News aus Baden-Württemberg
Staub und Sorgen auf Feldern: Bauern warnen vor Verlusten

News aus Baden-Württemberg Staub und Sorgen auf Feldern: Bauern warnen vor Verlusten

Quelle: Matthias Bein
dpa

Hitze und Trockenheit machen den Landwirten in Baden-Württemberg ordentlich zu schaffen. Die Felder vertrocknen, vieles muss aufwendig bewässert werden und ausreichend Regen ist nicht in Sicht. Die Ernte ist in großer Gefahr, warnen die Bauern.

Wegen der anhaltenden Trockenheit drohen den baden-württembergischen Bauern nach Einschätzung ihres Verbandspräsidenten zum Teil dramatische Ernteausfälle. Betroffen sei vor allem der Norden des Landes, sagte Landesbauernpräsident Joachim Rukwied und warnte: «Wenn zeitnah keine ergiebigen Niederschläge kommen, rechnen wir hier bei fast allen Kulturen mit erheblichen Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent». Die fehlenden Niederschläge hätten in fast allen Getreidekulturen und bei Raps zu Ausfällen geführt. Belastet werde die Branche zudem durch Lieferengpässe und die gestiegenen Kosten für Diesel, Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie für Futter.

Mit Sorgen blicken die Bauern vor allem auf Pflanzen, die später im Jahr geerntet werden, darunter Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja. «Die Herbstkulturen leiden massiv unter Wassermangel und Hitzestress», sagte Rukwied. Grünland und Mais seien zum Teil vertrocknet. Einige Tierhalter fütterten schon Winterfutter zu, da sie kein Grünfutter mehr schneiden könnten. «Einige Schäden sind bereits irreparabel» sagte Rukwied. «Nur wenn es in den kommenden zwei Wochen eine längere Zeit regnet, könnten die Landwirte noch etwas ausgleichen. Aber danach sieht es nicht aus.»

Die Getreide- und Rapsernte ist hingegen in weiten Teilen des Landes abgeschlossen. Die Ertragsspanne zwischen den einzelnen Regionen sei sehr groß ausgefallen, bilanzierte Rukwied. So mussten die Bauern in Nordwürttemberg und Nordbaden nach seinen Angaben teils erhebliche Ertragseinbußen hinnehmen. «Die Regionen südlich von Stuttgart haben dagegen eine gute Ernte eingefahren», sagte er. Der Grund: In Südwürttemberg und Oberschwaben habe es in den entscheidenden Wachstumsphasen vor dem Sommer noch geregnet. Extremes Wetter wie Starkregen oder Hagel hätten die Landwirtschaft zudem kaum geplagt. «Entscheidend für das Ernteergebnis waren in diesem Jahr Zeitpunkt und Umfang der Niederschläge sowie die Bodenqualität», sagte der Bauernpräsident.

Mit einer Fläche von 213.700 Hektar ist der Winterweizen weiterhin die Hauptkultur in Baden-Württemberg, gefolgt von Winter- (82.000 Hektar) und Sommergerste (61.100 Hektar).

Bereits vor wenigen Tagen hatte der Landes- und Bundesbauernpräsident gesagt, die Landwirtschaft richte sich zwar mit wasser- und bodenschonenden Verfahren auf trockenere und heißere Sommer ein. «Aber letztendlich ist eben zu befürchten, dass wir durch die Klimaveränderung zukünftig nicht mehr das Ertragsniveau der 90er Jahre beispielsweise erreichen können.»

Hier setzt auch die Kritik der FDP an. Vor allem kleinere Familienbetriebe könnten kaum selbst für eine ausreichende Risikovorsorge gegen Wetterextreme sorgen, sagte FDP-Agrarexperte Georg Heitlinger. Teure Speicherbecken und Zuleitungen zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen seien Mangelware. «Aufgrund der kleinteiligen Betriebsstrukturen sind die Investitionskosten für einen Einzelbetrieb kaum tragbar», sagte der FDP-Politiker. Landwirte bräuchten unbürokratische und wirtschaftliche Lösungen, wie beispielsweise neue Züchtungstechnologien, um sich für den Klimawandel zu wappnen.

Die Liste der Probleme für die Bauern geht derzeit aber noch weit über das Wetter hinaus: Auch die gestiegenen Energiepreise, beispielsweise für Diesel, machen Landwirten in Baden-Württemberg enorme Sorgen. Für Dünge- und Pflanzenschutzmittel müssen sie in diesem Jahr zudem zum Teil das das Vierfache bezahlen, das Futter wird teurer und die Lieferengpässe bei Ersatzteilen oder Maschinen machen sich ebenfalls bemerkbar. «Das belastet unsere Familienbetriebe schwer», sagt der Bauernpräsident.

Er sieht auch die Verbraucher in der Verantwortung. Sie griffen wegen der hohen Inflation häufiger zu günstigeren Erzeugnissen, beispielsweise aus Südeuropa oder aus Drittländern. «Die regionale baden-württembergische Ware bleibt liegen», beklagte Rukwied. Er erwartet, dass die Landwirte ihre Preise erhöhen werden. «Das müssen sie tun, um überhaupt weiter wirtschaften zu können», sagte der Verbandschef.

 

Weitere Nachrichten

Mutmaßlicher Brandstifter nach rund 40 Bränden in U-Haft

Stroh, Felder, Holzstapel: Seit Juni brennt es im Enzkreis immer wieder. Jetzt könnte das ein Ende haben.

Bahnhofsvorplatz am Karlsruher Hauptbahnhof wird teilweise barrierefrei umgebaut

Derzeit entsprechen die Bahnsteige am Bahnhofsvorplatz aufgrund ihrer geringen Höhe nicht den Anforderungen an einen barrierefreien Zugang zum ÖPNV. Durch den Umbau sollen die Haltestellen bis zum Komplettumbau provisorisch umgerüstet werden.

Lebenserwartung in Baden-Württemberg steigt erneut leicht an

Fast zehn Jahre mehr Lebenszeit für Neugeborene als in den 1970ern – warum die Säuglingssterblichkeit und bessere Vorsorge die Lebenserwartung im Südwesten so stark beeinflussen.

Schwimmunterricht ohne Rettungsfähigkeit? Land lässt prüfen

Wer Schülern Schwimmen beibringt, muss im Notfall Leben retten können. Landesweit wird nun geprüft, ob das auch immer der Fall ist. Ein Verdacht aus dem Raum Baden-Baden sorgt für Unsicherheiten.

Lebensmitteleinkauf: Was Rabatt-Apps so beliebt macht – und was kritisiert wird

Rabatt-Apps versprechen exklusive Sparvorteile. Verbraucherschützer sehen genau darin eine Benachteiligung. Ein großer Teil der Kunden nutzt die Apps, hat daran jedoch oft auch etwas auszusetzen.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.