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Regelrecht „gekocht“: Wie Hitze und Trockenheit Tiere plagen

Nachrichten Regelrecht „gekocht“: Wie Hitze und Trockenheit Tiere plagen

Quelle: Daniel Karmann/dpa

Salamander, Wasseramsel, Steinkrebs und Co. leiden unter Niedrigwasser und steigenden Gewässertemperaturen. Fachleute warnen vor schrumpfenden Beständen und verlorenen Lebensräumen.

Die außergewöhnlich frühe und intensive Hitzewelle macht vor allem auch Tieren zu schaffen, die an und im Wasser leben. «Die Trockenheit in Kombination mit langen Hitzeperioden trifft die Gewässer-Lebensgemeinschaften in Baden-Württemberg ins Mark», erklärte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu), Johannes Enssle. «Das bedeutet einen Lebensraumverlust in Echtzeit – für Fische, Flusskrebse, Insektenlarven und all jene Arten, die auf dauerhaft wasserführende, sauerstoffreiche und kühlende Fließgewässer angewiesen sind.»

Niedrigwasser und hohe Wassertemperaturen seien eine doppelte Belastung, betonte der Gewässer-Fachbeauftragte des Nabu, Finn Zenker. «Wenn kleine Bäche trockenfallen, wie dies aktuell geschieht, verschwinden ganze Populationen.»

Laut der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg war der Juni 2026 mit einer Mitteltemperatur von 20,0 Grad Celsius der zweitwärmste Juni seit Beginn der Messreihe im Jahr 1961. Er habe 5,0 Grad über dem Mittel der Klimareferenzperiode von 1961 bis 1990 gelegen.

Mit lediglich 46 Millimetern Niederschlag sei nicht einmal die Hälfte des langjährigen Mittels von 104 Millimetern gefallen. «Damit belegt der Juni Rang 4 der trockensten Junimonate der Messreihe.» Das verschärfe die Niedrigwasserlage an vielen Flüssen und Bächen, die zunehmende Verdunstung wiederum den Trockenstress vieler Ökosysteme.

Beispiel Wasseramsel

Die Wasseramsel etwa tauche nach im Wasser lebenden kleinen Insektenlarven als proteinreiche Nahrungsgrundlage, erklärte Zenker. «Dabei ist die Wasseramsel bis zu 30 Sekunden lang unter Wasser, um ihre Nahrung am Gewässergrund zu suchen.» Bilden sich infolge steigender Temperaturen mehr Algen, fänden die Vögel keine Nahrung mehr. Köcher- oder Eintagsfliegenlarven hätten hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Daher sei die Wasseramsel ein Indikator für intakte Gewässer.

Der Nabu Emmendingen habe an der Elz festgestellt, dass sich die Ausbreitung der Wasseramsel verschoben habe. Einstige Brutgebiete würden nicht mehr besiedelt, berichtete Zenker. «Da die Wasseramsel eine Indikatorart ist, heißt das, dass es dem Fluss nicht gut geht.»

Brüten die Tiere ein zweites Mal und schlüpft der Nachwuchs im Sommer, ist dieser wegen des Nahrungsmangels gefährdet, wie der Fachbeauftragte für Vögel, Stefan Bosch, erläuterte. Der Bestand schrumpfe. An andere Fließgewässer könnten die Wasseramseln kaum ausweichen, da dort das Fließverhalten anders sei und sie damit keine geeignete Nahrung fänden.

Anders ist dies laut dem Fachmann beim Eisvogel. Der Brutvogel ernähre sich von Fischen, Insekten oder Kaulquappen, die er bei Tauchgängen mit Sturz ins Wasser erbeute. Er lebe an unterschiedlichsten Gewässern, könne ausweichen und sich andere Nahrungsquellen erschließen, so Bosch.

Abkühlung durch Schatten

Ein wichtiger Hebel sind Zenker zufolge Uferrandstreifen mit dichter Vegetation etwa durch Gehölze. Diese sorgten dafür, dass bei Niedrigwasser möglichst wenig Sedimente und Pestizide etwa von angrenzenden Ackerflächen in Gewässer gelangen. Wichtig sei zudem, dass Baumkronen Schatten werfen. Uferbäume könnten bei einem zehn Meter breiten Gewässer maximale Kühleffekte von 4 bis 5,5 Grad schaffen.

«Begradigte, strukturarme und aufgestaute Gewässer sind durch die Veränderung des Menschen besonders stark von der Hitze betroffen, da sich das langsam fließende, fast stehende Wasser ohne Beschattung schnell erwärmen kann», erklärte Zenker. Flüsse könnten überhitzen, kleine Bäche und Gräben schlichtweg austrocknen.

Dann leiden den Angaben nach nicht nur wassergebundene Vögel und Fische. Seltene Arten wie die Bachmuschel oder Steinkrebse vertrocknen dem Experten zufolge einfach.

Beispiel Amphibien

Besonders durch die extreme Hitze und Trockenheit betroffen sind Amphibien. Deren Entwicklung starte immer in Gewässern – je nach Art in Seen, Tümpeln, Pfützen oder Bächen, teilte Hans-Joachim Bek, Nabu-Fachbeauftragter für Amphibien, mit. Von der Kaulquappe bis zum Jungfrosch, vom Molch-Ei bis zum Jungmolch und von der Salamanderlarve bis zum kleinen Salamander vergingen mehrere Monate.

«Trocknen die Gewässer aus oder fallen die Waldbäche trocken, sterben alle diese Entwicklungsstadien, da die Larven und Kaulquappen wie die Fische über Kiemen atmen und erst nach der Metamorphose auf Lungenatmung umstellen», erklärte Bek. Erwärmten sich Gewässer zu stark, würden die Tiere regelrecht «gekocht» und sterben.

Aber auch wenn der Übergang der Larvenstadien vom Wasser zum Land erfolgt ist, bleiben die Jungtiere und erwachsenen Amphibien durch Hitze und Trockenheit stark gefährdet. «Nur bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit können Amphibien auf Nahrungssuche gehen, da sie sonst Gefahr laufen, zu vertrocknen», erklärte Bek. Sie zögen sich in Erdlöcher, Ritzen oder Totholz zurück. «Trocknen die Bodenschichten dann immer tiefer aus, verenden Amphibien unbemerkt.» Gerade Jungtiere mit ihrem geringen Körper- und Feuchtigkeitsvolumen seien davon betroffen.

 

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