens auch nicht, was die Konsequenz davon ist. Und da muss man schon auch dann Aufklärungsarbeit leisten.»

Mitmachaktion: Mail an Bundestagsabgeordnete

Der Verband plant außerdem eine E-Mail Aktion, bei der Patientinnen und Patienten sich an ihre jeweiligen Bundestagsabgeordneten wenden können. Dafür sollen die knapp 50.000 Hausarztpraxen in Deutschland Plakate und Informationsmaterial zugeschickt bekommen. In einem Muster-Text für die E-Mails heißt es unter anderem: «Bereits jetzt arbeitet meine Praxis ständig am Limit. Durch die nun geplanten Kürzungen wird sich die Situation weiter verschärfen.»

Auch ein anderer Ärzteverband plant in der Woche eine Aktion. So ruft der Medi-Verband zu bundesweiten und ganztägigen Praxisschließungen am Mittwoch auf.

Sparpaket von insgesamt 16 Milliarden Euro

Das vom Kabinett auf den Weg gebrachte Sparpaket soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten, um ein erwartetes Defizit auszugleichen und höhere Zusatzbeiträge zu vermeiden. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und der Pharmabranche – aber etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.

Auch von der Landesärztekammer Baden-Württemberg kommt Kritik an dem Gesetz. Das Sparpaket nehme Leistungsträger einseitig in die Verantwortung, wird Kammerpräsident Wolfgang Miller in einer Mitteilung zitiert. Dass Praxen und Krankenhäuser nun protestierten, sei verständlich. «Denn das Gesetz wird die gesundheitliche Versorgung destabilisieren», so Miller.

Der Hausärzteverband kritisiert unter anderem die geplante Streichung von Extra-Vergütungen etwa für Organspendeberatung und dass eine kürzlich vorgenommene Abschaffung von Obergrenzen für die Honorare von Hausärztinnen und Hausärzten teilweise zurückgenommen werden solle.

 

Weitere Nachrichten

Riss im Feld und in der Existenz? Ein Bauer kämpft ums Vieh

Kühe leiden, Futter fehlt: Wie Hitze und Dürre den Alltag auf dem Hof verändern und welche Hilfen das Land für Milchviehhalter plant.

XXL-Windpark der EnBW im Meer: Was das für die Energiewende bedeutet

Sechs Fußballfelder Fläche pro Rotor, Stromleitungen quer durchs Meer: Was hinter dem größten Offshore-Projekt vor der deutschen Küste steckt.

Von Ballett bis Zirkus: 375 Bildungsgänge an Berufsschulen

Ballett-Akademie, Akkordeonlehrer oder Sportmanagement: Was steckt hinter den seltenen Bildungsgängen, die nur eine Handvoll Schüler wählen?

Mutmaßlicher Waffenhändler bei SEK-Einsatz in Knielingen festgenommen

Die Polizei nimmt einen 46-Jährigen fest. Bei der Durchsuchung finden die Beamten mutmaßliche Waffenbauteile und Cannabis.

ADAC warnt vor mehr Staus durch Lkw am Wochenende

Lkw rollen auch an den kommenden Wochenenden über Autobahnen wie die A5, A6, A8 und A81. Warum das vor allem Urlauber auf der Rückreise interessieren sollte und was das Niedrigwasser damit zu tun hat.

Wird Trinkwasser in Baden-Württemberg knapp? Das sagen die Versorger

Angesichts der anhaltenden Trockenheit ist die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg aktuell ein Thema. Mehrere Versorger ordnen die Lage ein.



















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.