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Tapinoma-Ameise krabbelt durch Dutzende von Kommunen

News Tapinoma-Ameise krabbelt durch Dutzende von Kommunen

Quelle: Uli Deck/dpa
dpa

Die eingeschleppte Tapinoma-Ameise breitet sich rasant aus. Dutzende von Städten und Gemeinden sind inzwischen betroffen – mit Folgen für Technik und Alltag. Was ist jetzt besonders wichtig?

Mit enormer Wucht breiten sich Ameisen der eingeschleppten Art Tapinoma magnum inzwischen millionenfach in vielen Kommunen Baden-Württembergs aus. Sie fressen sich durch Stromkabel, legen Internetverbindungen lahm und dringen in Autos, Spülmaschinen oder Kinderzimmer vor. In bislang rund 50 Städten und Gemeinden im Südwesten sind teils auffallend große Kolonien nachgewiesen – das sind deutlich mehr als bislang bekannt waren, wie aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht.

Die Landesregierung rechnet fest damit, dass sich die Ameisenart noch stärker ausbreiten wird. «Eine weitere Ausbreitung beziehungsweise neue Nachweise in den kommenden Jahren sind zu erwarten», heißt es in der Drucksache. Besonders oft wurde die Ameise im Raum Stuttgart entdeckt – etwa in Hessigheim (Kreis Ludwigsburg), Remseck und Nürtingen. Laut Umweltministerium könnte dies auch an der verstärkten Öffentlichkeitsarbeit der vergangenen Monate liegen. Zahlreiche Betroffene berichteten, sie hätten die Tiere schon seit Jahren beobachtet.

 

Auch eine zweite Ameisenart breitet sich aus

Jüngst machte zudem eine weitere fremde Art Schlagzeilen: Im Karlsruher Stadtteil Knielingen wurden zahlreiche Exemplare der bisher dort nicht nachgewiesenen Lasius neglectus (Vergessene Wegameise) gefunden. Anwohner klagten seit Jahren über wiederkehrende Ameiseninvasionen auf Terrassen, Straßen, Bäumen und Mülleimern – ohne zu wissen, dass es sich um diese Art handelt.

Im Südwesten war die Wegameise erstmals 2017 in Ludwigsburg entdeckt worden, später auch in Bad Säckingen und Wehr (beide Kreis Waldshut). «Diese Art kann ähnlich große Superkolonien wie Tapinoma magnum bilden, ist ebenso lästig, belastend und schwer zu bekämpfen», teilte das Umweltministerium mit. Grundsätzlich könnten auch künftig weitere gebietsfremde Arten eingeschleppt werden, die ähnliche Probleme bereiten.

Die Naturkundemuseen in Stuttgart und Karlsruhe haben ein Forschungsprojekt zu Tapinoma magnum gestartet. Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, bei verdächtigen Funden die Projektwebsite zu besuchen. Dort finden sich Bestimmungshilfen – für Laien allerdings schwer nutzbar, da in Deutschland mehr als 120 Ameisenarten vorkommen. Alternativ kann ein Foto eingesandt werden.

 

So erkennt man die Große Drüsenameise

Auf Deutsch heißt die Tapinoma magnum Große Drüsenameise. Trotz ihres Namens ist diese schwarze Ameise klein, meist nur zwei bis vier Millimeter. Bei Bedrohung sondert sie einen intensiven Duftstoff ab. Typisch für diese Art sind breite Ameisenstraßen und auffällige Sand- oder Erdhügel um die Nesteingänge. Wird ein Nest gestört, erscheinen schlagartig Hunderte Tiere.

 

Schwierige Bekämpfung

Fachleute halten die Bekämpfung der eingeschleppten Arten für aufwendig. Die Superkolonien bestehen aus Hunderttausenden bis Millionen Tieren. Das Projekt rät Privatpersonen vom Einsatz von Insektiziden ab: Diese beseitigen meist keine vollständigen Kolonien und können in Innenräumen gesundheitsschädlich sein.

Betroffene sollten stattdessen ihre Gemeinde informieren. Manche Kommunen wie Kehl setzen bereits Heißwassergeräte zur Bekämpfung ein. In Zürich konnte eine neue Kolonie mit unterschiedlichen Insektiziden erfolgreich beseitigt werden.

 

Je früher, desto besser

Welche Methode geeignet ist, hängt laut Umweltministerium von Größe, Lage und Umgebung der Kolonie ab. Entscheidend ist schnelles Handeln: «Der frühzeitige Maßnahmenbeginn bestimmt maßgeblich die Erfolgsaussichten für die Auslöschung einer Kolonie», heißt es in der Drucksache. Dazu sei eine rasche Identifikation der Art notwendig.

Das Forschungsprojekt mahnt zugleich, Ameisen nicht pauschal als Schädlinge zu betrachten. «Ohne Ameisen würden sich viele unserer Ökosysteme stark verändern», betonen die Forschenden.

 

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